Co­ro­ni­sie­rung ei­ner Kul­turi­ko­ne

Publikationsdatum
20-05-2020

Amerika wurde von Europa kolonisiert. Als Retourkutsche kam die Amerikanisierung zurück, und dank Globalisierung folgt nun die «Coronisierung». Um dem Shutdown zu trotzen, vermarktet sich ein Biergarten – diese bayerische Bau- und Gartenkultur­ikone – als «Radl- und Auto-Drive-­in». Für Nicht-Bajuwaren: In einem Biergarten, andernorts auch als Gartenbeiz bekannt, lässt man sich nieder, um durch Promilleauffrischung das Leben erträglicher, wenn nicht gar schöner zu machen. Es bleibt die Frage: Wie verzehrt man Hirschbraten auf einem Velo? Radprofis wüssten dies vielleicht – ist doch «Fast Food» ihr täglich Brot.

Und was treibt derweil die Mutter aller Drive-ins und des Fast Food um? Deren Häuptling besinnt sich auf seine deutschen Wurzeln und empfiehlt, Desinfektionsmittel in den Rachen zu schütten. Neu ist das nun wirklich nicht. In Bayern nimmt man hierfür seit jeher Enzian oder Obstler, und für den Schutz der Nase sorgt eine «Pris’n» (Schnupf­tabak). Statt Mundschutz trägt man einen buschigen Schnauzer, gross wie der Gamsbart auf dem Hut. Der fängt das fieseste Virus ab. Beste Chancen, Covid-­­19 nicht zu erwischen, haben bayerische Urviecher, Vermummte und Verschleierte. Die nächste Genera­tion am Radl- und Drive-in verspricht interessant zu werden.

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