Ve­ne­dig: Are­na für ei­nen Baum

Ein Baum auf einem Floss, geschützt durch eine Holzkonstruktion, schwimmt durch die Lagune in Richtung Venedig, um dort bis Ende Juli zu bleiben. Es ist eine Sumpfzypresse, Protagonistin einer Intervention des Basler Künstlers Klaus Littmann Basel anlässlich der 60. Kunstbiennale.

Publikationsdatum
20-05-2024

Aus der Ferne sieht die Arena für einen Baum wie eine keimende Samenkapsel aus. Aus der Nähe betrachtet, ist sie gleichzeitig Skulptur, Architektur und Podium: Die Tribüne bietet drei Reihen von Sitzplätzen und kann 50 Personen gleichzeitig aufnehmen, was ein direktes Erleben und eine unverstellte Sicht auf den Baum ermöglicht, dessen Wurzeln in einem Wasserbecken stehen.

Gemäss Littmann soll die Arena für einen Baum Botschafterin und Mahnerin zum Klimawandel und zum Thema Nachhaltigkeit sein. Sie verweise zudem auf das Thema Migration und Identität, denn über lange geologische Epochen war diese Baumart in verschiedenen Regionen der Welt heimisch. 

Während sein aktuelles Habitat hauptsächlich grosse Teile von Zentral- und Südamerika umfasst, deute das drohende Gespenst der globalen Erwärmung darauf hin, dass sie auch in Europa Fuss fassen könnte. Robust und widerstandsfähig passt sich dieser Baum einer Vielzahl von Bodentypen an, ob nass, salzig, trocken oder sumpfig. 

Holzschale mit 13 Metern Durchmesser

Entworfen von Littmann und realisiert von Schnetzer Puskas Engineers (Basel), besteht die Arena aus einer korbähnlichen, sieben Meter hohen Struktur aus Holzrahmen und -latten. Vierzehn gekrümmte und gewölbte Holzbinder aus Brettschichtholz aus Fichte und Tanne, aufgebaut aus zwölf Millimeter dünnen Lamellen wachsen von einem stählernen Druckring zum Himmel. An ihren Spitzen werden sie durch einen Zugring zusammengehalten. 

Der differenzierte Anschnitt der Träger ergibt eine leicht unregelmässige Form der Schale, die einen äusseren Durchmesser von 13 Metern aufweist. Im Grundriss betrachtet, repräsentiert die Gestaltung der Struktur und die innere Tribüne den Stamm eines Baumes im Profil mit seinem konzentrischen Muster der Jahresringe.

Reise von Basel über Zürich nach Venedig

Dieses langfristige Tournee-Projekt der Kulturstiftung Basel H. Geiger wurde erstmals 2021 auf dem Münsterplatz in Basel mit der begleitenden Ausstellung Tree Connections und anschliessend im Frühjahr 2022 im Innenhof des Schweizerischen Nationalmuseums in Zürich präsentiert. Venedig ist sein drittes und letztes Ziel - zugleich das erste, das Wasser als weiteres Umweltelement miteinbezieht.

Die Intervention von Klaus Littmann will unsere Sichtweise auf die Welt beeinflussen. Als Schattenspender oder als Gastgeber für Vögel und Insekten präsentiert sich sein Baum wie ein kleines, temporäres Naturschutzgebiet als Insel des Friedens. «In seiner Blüte sehen wir einen Hoffnungsträger in ihm. Lässt er sein Laub fallen, denken wir über Vergänglichkeit nach. Der Baum ist Zeichen des Lebens, Stellvertreter für die Vielfalt der Arten und Zeuge für die Verletzlichkeit des globalen Ökosystems» so Klaus Littmann.

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