Adolf Kri­scha­nitz: Zu­sam­men­ar­beit und In­te­ri­or

Adolf Krischanitz bereicherte nicht nur das Architektur­œuvre in der Schweiz, sondern beeinflusste auch mit seinen dynamischen Netzwerkaktivitäten den Architekturdiskurs. Freunde und Wegbegleiterinnen erzählen im Interview  von gemeinsamen Arbeiten.

Publikationsdatum
03-06-2026

Sie haben mit Adolf Krischanitz bei seinem ersten Schweizer Projekt zusammengearbeitet. Er gestaltete zusammen mit Hermann Czech das Interieur des Swiss Re Centre for Global Dialogue. Später folgte die Zusammenarbeit für den Gestaltungsplan der Greencity. Wie entstand Ihr Kontakt?

Adolf Krischanitz zählt zu dem Netzwerk, das für uns in den Sommerakademien in Berlin (1986) und Karlsruhe (1990) entstanden ist. So besichtigten wir 1992 die Werkbundsiedlung Wien, deren Instandsetzung Adolf Krischanitz über Jahre hinweg mit einer akribischen Recherche gemeinsam mit Otto Kapfinger vorangetrieben hatte, und uns mit den Häretikern Josef Frank oder Hugo Häring konfrontierte. 

Verstörend und provozierend waren dabei nicht nur deren antidogmatische Haltung gegenüber dem Kitsch und die rücksichtslose Kritik an der Garnitur, sondern ebenso die sichtliche Freude an Montagen unzusammenhängender Objekte, die wir bei unseren Wiener Freunden vorfanden.  

Unmittelbar danach fragte er mich an für einen Beitrag in der von ihm mitbegründeten Zeitschrift «Umbau» zur gerade fertiggestellten Siedlung Pilotengasse, die Adolf Krischanitz mit Herzog & de Meuron und Otto Steidle entworfen hatte. 

In deren inneren Zeilen experimentierten Krischanitz und Otto Putz mit einem Farbkonzept, das gewagte Übertragungen aus der Malerei in die Architektur vornahm und mit Vergnügen an wahrnehmungsmässigen Grenzgängen operierte.  

Wie gestaltete sich der Anfang seines Wirkens in der Schweiz? 

Das erste Projekt war der geladene Wettbewerb für ein Kongresshotel Park Hyatt 1993 in Zürich Enge. Auf der Teilnehmerliste findet sich neben Theo Hotz, Skidmore, Owings & Merrill, erstmals die junge Generation mit Anette Gigon, Mike Guyer sowie Francesco Venezia und Adolf Krischanitz, zwei Teilnehmer der Sommerakademie. 

Die Radikalität seines Beitrags – eine rigide gerasterte Fassade aus immer demselben quadratischen Fenster, überlagert mit U-Profilen, die als Leuchtkörper ausgebildet waren, und einer Verglasung aus Structural Glazing – rief einen geschockten Jurykommentar hervor: «Das äussere Erscheinungsbild ist hart und unterkühlt.»1

In welcher Beziehung standen für ihn Mobiliar und Gebäude?

Im Projekt des Seminarzentrums Swiss Re in Rüschlikon dehnte sich der Entwurf auf Möbel, Teppiche, Vorhänge und Lampen aus – Gegenstände des Lebens, die für uns selbst nur am Rande zur Architektur gehörten. Anders als die Scheidung von Core und Shell zur Inneneinrichtung in den amerikanischen Hotels handelt es sich ganz im Loos’schen Sinne nicht um die «gesamte Innenarchitektur», sondern um jene beweglichen Teile, die man üblicherweise in ein Haus einfügt. 

Für die Planung dieser Vielfalt der mobilen Einrichtung «vom Stuhl über den Tisch bis zur freistehenden Leuchte alle Objekte, ebenso auch textile Elemente» haben wir Hermann Czech eingeladen, der seinerseits Adolf Krischanitz mitbrachte.

Krischanitz steuerte Mobiliar-Prototypen bei, wie die Liege AK4, das Konzertfauteuil AK03, den Seminarsessel AK05, AK05/A. Die unerwartete «Einbeziehung von abweichenden Entwurfshaltungen», so der Vertragstext, sollte eine zusätzliche Komplexität, Mehrschichtigkeit und Vielfalt mit sich bringen, die gleichwohl eine neue Einheit von grösserer Spannweite ergibt. 

Anmerkung
1 Kongresshotel Park Hyatt Zürich Enge, Projektwettbewerb auf Einladung, Bericht des Preisgerichts August 1993.

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