Urban Mining and Recycling Unit, Empa NEST, Dübendorf ZH

Paul Knüsel Umwelt/Energie, Stv. Chefredaktor TEC21

Der ökologische Kreislauf ist ein wichtiges Denkmodell im nachhaltigen Bauen. Aber welche Baustoffe und Konstruk­tio­nen eignen sich heute schon für ein ­vollständig rezyklierbares Gebäude? Das­ ­Forschungszentrum Empa NEST ist um ein Anschauungsobjekt ergänzt worden. Die pavillonartige, einstöckige Wohneinheit setzt sich aus komplett rückbaufähigen sowie wieder- und weiterverwend­baren Baumaterialien zusammen. Hülle und Inneneinrichtung sind vornehmlich mineralischer und organischer Herkunft. 

Die Hauptstruktur besteht aus einer Holzkonstruktion mit Pfosten und Riegeln; die vorfabrizierten Elemente wurden als Ganzes in das NEST-Betonskelett auf der 2. Etage eingeschoben und re­versibel eingehängt. Der Rohstoff, Fichte, stammt aus vorarlberger Wäldern. Die Bodenbretter und die Möbel sind aus Eschenholz ge­fertigt und wurden einzig mit Leinöl be­handelt. Die Herkunft der verwendeten Baumaterialien ist vor Ort und auf der Projektwebseite dokumentiert. 

Der ökologische Stand der Baukunde ist im Holzbau weit fortgeschritten. Wie das Recyclingmodul nun aber beweist, ist das Optimum noch nicht ausgereizt: Die Anforderungen an reversible Kon­struk­tionsvarianten und den Einbau von unbehandelten, lösungsmittelarmen Baumaterialien sind im Forschungs­projekt weit strenger als für ein Gebäude mit Ökozertifikat. So war auf jegliche ­Beschichtungen und Leimstoffe zu ver­zichten. Die Holzhülle ist mit ihrerseits re­zyk­lierbaren PE-Bahnen luftdicht ein­gepackt. Ein letzter Knackpunkt war der schadlose Rückbau der Verbindungsstellen: Nicht einmal Nägel waren erlaubt; stattdessen ist die Holzkonstruk­tion ­reversibel gesteckt und verschraubt. Bis in fünf Jahren die Demontage und das Recycling erfolgen, dient das Modul, eine 3 1/2-Zimmer-­Wohnung, nun als Unterkunft für Stu­dierende.

Informationen, Videos und weitere Bilder: 
www.nest-umar.net
www.kaufmannzimmerei.at/projekt/nest-experimentaleinheit-urban-mining-recycling-duebendorf

Am Bau Beteiligte
Bauherrschaft: Empa, Dübendorf
Konzeption Entwurf: W. Sobek, D. Hebel, F. Heisel, Stuttgart und Karlsruhe
Statik und GU: Kaufmann Zimmerei, Reuthe (A)
Bauphysik: Weber Energie und Bauphysik, Schaffhausen
Holz und Konstruktionsart: modular und vorfabriziert
Material: Fichte, Esche, Abfallzellulose, mineral. Bauschutt, Recyclingglas, Kupfer, Wasserhyazinthe u. a. 

Daten
Übernahme durch W. Sobek Group: Februar 2018 

Kosten
Keine Angabe

Der Artikel ist erschienen im  Sonderheft «Stadt aus Holz IV – Megatrends als treibende Kräfte», ein Projekt im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) und in Zusammenarbeit mit Wüest Partner.

Weitere Artikel mit zusätzlichen Bildern und Plänen sowie weitere Beiträge zum Thema Holz haben wir in einem E-Dossier zusammengestellt.

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