Abschlussveranstaltung NFP 66

In Bern fand nach fünfjähriger Laufzeit die Abschlussveranstaltung des Nationalen Forschungsprogramms Ressource Holz (NFP 66) statt. Die Resultate sind spannend und vielfältig. 

Danielle Fischer Architektur, Redaktorin TEC21

Das Spektrum der 30 Forschungsprojekte, die mit 18 Mio. Franken gefördert wurden, reicht von der Grundlagenforschung bis zur praktischen Umsetzung von Spin-offs. Das Programm des NFP 66 wurde in die vier Dialogfelder Holzbeschaffung, Holzbau, holzbasierte Materialien und holzbasierte Bioraffinerie aufgeteilt. Die beteiligten Projektgruppen betrieben auf den entsprechenden Dialogplattformen intensiven Gedankenaustausch und bezogen auch – enger als bei anderen Programmen – Unternehmen und Verbände in den Dialog mit ein.

Ziele sind die bessere Verfügbarkeit von Holz und seine zukünftig breitere Nutzung. Insbesondere soll Holz dort zum Zug kommen, wo heute noch energieintensivere, nicht erneuerbare Rohstoffe wie Erdöl eingesetzt werden. Des Weiteren soll die Kaskadennutzung verbessert werden, indem das Material bis zur Endverbrennung mehrfach genutzt wird.

Die Dialogfelder

4.46 Mio. m3 Holz wurden letztes Jahr aus dem Schweizer Wald geholt, dennoch wird dieser zu wenig genutzt. Hindernisse sind das fragmentierte Waldeigentum und die zu wenig marktorientierte Waldwirtschaft. Die Projektgruppen «Beschaffung» kamen zum Schluss, dass Angebot und Nachfrage gesteigert werden müssen. Dazu soll der Wald in Zukunft unter verbesserten Rahmenbedingungen vermehrt als wirtschaftliche Ressource genutzt und ausserdem neue Produkte entwickelt und die materielle Verwertung von Holz weiterentwickelt werden.

Wichtigster Absatzmarkt der Ressource ist die Bauindustrie, der sich die Projektgruppen «Entwicklungen im Holzbau» annahmen. Generell eröffnen Industrialisierung und Digitalisierung neue Möglichkeiten. Um besser davon zu profitieren, sind wie im vorherigen Dialogfeld neue Rahmenbedingungen bei Aus- und Weiterbildung, im Normenwesen und in der Wirtschaft nötig. Innerhalb der angewandten Forschung widmete sich ein Team neuen Verklebungs- und Verbindungstechniken bei Laubholz, ein anderes entwickelte Buchenfurnierschichtholz für Tragwerke und eine weitere Gruppe Tragelemente aus Holz-Leichtbeton mit grosser thermischer Speicherkapazität und guten thermischen Isolationseigenschaften.

Der dritte Schwerpunkt des NFP 66 lag auf holzbasierten Materialien. Unter anderem soll Holz durch Nanotechnologie modifiziert werden. Physikalische, chemische oder biologische Verfahren sollen helfen, die natürlichen Holzeigenschaften zu verändern. So entstehen leichte Plattenwerkstoffe, Schaummaterialien auf Holzbasis und nicht brennbare oder wasserdichte Holzfurniere.

Der letzte Schwerpunkt wird unter dem Titel «Neue Wege zur holzbasierten Bioraffinerie» zusammengefasst. Die Gruppen beschäftigten sich mit Umwandlungsverfahren, durch die etwa aus Buchenholz Ethanol gewonnen oder Lignocellulose in Zucker umgewandelt werden kann. Mittels einer vorgeschlagenen Bioraffinerie soll die Lücke in der Kaskadennutzung zwischen Bau und Endverbrennung geschlossen werden. Mit den Projekten ist ein erster wichtiger Schritt zu einer solchen Raffinerie in der Schweiz gelegt.

Unterschiedliche Statements prägten die abschliessende Podiumsdiskussion, moderiert von TEC21-Chefredaktorin Judit Solt. Es waren grundsätzliche Feststellungen zu hören wie jene, dass Holz zwar Öl ersetzen könne, Letzteres aber im Moment zu billig und Holz somit nur schwer konkurrenzfähig sei. Andere gaben zu bedenken, dass die neuen Rahmenbedingungen für eine Umstrukturierung in allen Bereichen genau studiert werden müssen, denn es handle es sich bei den Veränderungen um gesellschaftliche Prozesse. Der Umbau des Energiesystems etwa könne nicht schnell vonstatten gehen. 

Weitere Beiträge zum Thema Holz finden Sie im Sonderheft «Stadt aus Holz III» und in unserem E-Dossier.

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