«Wow, das ist ein schö­ner Raum!»

Das SIA-Merkblatt 2066 «Freiräume nachhaltig planen, bauen und pflegen» ist seit 2025 erhältlich. Die Landschaftsarchitektin Gudrun Hoppe erklärt im Interview, was für sie eine gute Freiraumgestaltung ausmacht und wie das Merkblatt hierbei unterstützt.

Data di pubblicazione
22-07-2026
Mario Hasler
Fachspezialist Weiterbildung/Kursentwicklung SIA inForm

Frau Hoppe, was zeichnet für Sie als Landschaftsarchitektin einen qualitativ hochwertigen Freiraum aus?

Erst einmal braucht es ein gutes und stimmiges Grundkonzept. Wenn man in einen Freiraum kommt und findet: «Wow, das ist ein schöner Raum!», wurde schon einiges richtig gemacht. Wenn das gegeben ist, müssen die vielfältigen Anforderungen, die an Freiräume gestellt werden, beispielsweise als Begegnungs- oder Ruheorte oder als Naturerlebnisraum auch erfüllt werden. Die Thematik der Freiräume ist komplex, die Anforderungen variieren je nach Freiraumtyp und Freiraumnutzung.

Was macht das Merkblatt 2066 aus, und warum lohnt es sich, dieses in der Praxis anzuwenden?

Das Merkblatt 2066 «Freiräume nachhaltig planen, bauen und pflegen» definiert umfassende Kriterien und Anforderungen für öffentliche und private Freiräume im Sinne einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung. Es werden sechs Freiraumthemen behandelt, die es allesamt einzubeziehen gilt, wenn qualitätsvolle und nachhaltige Freiräume entstehen sollen.

Der umfassende Blick ist ein zentraler Grundsatz in  der Freiraumgestaltung. Freiräume sind so zu gestalten, dass sie eine eigene Identität aufweisen, aber auch ökologisch hochwertig sind und den Anforderungen an den Klimawandel genügend Rechnung tragen. Darüber hinaus müssen sie für alle Freiraumnutzer und -nutzerinnen attraktiv sein. 

Neben dem übergeordneten Gestaltungsansatz sind auch alle anderen Anforderungen an die Freiraumthemen einzubeziehen. Diese werden im Merkblatt angesprochen und im Sinne eines gesamtheitlichen Verständnisses der Ansprüche an die Freiraumgestaltung behandelt. 

Einen weiteren Fokus legt das Merkblatt auf den Planungsprozess nach SIA, dieser erfolgt phasengerecht und setzt unterschiedliche Schwerpunkte. 

Mit welchen Hebeln kann die nachhaltige Freiraumplanung dem Klimawandel begegnen?

Hier braucht es in erster Linie einen guten Umgang mit dem Regenwasser, mit einem hohen Anteil an Rückhalte-, Versickerungs- und Verdunstungsflächen. Ebenfalls wichtig sind Schatten spendende Bäume und Gehölzflächen. Alte Bäume müssen, wenn immer möglichst erhalten bleiben und neue Bäume gepflanzt werden. Es ist darauf zu achten, dass sie mit dem künftigen Klima zurechtkommen, eine grosse Artenvielfalt aufweisen und auch für die Biodiversität wertvoll sind. Die Flächenversiegelung ist zugunsten von versickerungsfähigen Flächen massiv zu reduzieren. 

Zum gleichnamigen Thema Freiräume nachhaltig planen, bauen und pflegen inkl. der Anwendung des SIA-Merkblatts 2066 veranstaltet SIA inForm einen Kurs am 22. September 2026 mit Gudrun Hoppe als Referentin. Der Kurs wurde in Zusammenarbeit mit der sanu future learning ag entwickelt und wird unterstützt durch das Bundesamt für Umwelt und EnergieSchweiz. Weitere Informationen und Anmeldung: Events SIA

Etichette

Articoli correlati