Mehr­wert auf dem Kon­to der Na­tur

Die Zürcher Kantonalbank hat die Umgebung ihrer Filialen naturnah aufgewertet. Das kommt nicht nur den Mitarbeitenden und der Kundschaft zugute, sondern auch den Wildbienen, Käfern, Vögeln und anderen Kleintieren im Kanton Zürich.

Data di pubblicazione
08-07-2026

Am Anfang war da eine gewöhnliche Rasenfläche, grün und kurz rasiert. Hinzu kam eine Idee: Man könnte doch den Rasen mit drei Blüteninseln aufleben lassen. Schon bald darauf folgte das nächste Projekt, und sechs Jahre später sind über 9000 m2 neue naturnahe Flächen entstanden, verteilt auf 20 Liegenschaften.

Franz Hollinger von der ZKB erinnert sich: «Die positiven Erfahrungen der ersten kleinen Projekte waren wichtig, um das Thema Biodiversität innerhalb der ZKB zu lancieren. Schon bald wollten wir wissen: Was würde das heissen, wenn wir das konsequent für alle Liegenschaften umsetzen würden?» 

Die Projekte, die die ZKB daraufhin entwickelte, gingen deutlich weiter als die anfänglichen Blumeninseln: Sie entsiegelte grossflächig, legte neue Beete an, pflanzte Bäume und schuf ein facettenreiches Terrain für eine möglichst hohe Biodiversität. Hollinger erklärt: «Wir wollten, dass das abstrakte Thema der Biodiversität sichtbar und erlebbar wird.» 

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Dabei war die Ausgangslage jeder ZKB-Liegenschaft einzigartig: Mal ging es darum, ein Flachdach umzugestalten, am nächsten Ort gab es nur etwas Abstandsgrün vor dem Eingang, während andere Liegenschaften grossen Umschwung mit viel Potenzial aufwiesen. 

Unterschiedliche Orte, ähnliches Vorgehen

So unterschiedlich die jeweiligen Standorte waren, so ähnlich war dennoch der jeweilige Prozess. Claudio Sedivy, Biologe und Geschäftsführer der Firma Kompass B, die das Projekt für die ZKB plante und umsetzte, erläutert: «Zuerst klären wir bei einer Begehung vor Ort die Bedürfnisse: Wo braucht es Wege oder Sitzgelegenheiten, was gibt es an bestehenden Nutzungen? Dann schauen wir, welche Naturwerte bereits vorhanden sind und unbedingt erhalten werden sollten. Bäume sind zum Beispiel immer wichtige bestehende Naturwerte, die bleiben sollen. Aber manchmal merkt man auch, dass etwa ein Rasen eigentlich artenreich ist und als Wiese erblühen könnte, wenn nur noch zweimal im Jahr gemäht werden würde. Anschliessend definieren wir, was man wo ergänzen möchte. Und zuletzt, nach der Umsetzung der neuen Massnahmen, passen wir die Pflege der neuen Umgebung an.»

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Auch das Massnahmenrepertoire ist ähnlich: Einheimische Bäume, Stauden und Blumen, abgestimmt auf die jeweiligen Sonnen- und Bodenverhältnisse, werden mit vielfältigen Strukturen wie Steinhaufen, Asthaufen und sandigen Bereichen kombiniert, um Insekten und Kleintieren Rückzugs- und Nistgelegenheiten zu bieten. Auf Dächern liegt der Fokus naturgemäss eher auf fliegenden Insekten, Vögeln und Fledermäusen, am Boden auch auf kriechenden Insekten, Igeln oder Eidechsen.

Wildbienen als Biodiversitäts-Indikatoren

Ein besonderes Augenmerk legt Sedivy aber immer auf die Wildbienen, denen er schon seit seinem Studium viel Aufmerksamkeit widmet. In der Schweiz gibt es über 600 Wildbienenarten, die allesamt sehr unterschiedliche Anforderungen an ihre Umgebungen haben. Manche nisten in Sand, andere in Totholz, wieder andere nur in markhaltigen Stängeln. Auch bei der Nahrung sind sie wählerisch: Viele Wildbienen ernähren sich nur von einer einzigen Blütenpollenart.

Wer seine Grünflächen also für Wildbienen gestaltet, schafft automatisch vielfältige Strukturen und Lebensräume mit einer unheimlich artenreichen Gemeinschaft einheimischer Blütenpflanzen, von denen wiederum andere Tiere und Insekten wie Igel, Eidechsen, Schmetterlinge oder Spitzmäuse genauso profitieren. 

Die Anzahl der Wildbienenarten ist zudem auch ein hervorragender Biodiversitätsindikator. «Wir konnten in einem Monitoring an fünf Standorten der ZKB nachweisen, dass sich die Anzahl der Wildbienen innert einem Jahr nach der Umgestaltung verdreifachte, die Arten auf der roten Liste sogar versechsfachten», führt Sedivy aus. Besonders freute ihn die Entdeckung der vom Aussterben bedrohten Stängel-Blattschneiderbiene, die zuvor noch nie im Kanton Zürich gesichtet wurde, und das mitten in Regensdorf.

Um den Bienen möglichst lange viel Nahrung zu bieten, setzt die ZKB auf eine grosse Pflanzen- und Blütenvielfalt: «An manchen Standorten haben wir ca. 250 Arten pro Garten, aber überall ist das Ziel, dass von Anfang Frühling bis in den späten Herbst immer viele Blüten Nahrung bieten. Was nicht nur die Bienen, sondern auch das menschliche Auge freut», ergänzt Hollinger. 

Aufwand im Unterhalt gering

Am aufwendigsten ist der Unterhalt der repräsentativen Flächen, etwa direkt vor den Eingängen oder bei den Bankomaten. Hier fallen etwa verblühte Tulpen oder ein umgekippter Natternkopf sofort auf. «An manchen Stellen muss die naturnahe Bepflanzung in geordnetem Rahmen gehalten werden, dass es nicht ungepflegt wirkt», erklärt Sedivy. Das sei nicht zuletzt auch für die Akzeptanz und positive Wahrnehmung der Kundschaft wichtig. 

Ansonsten aber hat die Umstellung auf einen naturnahen Unterhalt auch viele administrative Vorteile: Während ein Rasen von April bis Oktober alle zwei Wochen gemäht werden muss, wird eine Wildblumenwiese nur zweimal im Jahr geschnitten. Da alles Material vor Ort weitergenutzt oder kompostiert wird, fallen auch keine Transporte an. Die Verantwortlichen für die Grünpflege bei Kompass B fahren mit dem ÖV oder dem Velo an. Auch auf Pflanzenschutzmittel und Dünger kann komplett verzichtet werden. 

Für die ZKB ist das Fazit nach mehreren Jahren, dass die Unterhaltskosten für naturnahe Flächen mit denen herkömmlicher Gärten vergleichbar sind, nur in den ersten zwei bis drei Jahren muss man etwas häufiger eingreifen, danach nimmt der Aufwand nochmal ab.

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Die Erfahrungen der ZKB sind äusserst positiv – sowohl seitens Belegschaft wie auch Kundschaft gibt es viel Lob für die neuen Aussenräume. Nur am Anfang habe es auch Fragen gegeben, manche Ecken hätten am Anfang schon ungewohnt wild oder auch kahl gewirkt. Wobei die Umstellung bewusst auch kommunikativ begleitet wurde, mit internen Webinaren wie auch Infotafeln im Aussenraum, die über den Wert dieser wilden Flächen informieren. 

Integration in Standardprozesse

Inzwischen ist das Thema Biodiversität fester Bestandteil der Immobilienstrategie der ZKB. «Bei jedem Projekt werden die Möglichkeiten geprüft und ausgeschöpft, auch dafür sind die internen Referenzen hilfreich», sagt Hollinger. 

Was Hollinger anderen raten würde, die vielleicht noch zögern? «Tun Sie es! Sie werden so viel Freude daran haben, und auch die Natur wird es Ihnen danken. Ein naturnaher Garten ist nicht nur ein Gewinn für die Umwelt, sondern auch eine Bereicherung für jeden Menschen, der ihn erleben darf.»

Das Aufwändigste an solchen Umstellungen ist die Vorarbeit, die man in solche Projekte investieren muss, die internen Prozesse und Abklärungen. «Für die Planung und Umsetzung gibt es viele Profis, die beste Arbeit leisten. Aber neue Themen wie die Biodiversität muss jemand intern an die Hand nehmen, und das Unternehmen muss sich dahinterstellen», führt Hollinger aus.

Und man muss dranbleiben und das Thema in Standardprozesse integrieren. Ansonsten sind die Blüteninseln eines ersten Pilots schon bald wieder umgemäht, und alles ist wieder beim alten, kurz rasierten und ökologisch wertlosen Rasen. 

 

Biodiverse Umgebungsgestaltung ZKB

 

Umsetzung: 2021–2025

Bauherrschaft: Zürcher Kantonalbank, Zürich

Planung: Kompass B, Zürich

Gartenbau: Lokale Bioterra-zertifizierte Gartenbauunternehmen

Pflege: Kompass B, Zürich oder lokale Bioterra-zertifizierte Gartenbauunternehmen mit Erfahrung im Naturgartenbau

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