Na­tur­nah woh­nen, kli­ma­freund­lich le­ben

In Birmensdorf (ZH), am Hang oberhalb des Bahnhofs, entsteht die Wohnüberbauung Ämet. Die Wohnungen von Hauenstein LaRoche Schedler Architekten (HLS) im Auftrag der Nest Sammelstiftung sind Anfang 2023 bezugsbereit. 

Data di pubblicazione
01-01-2023

Die Wohnüberbauung Ämet in Birmensdorf (ZH) ist das jüngste Anlageobjekt der Zürcher Pensionskasse Nest Sammelstiftung. Das Projekt hat eine überschaubare Grösse, muss aber viele Ansprüche erfüllen: Der Standort liegt im Grünen, ist aber mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar; die Architektur weiss mit kompakten Grundrissen umzugehen und verwendet Holz mit einheimischem Herkunftszertifikat. Auch die Energieversorgung wird vor Ort klimafreundlich organisiert. Erdwärmesonden liefern Umweltwärme zum Heizen; etwa die Hälfte des Strombedarfs stammt von den eigenen Dächern.

Der Wohnstandort wird als Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) betrieben. Was an zusätzlicher Energie für die Haushalte und die Heizzentrale benötigt wird, fliesst über das öffentliche Netz. Die Eigentümerin setzt auch bei der extern bezogenen Energie auf möglichst erneuerbare Produktionsquellen. Die Mieter haben allerdings ein Mitspracherecht, weshalb sie in einem Mehrheitsentscheid die ökologischen Präferenzen der Pensionskasse im Prinzip überstimmen könnten, sagt Yves Portenier, Fachspezialist Immobilien bei der Nest Sammelstiftung.

Kompakte Bauten am Hang mit Blick in die Landschaft

Und so sieht der Ort, in dem das ZEV-Modell realisiert wird, kurz vor Bauabschluss aus: Nach den Plänen des Zürcher Büros Hauenstein LaRoche Schedler (HLS) Architekten entstehen zwölf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 84 Zweieinhalb- bis Vierzimmerwohnungen. Dafür sind zwei Randparzellen in der Bauzone oberhalb des S-Bahnhofs mit einer Gesamtfläche von 12 700 m2 überbaut. Die Häuser sind dreigeschossig in den Hang gesetzt und kompakt strukturiert. Fast alle Wohnungen erlauben einen Blick in jeweils drei Richtungen: nach Norden zu den landwirtschaftlich genutzten Feldern, nach Osten und Westen in das Siedlungsinnenleben sowie nach Süden über das Dorf und in die Hügellandschaft des Reppischtals.

Weitere Beiträge zum Thema sind im digitalen Dossier «Immobilien und Energie» abrufbar.

Die Konstruktion der einzelnen Häuser steht auf einem massiven Sockel. Über dem Erdgeschoss folgt der nachwachsende Baustoff: «Das Holz zieht die Struktur von innen nach aussen. In diesem Haus lebt man in und mit dem Holz», so Friederike Wisler, Projektleiterin und Mitglied der Geschäftsleitung bei HLS Architekten. Die Fassade wird durch hinterlüftete Faserzementplatten abgeschlossen, die in unterschiedlichen Blau- bis Grüntönen gestaltet sind. Wisler ergänzt: «Die farbigen Fassaden sollen den grösstmöglichen Kontrast zur naturbelassenen Materialisierung der Holzkonstruktion und der Aluminiumfenster erzeugen.»

Privater Gestaltungsplan fordert nachhaltiges Baukonzept

Die spezifischen Anforderungen an die Energieversorgung und die energieeffiziente Bauweise sind ein Auftrag der Bevölkerung. Die Gemeindeversammlung stimmte vor acht Jahren dem privaten Gestaltungsplan zu, der übergeordnete Bauregeln für insgesamt sieben Baufelder im Ämet definiert. Demnach haben neue Überbauungen an diesem Standort den Standard Minergie oder gleichwertige Baukonzepte zu erfüllen. Die Bauherrschaft schrieb den Studienauftrag anfänglich mit dem Ziel aus, die Gebäude nach Minergie-A zu zertifizieren. Das ausgewählte Projektteam ging seinerseits einen Schritt weiter und orientierte sich in der Planung am Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS. Daraus ergibt sich wie selbstverständlich, den Energieverbrauch im Betrieb zu minimieren und die Energieversorgung möglichst erneuerbar sicherzustellen.

Bei der Umsetzung ging man pragmatisch vor: Zwar hätte ein Lüftungssystem den Eigenverbrauchsanteil erhöht, aber ein mechanischer Luftwechsel war an derart grüner Lage nicht zwingend. Deshalb wurde auf die Minergie-Zertifizierung bewusst verzichtet. Bauherrin und Architekten sind sich dennoch einig: Die Überbauung Ämet hat in Sachen Nachhaltigkeit Überdurchschnittliches zu bieten.

ZEV bringt viele Vorteile

Die Wohnhäuser in einer ZEV-Struktur mit Energie zu versorgen, beschloss die Grundeigentümerin in einer späten Projektierungsphase. Von Anfang an war jedoch klar, wie die Infrastruktur eingerichtet wird: PV-Anlagen auf den Dächern und Erdwärmesonden im benachbarten Erdreich. Daraus ein Eigenverbrauchsmodell für den Solarstrom zu organisieren, gelang problemlos; die selbst produzierte elektrische Energie bedient zuerst die Haustechnik, womit der Betrieb der Wärmepumpen sowie des Wärme- und Kühlkreislaufs gemeint ist. Erste ZEV-Erfahrungen hatten die Projektverantwortlichen bei Nest bereits bei kleineren Liegenschaften gemacht, bei denen es sich um Gebäudesanierungen handelte. Deren gewerbliche respektive gemischte Wohn- und Gewerbenutzung stellt einen hohen Eigenverbrauch sicher.

Im Gegensatz dazu wird das Neubauareal Ämet in Birmensdorf ausschliesslich zum Wohnen genutzt. Dabei verbessert sich der Eigenverbrauchsanteil – als Verhältnis zwischen dem Produktionsertrag und dem Vor-Ort-Bedarf – mit zunehmender Nutzfläche. Der Zusammenschluss mit benachbarten Baufeldern war jedoch nie ein Thema, weil die Terminprogramme der verschiedenen Bauträgerschaften jeweils zu sehr voneinander abweichen.

Der ZEV Ämet ist im Besitz der Nest Sammelstiftung. Sie übernimmt auch den Betrieb und den Unterhalt selbst, um so unabhängig zu sein. Erst das Abrechnungswesen führt ein externer Dienstleister aus.
Für die Bewohner bleibt es beim Vorteil, weniger für den Strom zu bezahlen als beim Bezug aus dem öffentlichen Netz. Der Arealbedarf von über 100 000 kWh/Jahr ermöglicht zwar einen Zugang zum freien Strommarkt – sowohl für den Einkauf als auch für den Verkauf von Überschüssen. Doch in den letzten Wochen haben stark steigende Marktpreise gezeigt, wie unsicher dieses Geschäft wäre. Deshalb bezieht das ZEV-Areal Ämet seine Restenergie direkt vom lokalen Energiewerk, zu mittelfristig sicheren Preisbedingungen.

Wohnsiedlung Ämet, Birmensdorf (ZH)
 

Bauherrschaft: Nest Sammelstiftung, Zürich

Architektur: Hauenstein LaRoche Schedler (HLS) Architekten, Zürich

Generalplanung: Befair Partners, Zürich

Gebäudetechnik HLKS:
Concept-G, Winterthur

Fachplanung PV/ZEV: BE Netz, Luzern

Nutzung: 12 Gebäude (Wohnen);
84 Wohnungen

Hauptnutzfläche: 6600 m2

Bausumme: keine Angabe

Wettbewerb: 2016

Realisierung: 2020–2022

Wärmequelle: Geothermie

Strom: PV-Strom, externer Ökostrom

ZEV Contracting: Nest Sammelstiftung
 

Mit Unterstützung von energieschweiz und Wüest Partner sind bei espazium – Der Verlag für Baukultur folgende Sonderhefte erschienen:

Nr. 1/2018 «Immobilien und Energie: Strategien im Gebäudebestand – Kompass für institutionelle Investoren»

Nr. 2/2019 «Immobilien und Energie: Strategien der Vernetzung»


Nr. 3/2020 «Immobilien und Energie: Strategien der Transformation»


Nr. 4/2021 «Immobilien und Energie: Mit Elektromobilität auf gemeinsamen Pfaden»

Nr. 5/2022 «Immobilien und Energie: Strategien des Eigengebrauchs»


Die Artikel sind im E-Dossier «Immobilien und Energie» abrufbar.