Holz­bau­ten zum Ar­bei­ten, Pro­du­zie­ren und Un­ter­ri­ch­ten

Mittlerweile machen mehrge­schossige Wohnholzbauten Schlagzeilen. Aber auch zum Arbeiten und Produzieren ist Holz eine Alternative zum konventionellen Massivbau. Wir beurteilen die Bedeutung für diese Segmente.

Data di pubblicazione
15-10-2021

Der Marktanteil von Tragkonstruktionen aus Holz liegt für Neubauten über alle Nichtwohnsegmente seit 2010 bei durchschnittlich 9 %. Ein Blick auf die einzelnen Marktsegmente zeigt sehr grosse Unterschiede. Bei landwirtschaftlichen Bauten ist der Marktanteil mit 31 % am höchsten. Das ist historisch bedingt und liegt an den vorteilhaften Materialeigenschaften von Holz für Hallenbauten mit grossen Spannweiten. Den zweithöchsten Anteil erreicht der Holzbau mit 13 % im Segment Bildung und Kultur.

Für Schulen und Kindergärten sind die modulare Bauweise und die Möglichkeit der Vorfabri­kation sowie das angenehme Innenraumklima wichtige Argumente. Im Kulturbereich sind auch die statischen Eigenschaften für Säle entscheidend; gleich­zeitig erlauben neue Möglichkeiten im Holzbau spektakuläre Konstruktionen für Gebäude mit überregionaler Ausstrahlung im Sinn von Wahrzeichen.

An dritter Stelle hinsichtlich des Anteils von Holz folgt das Segment der Büro- und Geschäftsgebäude mit 13 %. In diesem Marktsegment können nach­haltige Holzbauten einen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen auf Unternehmensebene der Mieter oder Eigentümer leisten. In den Bereichen der Nachhaltigkeitsberichterstattung, des Marketings und Brandings bieten Holzbauten einen Mehrwert für Unternehmen. Zudem kann sich das Innenraumklima von Gebäuden aus Holz positiv auf das Wohl­befinden und die Arbeitsproduktivität der Mitarbeitenden auswirken.

Fassaden, Fenster, Fussböden

Bei Fassaden liegt der Marktanteil von Holz im Nichtwohnsegment im Neubau bei 17 %. Der Anteil bei Fassaden ist fast doppelt so hoch wie bei Tragkonstruktionen. Holz­fassaden werden auch häufig bei Gebäuden ohne Tragkonstruktion aus Holz verbaut. Bei den Fassaden sind die jüngsten Entwicklungen innerhalb der letzten zwei Jahre eindrücklich: Der Anteil seit Anfang 2019 beträgt knapp 25 %.

Ein Viertel aller Neubaufassaden im Nichtwohnbereich wurde mit Holz gebaut. Bei Fenstern im Nicht­wohnungs-Neubau liegt der Anteil seit 2010 relativ stabil bei 12 %. Holz-Alu-Fenster haben ihren Marktanteil im selben Zeitraum nahezu verdoppelt. Im 2. Halbjahr 2020 lag der Anteil bei über 50 %. Innerhalb der Bauteilgruppe Fussböden liegt er bei Holz-, Parkett- und Korkböden während der letzten elf Jahre bei etwa 20 %.

Weitere Artikel zum Thema Holz finden Sie in unserem digitalen Dossier.

Der Vergleich der absoluten Baukosten über die verschiedenen Bauteile verdeutlicht die Bedeutung der Tragkonstruktion. Die Investitionen für diese aus Holz sind etwa dreimal so hoch wie jene für Fassaden aus Holz und etwa zehnmal so hoch wie für Böden aus Holz. Soll der Anteil von Holz im Baubereich gesteigert werden, gilt es bei den Tragkonstruktionen anzusetzen.

Bauen im Bestand

Im Umbausegment, das Sanierungen, Anbauten und Aufstockungen umfasst, liegt der Marktanteil von Tragkonstruk­tionen aus Holz über das gesamte Nichtwohnsegment bei 19 %. Auch hier ist der Anteil im Teilsegment Landwirtschaft hoch, gefolgt von Bildung und Kultur sowie Büro und Geschäft. Überraschend ist der aktuell extrem hohe Anteil von Holz bei Spitälern und Heimen von 57 %. Dabei sind die kurze Bauzeit und geringe Emissionen vor Ort entscheidende Faktoren. Aber auch das geringe Eigengewicht bezogen auf die Tragfähigkeit spricht im Umgang mit ­Bestandsobjekten für Holz. Es erlaubt Aufstockungen von Gebäuden ohne umfangreiche statische Massnahmen in den darunter liegenden Geschossen. ­

Dieser Aspekt wird weiter an Bedeutung gewinnen. Wenn die Akteure der Bau- und Immobilienbranche die Verpflichtung zu Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit ernst meinen, müssen sie die Erhaltung ­bestehender Gebäudestrukturen und die Verdichtung im Bestand forcieren, um die ­ambitionierten Ziele der Klima­strategie 2050 zu erreichen.

Vorteile für Investoren

Einige Investoren haben sich klar ­ver­pflichtet. So hat eine Umfrage von WüestPartner ergeben, dass institutionelle Immobilieninvestoren über eine höhere Zahlungsbereitschaft für energieeffiziente Gebäude verfügen. Auch Treibhausgasemis­sionen im Betrieb sind für den Grossteil der Investoren heute wertrelevant. Dabei ist das Ziel, auf nichtfossile Energieträger für die Wärmeerzeugung umzustellen. Bauökologische Aspekte und Treibhaus­gase aus der Erstellung sind bei der Akquisition von Bestandsobjekten hingegen heute noch weniger ­relevant. Bei Neubauten spielen diese Faktoren bereits eine Rolle und werden zukünftig noch wichtiger.

Holz als nachwachsender Baustoff bietet bezogen auf die graue Energie enorme Vorteile, was bei der Nachhaltigkeitszertifi­zierung von Gebäuden (SIA-Effizienzpfad, ­Minergie-Eco, SNBS) und für 2000-Watt-Areale wichtig ist. Nutzerseitig gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die aufgrund ihrer Nach­haltigkeitsziele besonders nachhaltige Gebäude, die mit den entsprechenden Labels zertifiziert sind, mieten und dafür eine zusätzliche Zahlungsbereitschaft mitbringen. Damit können nach­haltige Holzgebäude für Investoren eine attraktive und langfristig stabile Rendite generieren.

Dieser Artikel ist erschienen im Sonderheft «Stadt aus Holz – Büros, Werkhöfe, Ateliers und andere Arbeitsorte». Weitere Artikel zum Thema Holz finden Sie in unserem digitalen Dossier.

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