Wollen wir gemeinsam waschen?
Editorial espazium magazin 8/2026
Die geteilte Waschmöglichkeit in Schweizer Mehrfamilienhäusern ist eine Besonderheit: Einerseits passt gemeinschaftlich genutzte Infrastruktur gut zum aktuellen Suffizienzbestreben, andererseits ist die gemeinsame Waschmaschine in einem wohlhabenden Land wie der Schweiz ein Kuriosum. Sicher ist: Nahezu jede und jeder in diesem Land sah sich schon einmal mit den Herausforderungen und Segnungen der Gemeinschaftswaschküche konfrontiert. Die soziale Funktion der geteilten Waschmaschine ist unbestritten – das gemeinsame Waschen hat seit jeher auch eine soziale Bedeutung, man denke nur an die öffentlichen Waschbrunnen oder Waschhäuser.
Die Vorläufer der heutigen Waschvollautomaten reichen bis ins späte 17. Jahrhundert zurück. Doch erst der Ausbau des Stromnetzes verhalf der elektrisch betriebenen Trommelwaschmaschine ab den 1920er-Jahren zum Durchbruch. Ab Mitte der 1930er-Jahre entstanden in den USA die ersten Waschsalons, der Wirtschaftsaufschwung der 1950er-Jahre spülte die Waschmaschine dann in die Privathaushalte. Warum sich in der Schweiz im Gegensatz zu den Nachbarländern die Gemeinschaftswaschküche auch heute noch hartnäckig hält, ist nicht ganz klar. Architektonisch jedoch blieb sie, trotz ihrer langen Geschichte, meist ein blinder Fleck.
Bis jetzt: Aktuelle Beispiele zeigen einen neuen Umgang mit der Gemeinschaftswaschküche. Vom rein innenarchitektonischen bis zum programmatischen Upgrade zeigen wir Projekte, in denen die Waschküche nicht mehr nur das heimliche Herz einer Wohngemeinschaft ist. Denn der Underdog-Charakter der Waschküche bietet ungeahnte Gestaltungschancen: Vom Auftraggeber kaum je infrage gestellt und ohne hohe Anforderungen bezüglich Normen und konstruktiven Standards ist die Waschküche vielleicht die letzte kreative Spielwiese im eng geschnürten Raumprogramm des architektonischen Entwurfs.
Publikation bestellen