Charta Nach­wuchsför­de­rung Raum­pla­nung veröf­fent­licht

Die Schweiz benötigt doppelt so viele Raumplaner, wie derzeit im Land ausgebildet werden. In einer Charta verpflichten sich SIA und Raumplanungsorganisationen, Abhilfe zu schaffen.

Date de publication
14-07-2016
Revision
15-07-2016

Die Charta wurde vom «Netzwerk Raumentwicklung» am 29. Juni 2016 anlässlich der Jahrestagung der Schweizerischen Vereinigung für Landesplanung (VLP-ASPAN) in Solothurn veröffentlicht. Die Raumplanung, heisst es in der Medienmitteilung zur Charta, sehe sich in Zeiten von wachsender Bevölkerung, starken Migrations­bewegungen und rascher Verstädterung mit hohen Erwartungen konfrontiert. Raumplanungsfachleute seien gefragter denn je. Das heutige Aus- und Weiterbildungsangebot in der Schweiz könne jedoch mit der wachsenden Nachfrage nicht Schritt halten. Raumplanungsorganisationen und der SIA haben deshalb eine Charta unterzeichnet, in der sie sich zu einer engagierten Nachwuchsförderung verpflichten.

Mehr Bedarf als Angebot

Schon seit einigen Jahren besteht hierzulande ein Fachkräftemangel in der Raumplanung, sodass private Planungsbüros wie auch Verwaltungen die Stellen nicht zeitgerecht mit entsprechend qualifiziertem Personal besetzen können. Dies gefährdet die bisher anerkannt hohe Qualität der schweizerischen Raumplanung. Gerade jetzt, wo es um die Umsetzung des vom Volk 2013 klar angenommenen neuen Raumplanungsgesetzes und die Eindämmung der Zersiedlung geht, braucht es gut ausgebildete Fachleute, die mit den hiesigen Verhältnissen vertraut sind, mit unterschiedlichsten Interessengruppen konstruktiv umgehen und so den Gemeinden und Kantonen zur Seite stehen können.

Der SIA und weitere Berufsverbände, Fachorganisationen und Hochschulen sowie raumplanungsnahe Arbeitgeber in der Privatwirtschaft und öffentlichen Verwaltungen haben deshalb gemeinsam eine Charta zur Nachwuchsförderung beschlossen. Darin verpflichten sie sich,

  • die Aus- und Weiterbildung in der Raumplanung zu stärken,
  • die Nachwuchsförderung zu intensivieren,
  • das Berufsbild der Raumplanung aktiv in die Öffentlichkeit zu tragen und den Wert der Schweizer Raumplanungskultur zu kommunizieren,
  • ihre Aus- und Weiterbildungs­angebote untereinander und in Einklang mit dem Berufsbild ­abzustimmen.

Zudem fordern die Unterzeichnenden, dass die Ausbildungsgänge den Absolventinnen und Absolventen eine direkte Aufnahme ins Schweizerische Berufsregister (REG) ermöglichen. Noch immer tut sich das REG schwer mit der Aufnahme von Fachleuten des Bereichs Raumplanung; zurzeit wird ein entsprechendes Kompetenzprofil erarbeitet.

Universitäres Vollzeitstudium fehlt 

Heute fehlt in der Schweiz ein breites universitäres Vollzeitstudium (Bachelor- und Masterstudium) in Raumplanung, das vergleichbar mit solchen in den Nachbarländern wäre. Die umfassendsten Ausbildungsangebote konzentrieren sich zudem auf die Deutschschweiz; in der West- und Südschweiz fehlen vergleichbare Angebote. Dem steht eine grosse Nachfrage auf dem Stellenmarkt gegenüber: Jährlich ist von einer Nachfrage von 100 bis 120 gut ausgebildeten Raumplanerinnen und Raumplanern auszugehen. Das sind doppelt so viele, wie in der Schweiz effektiv ausgebildet werden: Pro Jahr schliessen nur rund 60 Absolventinnen und Absolventen Studiengänge ab, die gemäss Berufsregister als vollwertiger Raumplanungsstudiengang gelten. Diese Situation muss sich ändern.

www.sia.ch/charta_nachwuchs­foerderung_raumplanung
www.vlp-aspan.ch

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