«Es braucht fun­dier­tes Mit­schaf­fen in Rich­tung mach­ba­rem Fort­schritt»

Wahlen 2023

Im Herbst finden die eidgenössischen Wahlen statt. Wer soll die Herausforderungen anpacken, die im Bereich Raumentwicklung, Klima und Energie auf uns zukommen? Wir haben politisch engagierte Planerinnen und Planer aller Parteien zu ihren Zielen befragt. Heute: Lucas Neff, Grüne, Zürich.

Publikationsdatum
02-08-2023

STECKBRIEF


Lucas Neff, geb. 1961, ist dipl. Architekt ETH mit NDS Bauökologie ZHAW. Er arbeitet als Architekt und ist Inhaber von neffArchitektur, Dietikon. Er kandidiert für den Nationalrat.

 

Parteizugehörigkeit: Grüne
Frühere politische Ämter: Gemeinderat Dietikon
Aktuelles politisches Amt: Stadtrat Dietikon


Welches Ereignis hat Sie dazu motiviert, sich politisch zu engagieren?

Mein Einstieg vor bald 40 Jahren erfolgte eher zufällig als Stimmenzähler. Die Vorgängerorganisation der Grünen errang auf Anhieb zwei Sitze im Gemeinderat und musste so auch Personen für Ämter stellen. Mein damaliger WG-Kollege war einer der frischgebackenen Gemeinderäte.


Weshalb in dieser Partei?

Das Engagement bei den Grünen war für mich immer stimmig – in Bezug auf die Themen, aber auch die Personen vor Ort. Die Aufsplittung in Grüne und Grünliberale bedaure ich, weil sie eigentlich unnötig ist. Polarisiert wird schon genug.


Hängt Ihre politische Motivation mit Ihrem Hintergrund bzw. Ihrer Tätigkeit in der Planungs- und Baubranche zusammen?

Nein – aber es passt. Grundsätzlich könnten Architektinnen und Architekten im gelebten Alltag effektiv viel, viel mehr zu Lösungen beitragen. Ganz grundsätzlich gilt dies in Sachen Energie, nachhaltigem Bauen und Klimaproblematik.

→ Wählen Sie! Die Interviewreihe von TEC21 gibt politisch engagierten Baufachleuten unterschiedlicher Parteien das Wort. Alle Interviews finden Sie hier.


Welche Ziele wollen Sie in Ihrem aktuellen politischen Amt bzw. nach einer allfälligen Wahl in den Nationalrat erreichen?

Als Stadtrat erlebt man die nationalen Gesetze und Verordnungen tagtäglich – Positives, aber auch viel Negatives. Es braucht fundiertes Mitschaffen in Richtung machbarem Fortschritt – da könnte ich sicher etwas bewirken.


Verfolgen Sie auch politische Ziele, die spezifisch mit dem Planungs- und Bauwesen zu tun haben?

Ja, sicher, als Stadtrat tagtäglich! Als Mitglied der Baukommission bei Baubewilligungsprozessen, Gesetzen und Verordnungen im Bereich Bauwesen, zum Beispiel bei der Parkplatzverordnung, der Bau- und Zonenordnung, bei Abwasserrichtlinien inklusive Gebühren, etc. Da versuchen wir zu ermöglichen und nicht zu verhindern, in sehr vielen Bereichen Qualitäten zu schaffen mit sinnvollen, einfach anwendbaren Regeln. In meinem Bereich als Infrastrukturvorstand wirke ich auch ganz direkt in den Bereichen Grünanlagen, Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Abfallwesen mit, als Stadtrat und Baukommissionsmitglied auch strategisch bei Bauprozessen.


Warum sind diese Ziele relevant?

Das erlebt jede Baufachperson im Alltag…


Wie vermitteln Sie Ihre Ziele der Wählerschaft und anderen politischen Akteuren?

Nicht speziell…


Werden Sie gehört?

Sicher teilweise – aber es gibt noch viel Luft nach oben.


Braucht es mehr Planungs- und Baufachleute, die sich politisch engagieren?

Ja, sicher! Ich denke, ich bin nicht der einzige Architekt, der die Bewilligungsprozesse etc. als immer aufwendiger erlebt. Das ist nur teilweise berechtigt.


Weshalb ist es wichtig, dass Planungs- und Bauthemen in den politischen Diskurs einfliessen?

Sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und der Wirtschaft.


Welchen spezifischen politischen Beitrag sollten Planungs- und Baufachleute im Dienst der Öffentlichkeit leisten?

Das grösste Manko ist sicher, dass das Gros der heutigen Planerinnen und Planer noch nicht den fundamental wichtigen, effektiv möglichen Beitrag des Bauens zu Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Klima leistet, weil gestalterische Fragen wichtiger sind als die naturwissenschaftlichen Grundlagen!


Um welche Ziele zu erreichen?

Nur ein Beispiel bezüglich Energieeffizienz: Heizen und Warmwasser im Bereich Gebäude brauchen noch heute schweizweit 45% des Gesamtenergieverbrauchs. Dieser Anteil sinkt viel langsamer als die Erneuerung und Sanierung des Gebäudeparks Schweiz. Ich selbst messe seit 20 Jahren eines meiner «normalen» Achtfamilienhäuser. Da sind es nur rund 4% statt 45%.

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