«Die Um­welt­zer­stö­rung hat mich be­reits in mei­ner Ju­gend po­li­ti­siert»

Wahlen 2023

Im Herbst finden die eidgenössischen Wahlen statt. Wer soll die Herausforderungen anpacken, die im Bereich Raumentwicklung, Klima und ­Energie auf uns zukommen? Die richtige Wahl zu treffen ist wichtiger denn je. Wir befragen politisch engagierte Baufachleute aller Parteien zu ihren ­Zielen – aktuell: Fabienne Stämpfli, GLP, Bern.

Publikationsdatum
02-10-2023

STECKBRIEF


Fabienne Stämpfli, geb. 1992, ist MSc Umweltingenieurin ETH. Sie arbeitet als Umweltingenieurin / Projektleiterin Wasserbau, Umwelt und Naturge­fahren für die Gruner AG, Zollikofen. Sie kandidiert für den Nationalrat.

 

Parteizugehörigkeit: Grünliberale Partei (GLP)
Frühere politische Ämter: keine
Aktuelles politisches Amt: Vorstand GLP Oberhofen


Welches Ereignis hat Sie dazu motiviert, sich politisch zu engagieren?

Kein einzelnes Ereignis, sondern die Herausforderungen unserer Zeit. Insbesondere die Klima- und Biodiversitätskrise und die fortschreitende Umweltzerstörung haben mich bereits in meiner Jugend politisiert und vor ein paar Jahren dazu bewegt, in der GLP politisch aktiv zu werden.


Weshalb in dieser Partei?

Mich überzeugt die lösungsorientierte Sachpolitik der GLP, die konsequente ökologische Ausrichtung und die progressive Gesellschaftspolitik.


Hängt Ihre politische Motivation mit Ihrem Hintergrund bzw. Ihrer Tätigkeit in der Planungs- und Baubranche zusammen?

Ja, ich engagiere mich beruflich, ehrenamtlich und auch politisch für die Gesellschaft und die Natur. In meinem Beruf als Umweltingenieurin, indem ich Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekte an Bächen und Flüssen plane und deren Realisierung begleite. Ehren­amtlich, indem ich seit zehn Jahren im Leitungsteam der Pro Natura Jugendnaturschutzgruppe Alpendohlen Thun mitwirke. Und politisch im Vorstand der kürzlich gegründeten GLP Oberhofen und als Nationalratskandidatin.

→ Wählen Sie! Die Interviewreihe von TEC21 gibt politisch engagierten Baufachleuten unterschiedlicher Parteien das Wort. Alle Interviews finden Sie hier.


Welche Ziele wollen Sie in Ihrem aktuellen politischen Amt bzw. nach einer allfälligen Wahl in den Nationalrat erreichen?

Am Herzen liegen mir insbesondere der Schutz der Natur und ein gleichberechtigtes Zusammenleben in der Gesellschaft. Ersteres erreichen wir nur durch Erhalt und Aufwertung der verbleibenden Lebensräume und der Biodiversität, indem wir beim Klimaschutz endlich vorwärtsmachen und durch den nachhaltigen Umbau unserer Wirtschaft. Letzteres bedingt gute Bildung, Chancengleichheit in Ausbildung und Beruf, die Gleichstellung der Lebens­modelle, die Integration aller ins öffentliche Leben und eine bedarfsgerechte soziale Absicherung.


Verfolgen Sie auch politische Ziele, die spezifisch mit dem Planungs- und Bauwesen zu tun haben?

Ja, beispielsweise die Stärkung der grünen Infrastruktur, die Revitalisierung von Lebensräumen, die Energiewende, die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft beim Bauen, der Schutz vor Naturgefahren und die Umgestaltung der Infrastruktur für eine nachhaltige Mobilität sind wichtige Planungs- und Bauthemen, die vorangetrieben werden sollten.


Warum sind diese Ziele relevant?

Wollen wir auch weiterhin Gesundheit, Lebensqualität, eine gesicherte Ernährung und Energieversorgung, müssen wir dringend in den Erhalt der Biodiversität, erneuerbare Energien, die Dekarbonisierung, Klimaschutz und -anpassung, die Mobilitätswende etc. investieren.


Wie vermitteln Sie Ihre Ziele an die Wählerschaft und an andere politische Akteure?

Am wichtigsten sind meines Erachtens Gespräche und Diskussionen im Familien- und Bekanntenkreis, aber auch ein regelmässiger Austausch mit der breiten Öffentlichkeit im Rahmen von Veranstaltungen, Podien und Treffen.


Werden Sie gehört? Woran erkennen Sie das?

In direkten Gesprächen erhalte ich häufig Zuspruch, aber auch Einblick in andere Sichtweisen. Es bestätigt sich, dass der direkte Austausch wichtig und zielführend ist.


Braucht es mehr Planungs- und Baufachleute, die sich politisch engagieren?

Ja. Weil es mehr lösungs­orientierte Sachpolitikerinnen und Sachpolitiker braucht, die den Blick fürs Ganze haben, sich für Kompromisse und den Fortschritt engagieren und nicht nur polarisieren. Uns Planungs- und Baufachleuten kommen dabei die komplexen Projekte mit vielen Beteiligten und Interessen zugute, die wir im Berufsalltag planen und realisieren.


Weshalb ist es wichtig, dass Planungs- und Bauthemen in den politischen Diskurs einfliessen?

Unsere Bautätigkeit verursacht einen Grossteil unserer Abfallproduktion, verbraucht viel Energie und ist für einen nicht unerheblichen Teil unserer Treibhausgasemissionen verantwortlich. Dies, obschon die Planungs- und Baubranche für diese Herausforderungen innovative Lösungen parat hat. Da es vor allem bei der Umsetzung harzt, müssen wo nötig die gesetzlichen Rahmenbedingungen rasch angepasst werden und insbesondere die öffentlichen Bauherrschaften mit gutem Beispiel vorangehen.


Welchen spezifischen politischen Beitrag sollten Planungs- und Baufachleute im Dienst der Öffent­lichkeit leisten?

Es braucht mehr Fachleute aus der Planungs- und Baubranche in den nationalen, kantonalen und kommunalen Parlamenten, Kommissionen und Regierungen, damit die vielfältigen Herausforderungen in den Bereichen Energie, Raumplanung, Infrastruktur, Mobilität, Umwelt und Gebäude hohe Priorität behalten und rasch mit dem dafür erforderlichen Fachwissen angegangen werden.


Um welche Ziele zu erreichen?

Um unsere Gesellschaft und Wirtschaft nachhaltig weiterzuentwickeln und die Natur zu erhalten, brauchen wir das Engagement aller Branchen und Fachleute, sei es politisch, im Berufsalltag oder auch ehrenamtlich. So kommen wir gemeinsam vorwärts.

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