SIA Mas­ter­preis Ar­chi­tek­tur ver­lie­hen

Ende Oktober wurden in Basel die besten Architekturmasterarbeiten des vergangenen Jahres gewürdigt. Die Auszeichnung zeigte: Die Architektur hat den Rahmen des Gebauten verlassen. Nachhaltigkeit, Klimawandel und gesellschaftliche Fragen sind die Themen, die die Studierenden beschäftigen.

Publikationsdatum
14-11-2022

Mit dem SIA Masterpreis Architektur zeichnet der SIA zusammen mit dem Architekturrat der Schweiz die besten Masterarbeiten im Bereich Architektur aus. Alle Schweizer Hoch- und Fachhochschulen, die einen Masterstudiengang in Architektur anbieten, stellen in diesem Wettbewerb ihre besten Projekte vor. Die Nomination der Arbeiten erfolgte durch die jeweiligen Schulen, eine un­abhängige Jury – keine Vertreter und Vertreterinnen der Hochschulen oder des SIA – prämierte Ende August aus 33 Eingaben acht Projekte: Fünf Anerkennungen und drei Preise.

Ende Oktober wurde nun das Geheimnis gelüftet, und die Preisträgerinnen und Preisträger durften im Schweizerischen Architekturmuseum S AM in Basel ihre Auszeichnung entgegennehmen. Das ebenso überraschende wie erfreuliche Ergebnis: Die Fachhochschulen sind genauso vertreten wie die Universitäten. Die ausgezeichneten Entwürfe kommen aus allen Landesteilen – die Ausbildungslandschaft Schweiz funktioniert.

Interessant sind auch die Themen der prämierten Projekte. So ist kein einziger Neubau vertreten, die Studierenden beschäftigten sich jeweils mit Umbauten bestehender Strukturen. Und während bei den Preisen drei im weitesten Sinn klassische Architekturentwürfe prämiert wurden, sind unter den fünf Anerkennungen experimentellere Projekte dabei. Diese Entwürfe verstehen und bearbeiten die Architektur als Teil einer sich verändernden Natur oder einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft.

Doch nicht nur die Themen waren divers und oft schon eher am Rande des Fachgebiets angesiedelt, auch die Bearbeitungsmethoden waren es. Neben Modellen, Plänen und Visualisierungen reichte das Feld der eingereichten Arbeiten bis hin zu Skizzen, theoretischen Analysen und semifiktionaler Prosa – keine leichte Aufgabe für die Jury, aber ein lohnender Einblick in das Schaffen der hiesigen Ausbildungsstätten.  

Natürlich wird es auch kommendes Jahr wieder einen SIA Masterpreis Architektur geben. Es wird spannend sein, zu sehen, ob die Entwicklung weg von Objekt und Form hin zu einem übergeordneten Verständnis von Architektur anhält. Denn: Die Projekte der Jungarchitekten und -architektinnen – und die Haltung, die dahintersteckt – bieten eine Vorschau in unsere gebaute Umwelt von morgen.

Preise (je 3000 Franken)

 

Raphaël Bitzi. «Big boxes are not always the best gifts. Mutation de lieux commerciaux dans le contexte périurbain suisse»
HEIA-FR. Begleitung: Götz Menzel

 

Sandro Hauser. «Alpine Rekomposition – Über das Wiederverwenden von Stahlinfrastrukturen im Misox»
ZHAW. Begleitung: Ingrid Burgdorf, Andreas Sonderegger, Astrid Staufer

 

David Roth + Ralf Schweizer. «Das Unfertighaus: Constructing Ongoingness»
ETH Zürich. Begleitung: An Fonteyne, Philippe Koch

 

Anerkennungen (je 1000 Franken)

 

Fabiana Frisullo. «Flux – Umgang mit in Zukunft fehlenden Wasserressourcen und Entstehung einer neuen Wasserlandschaft Schweiz».
ETH Zürich. Begleitung: Elli Mosayebi

 

Florian Gugger. «Der Kanal, der Garten und die Stadt»
Hochschule Luzern – Technik & Architektur. Begleitung: Johannes Käferstein (Projekt) / Dr. Oliver Dufner (Buch)

 

Adrian Kiesel. «Beton wiederverwenden! – Das Potential einer Wiederverwendung bereits vergossener Betonstrukturen für eine nachhaltige Baukultur».
ZHAW. Begleitung: Ingrid Burgdorf, Andreas Sonderegger, Marc Loeliger

 

Michael Nelson. «Entropia. Landschaftsinfrastrukturen – Starke Formen»
ETH Zürich. Begleitung: Corinna Menn

 

Roxane Noëlle Unterberger. «Dream Baby Dream. A Field Guide to «Housing First»
Università della Svizzera italiana. Begleitung: Muck Petzet

Alle prämierten Projekte des SIA-Masterpreis Architektur 2022 finden Sie in unserem E-Dossier.

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