War­um ist Heinz Is­ler heu­te zeit­ge­mäss?

Editorial espazium magazin 15/2026

Publikationsdatum
30-07-2026

Am 26. Juli 2026 wäre Heinz Isler 100 Jahre alt geworden. Der Schweizer Bauingenieur hat das Zusammenspiel von Form, Kräftefluss und Material weltweit geprägt. Seine Schalen entstanden nicht aus spektakulären Gesten, sondern aus der Suche nach der konstruktiv sinnvollsten Lösung – entwickelt mit physischen Modellen, überprüft im Experiment und durchdacht bis ins gebaute Detail. 

Diese Ausgabe geht der Frage nach: Warum ist Heinz Isler heute zeitgemäss? Ein Fachartikel (S. 6) fasst ausgewählte Beiträge aus Archi 4/2024 (heute espazium quaderni) zusammen und ordnet Islers Werk in die internationale Geschichte der Ingenieurbaukunst ein. Die Ausführungen zeigen seinen Einfluss auf Formfindung und Entwurfsmethoden und decken auf, worin die eigentliche und bleibende Aktualität von Islers Werk liegt.

Eine Sammlung ausgewählter Projekte (S. 10) gibt Einblick in den aktuellen Umgang mit seinen Bauwerken. Und das Interview mit Giulia Boller (S. 14), Forscherin des Isler-Nachlasses, erläutert, weshalb Islers Bedeutung weit über seine Bauwerke hinausreicht.

Alle drei Artikel offenbaren, dass die Entwurfshaltung zum Schlüssel für den ressourcenschonenden Umgang mit dem Bestand wird und dies zugleich zu einer überraschenden Antwort auf eine zweite Frage führt: Was bleibt ausser dem Bauwerk selbst erhalten und was können wir davon lernen? – Die Antwort vorweg: Nicht nur der Bestand mit Plänen und Berechnungen, sondern auch der Weg dorthin.

Modelle, Skizzen, Varianten und Notizen dokumentieren einen Denkprozess, der das Tragwerk erst verständlich macht. Darin liegt eine Botschaft an die Bauwelt: Archivieren Sie Ihren Denkprozess. Er ist Voraussetzung dafür, gebaute Bauwerke zu verstehen, intelligent weiterzubauen und mit möglichst geringem Ressourceneinsatz zu erhalten.

Heinz Islers vielleicht grösstes Vermächtnis sind daher nicht allein seine gebauten Schalen, sondern seine Haltung des Entwerfens – und die Erkenntnis, dass die Suche nach der optimalen Form selbst ein kulturelles Erbe ist.

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