He­li­um, die ewi­ge Num­mer zwei

Ordnungszahl 2

Helium ist das Abgas, das die Sonne aus Wasserstoff erzeugt. Seine Leuchtkraft wird auch auf der Erde gerne genutzt. Teil vier aus der Serie «Chemie des Bauens». 

Publikationsdatum
23-04-2019

Helium (He) ist ein unsichtbares Gas und macht die Welt hell und bunt. Es bringt Luftballone zum Fliegen und elektrische Energie zum Leuchten. Zudem ist es ein Edelgas, das sich chemisch eher träge verhält. Darum ist Helium so etwas wie der stille, grosse Bruder des Wasserstoffatoms. Wäre die «Hindenburg», das vor rund 80 Jahren grösste Luftschiff der Welt, damit gefüllt gewesen, die Explosion bei der Landung in Lakehurst bei New York hätte verhindert werden können.

Für den Atlantikflug wurde billiger, reaktiver Wasserstoff eingesetzt. Manchmal ist das Aufregendere eben nicht erste Wahl. Und das Helium lehrt: Dem Umstand, auch als Nummer zwei den Ansprüchen zu genügen, hat es eine beachtliche industrielle Karriere zu verdanken. Ist die von Mendelejew zugewiesene Ordnungszahl im Periodensystem nicht auch eine Prophezeiung?

Was chemisch gesichert ist: Helium lässt sich selbst bei hohen Temperaturen nicht entzünden. Beim Schweissen wird das Edelgas als Schutzgas eingesetzt. Und unter Strom, im Beisein von Quecksilberdampf, erzeugt es ein rosarotes Licht.

Die Beleuchtungsindustrie packt Helium oft gemeinsam mit Neon – einem weiteren Edelgas, das aber nur kaltweisse Lichtfarbe erzeugt – in sogenannte Niederdruck-Entladungslampen. Besser bekannt unter dem Namen «Neonröhre», ist die Leuchtstofftechnik aber seit einiger Zeit verpönt. Wer ein Gebäude für die Energiewende baut, sollte am besten darauf verzichten. Denn nicht nur Glühbirnen, auch die Edelgaslampen erzeugen mehr Wärme als Licht. 

Und ökologisch ist die Leuchtstofftechnik ebenfalls nicht ohne Makel, aber nicht der Edelgase, sondern der giftigen Metallrückstände wegen. Trotzdem ist die sparsame LED-Leuchtdiode erst seit letztem Jahr das meistverkaufte Leuchtmittel in der Schweiz. Sie löste die bisherige Spitzenreiterin, die Leuchtstofflampe, ab. Damit landet das Helium abermals dort, wo es hin gehört: auf Platz zwei

Aus einem weiteren Grund wird das Edelgas nicht so schnell aus dem Immobilieninventar verschwinden. Wie einst die Lichtbranche, entdeckt nun auch die Energietechnik das Helium als vielversprechenden Ersatz. Das Edelgas steht als Kältemittel bei Gaswärmepumpen im Einsatz und hat die klimaschädigenden FCKW verdrängt. Helium stellt selbst keine Gefahr für die Erdatmosphäre dar und darf ebenso bedenkenlos eingeatmet werden. Trotzdem sollte nichts davon entweichen.

Helium ist - was denn sonst? - zweithäufigster Rohstoff im Sonnensystem, aber auf der Erde äusserst selten. Das meiste muss gemeinsam mit Erdgas aus dem Untergrund gefördert werden. Helium ist chemisch zwar ein friedliches Edelgas, aber geostrategisch ein «kritisches Material»: Das wissenschaftliche Beratungsorgan der EU-Behörde warnte 2016, dass die bekannten Vorkommen nur noch für ein Jahrzehnt ausreichen würden.

Kein anderer Rohstoff droht so schnell auszugehen. Passt die Menschheit also nicht auf, schleicht sich das Helium für einmal auf Platz eins: Es wäre das erste Element, das sich ganz von der Erde verflüchtigen könnte.

2019 ist das internationale Jahr des Periodensystems. Die Kolumne «Die Chemie des Bauens» geht wöchentlich den natürlichen Elementen und ihren Eigenschaften auf die Spur und sucht die gebaute Umwelt mitsamt Umgebung nach ihren atomaren Zutaten ab.


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