Ers­ter SIA-Ord­nungs­tag

Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein lädt zur Premiere: Die erste Ausgabe des SIA-Ordnungstags findet im wiedereröffneten Zürcher Kongresshaus statt. Es lohnt sich, den 16. September vorzumerken.

Publikationsdatum
08-04-2021
Laurindo Lietha
BSc FHO Civil Engineering/Bauökonom DAS, Fachspezialist Ordnungen/Beschaffung SIA

Klimakrise. Demokratiekrise. Pandemie. Shutdown. Wirtschaftskrise? Schliessen die Geschäfte? Schliessen die Baustellen? Werden Grossprojekte sistiert?1 Die Geschehnisse überschlagen sich. Wer aus einem langen Schlaf aufwacht, findet nun eine andere Welt als zuvor. «Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen» – diese Weisheit gilt heute, in Zeiten der R-Werte, Positivitätsraten, Klimamodelle und Meeresspiegelanstiegsberechnungen mehr denn je.

Doch eine Krise ist immer auch eine Chance. Es ist die Zeit des Umdenkens, des gezwungenen, gleichwohl auch des gewollten. Die Bedürfnisse passen sich rasant der neuen Umwelt an – Unruhe entsteht. Man sehnt sich nach klaren und fairen Regeln, Transparenz, Ordnung. Und exakt nach diesen Werten ar­beitet der SIA.

Von Bäumen und Brückenschlagen

«Wirklich, wir leben in bewegten Zeiten!» Frei nach Brecht will der SIA trotzdem auch über Bäume reden. Und zwar an der ersten Ausgabe des Ordnungstags, der am 16. September 2021 stattfindet. Bäume respektive der Umgang mit dieser Ressource sind nämlich der Ursprung des Begriffs Nachhaltigkeit. Im 18. Jahrhundert, als der Begriff aufkam, einigte man sich, dass es nachhaltig ist, pro gefälltem Baum einen neuen zu pflanzen.

Heute gibt es diverse Ansätze, diesen Begriff zu definieren. Doch nicht nur über Bäume soll an der Veranstaltung im neu eröffneten Zürcher Kongresshaus gesprochen werden: Auch das Brückenschlagen über Ströme, die hoffentlich nicht vergehen2, ist ein Thema.

Was wir bauen

Denn der SIA sieht sich in der Verantwortung, voranzugehen. Seine Mitglieder sind die Gestalterinnen und Gestalter eines zukunftsfähigen und nachhaltig angelegten Lebensraums von hoher Qualität. Und ­diese Qualität ist keinesfalls «L’art pour l’art». Sie beeinflusst unsere Lebensqualität direkt in allen Faktoren der Nachhaltigkeit: ökonomisch, öko­logisch und sozial. Bauinvestitionen machen rund 10 % des Schweizer Bruttoinlandprodukts aus, und die Baubranche bietet hundert­tausenden Menschen einen Arbeitsplatz.

Wie wir bauen und uns im gebauten Raum bewegen und leben, hat einen gewaltigen ­Einfluss auf die Umwelt und unser Wohl­befinden. Nachhaltigkeit heisst nicht Verzicht, sondern Steigerung der Lebensqualität. Unsere Sied­lungen sind das kulturelle Erbe vieler Generationen, und wir müssen uns fragen, an ­welchem Erbe wir gerade bauen.

Genau dieser Frage stellt sich der SIA und versucht, Ant­­worten zu geben. Am ersten SIA-Ordnungstag werden dazu Ver­­tre­terinnen und Vertreter aus der Bau- und Planungsb  ranche mit Verantwortungsträgerinnen und -trägern aus Wirtschaft, Politik und Recht zu aktuellen Fragestellungen diskutieren.

Die Plätze im ­Kongresshaus sind begrenzt, eine frühzeitige Anmeldung wird empfohlen. Eine Teilnahme von zu ­Hause aus ist ebenfalls möglich: Die gesamte Veranstaltung kann auch mittels Live­stream verfolgt werden. Der SIA-Ordnungstag findet also unabhängig von der Entwicklung der epidemiologischen Situation statt.

Der erste SIA-Ordnungstag findet am 16. September 2021 im Kongresshaus Zürich statt. Anmeldung auf events.sia.ch/ordnungstag

Anmerkungen

1 www.bauenschweiz.ch/de/news/meldungen/Investieren-statt-sparen-wie-wir-die-Krise-zur-Chance-machen.php

2 «Ohne Klimaschutzmassnahmen wird gegen Ende des Jahrhunderts im Winter im Schnitt 30 % mehr Wasser in den Flüssen sein, im Sommer aber 40 % weniger als bisher.» www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wasser/mitteilungen.msg-id-82700.html

SIA-Ordnungen und BöB

Die Ordnungen des SIA sind Grundlage für die Planungs- und Bau­prozesse der Schweiz. Sie regeln die vertraglichen Verhältnisse im Lebenszyklus von Bauwerken und Anlagen. Viele einzelne Elemente – von der Verantwortung der Bauherrschaften über Vergabeverfahren, Vertragsgrundlagen und Organisationsmodelle bis hin zu den allgemeinen Bedingungen für Bauarbeiten – bilden als Gesamtheit das Beschaffungswesen. Auch die öffentliche Hand als Auftraggeber hat dafür Grundlagen: das Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB).

Dessen revidierte Fassung ist zu ­Jahresbeginn in Kraft getreten und offenbart grundlegende Änderungen. Es schreibt neu den wirtschaftlichen und den volkswirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltigen Einsatz der öffentlichen Mittel vor. Der Zuschlag geht nicht mehr an das wirtschaftlich günstigste, sondern an das vorteilhafteste Angebot. Die gesetzliche Grundlage für ein qualitätsbasiertes Beschaffungswesen sind gegeben. Nun gilt es, dieses richtig umzusetzen.