«Ei­ne Er­wei­te­rung auf den Städ­te­bau ist nö­tig»

Leserbrief

Publikationsdatum
24-02-2021

«Die Erfassung des ganzen Lebenszyklus eines Gebäudes (LCA), wie es die SIA 2032 mit ausführlichen Datenbanken nun schafft, ist ein wichtiger Schritt zur Darstellung des ökologischen Fussabdrucks von Gebäuden. Ergänzend dazu sei erinnert, dass Ueli Kasser im Auftrag des Bundesamts für Energie BFE und Hansruedi Preisig bereits in den 1990er-Jahren erste Grundlagen für Gebäude und Städte geschaffen haben, eine Zusammenarbeit vom Architekten und Umweltchemikern.

Das Forschungsprojekt «Ökoinventare für Energiesysteme» des Paul Scherrer Instituts vertiefte dann die Berechnungen umfangreich und systematisch. Das daraus entstandene öffentlich zugängliche Programm «eco­invent» der ETH Zürich dient immer noch als wertvolles Arbeitsinstrument. Dabei spielt die Festlegung der Systemgrenzen der Berechnung eine wesentliche Rolle, wenn nicht grosse Unterschiede in der Bilanzierung von Gebäuden entstehen sollen. Die SIA 112 nimmt ja darauf Bezug. Beim ­Vorliegen verschiedener Daten­sätze muss daher eine Regelung und Deklaration der Grundlagen erfolgen.

Wie wir schon in einem anderen Beitrag ausgeführt haben (vgl. TEC21 30/2020), ist die Erweiterung der Gebäudebilanz eines einzelnen Gebäudes auf den städtebaulichen Bereich unter Einbezug der städtischen Infrastruktur ausschlaggebend. Für ein städtebauliches Muster genügt die Addition von einzelnen Gebäudedaten nicht. Es braucht den Einbezug des Einflusses der Infrastruktur wie auch jenen des Flächenbedarfs der Erschlies­sung. Mit diesen Daten ist der Vergleich des ökologischen Fussabdrucks ganzer Stadtteile und auch der Stadt möglich.

Wie im SIA-Energiepfad beschrieben, verursachen Bau, Sanierung und Rückbau 9.0 kg CO2/m2 pro Jahr, der Betrieb aber nur 3.0 kg CO2/m2 pro Jahr. Das bedeutet, dass das Sparen im Betrieb eine umso höhere vom Bau verursachte verlorene graue Energie zur Folge hat. Besonders in städtebaulichen Dimensionen ist das ausschlaggebend.

Der Bau der neuen Hardtürme wird so viel verlorene graue Energie produzieren, dass damit ganz Zürich West für Jahrzehnte mit Energie versorgt werden könnte. Um heute zu sparen, verbrauchen wir die Ressourcen der nächsten Generationen. Mit der neuen SIA 2032 ist ein In­strument geschaffen, das solche Verhältnisse sichtbar macht. Wenn die Verdichtung der Stadt mit den falschen Mustern stattfindet, verursacht sie nachhaltige klimatische, ökonomische und humanökologische Schäden. Eine Erweiterung der Berechnungsgrundlagen für den städte­bauli­chen Bereich ist daher not­wendig.»

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