De­le­gier­ten­ver­samm­lung des SIA per Zir­ku­lar­be­schluss

Neue Ehrenmitglieder, neue Themenschwerpunkte und neue Leistungs- und Honorarordnungen – die Delegierten des SIA haben die Anträge per Zirkularbeschluss verabschiedet.

Publikationsdatum
13-05-2020
Ivo Vasella
dipl. Arch. ETH/SIA, Co-Leiter Kommunikation, Mediensprecher

Während der Covid-19-Pandemie gehen auch die SIA-Delegierten virtuelle Wege: Statt sich am 24. April 2020 an der Versammlung in Aarau zu treffen, haben die 76 Delegierten die Anträge auf digitalem Weg erhalten und per Zirkular­beschluss darüber entschieden. An der Konferenz der Sektionen und Berufsgruppen (KSB) Ende Februar in Bern wurden viele der trak­tandierten Geschäfte bereits eingehend besprochen. Daher wurde eine bereitgestellte digitale Plattform für den gemeinsamen Austausch und die Diskussionen nur vereinzelt genutzt.

Entsprechend unspektakulär sind die ­Abstimmungsresultate des anschliessenden Zirkularbeschlusses ausgefallen: Alle Anträge wurden einstimmig oder mit wenigen Gegenstimmen angenommen. Erfreulich ist die sehr hohe Beteiligung: 90 % aller stimmberechtigten SIA-Delegierten haben gültige Stimmen abgegeben.

Erarbeitung einer neuen Kalkulationshilfe

Die inhaltliche Ausrichtung des Vereins wurde bereits am SIA-Forum im vergangenen Herbst diskutiert. Diese Debatte führte zur Ausar­beitung der drei strategischen Themenfelder für die Jahre 2020 und 2021, die die Delegierten nun verabschiedeten: Der SIA wird sich ­vermehrt auf die Themen «Beschaffung», «Digitale Transformation» und «Klimaschutz/Klimaanpassung» konzentrieren.

Bei «Beschaffung» steht eine ganzheitliche Strategie für die Beschaffung sowie die Begleitung der Umsetzung des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB), der Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB) und der Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen (VöB) im Zentrum.

Ausserdem wird die Revision der Ordnungen für Leistungen und Honorare (LHO) vor­angetrieben, inklusive der Integration aktueller Entwicklungen aus der Digitalisierung, dem Beschaffungsrecht und der Nachhaltigkeit. Es wird zudem ein Ersatz für die nicht mehr gültige, bisherige Honorarberechnung angestrebt.

Die Delegierten haben hierfür dem Antrag der Sektionspräsidentinnen und Sektionspräsidenten zur Er­stellung eines Weko-konformen SIA-Tools zur Kalkulation von Planerhonoraren innerhalb der nächsten fünf Jahre mit grosser Mehrheit zugestimmt. Die bereits gestarteten Vorbereitungsarbeiten sollen bis im Juni 2020 in einem Vorschlag an den Vorstand für das weitere Vorgehen zu einer solchen Kalkulationshilfe münden.

Im Weiteren haben die Delegierten die zwei Ordnungen SIA 101 Leistungen der Bauherren und SIA 104 Leistungen und Honorare der Ingenieurinnen und Ingenieure in den Bereichen Wald und Naturgefahren zur Publikation freigegeben.

Klimaschutz und digitale Transformation

Im Bereich «Klimaschutz/Klimaanpassung» stimmten die SIA-Delegierten der Erneuerung und Erweiterung des SIA-Leitbilds zu. Damit soll gezeigt werden, wo in erster Linie Handlungsbedarf besteht und welche Normen und ­Ordnungen aktualisiert werden müssen.

Im Themenbereich «Digitale Transformation» haben die Delegierten den SIA damit beauftragt, eine diesbezügliche Strategie zu erarbeiten. Eine weitere Aufgabe des SIA ist es, die Planungs-, Bau- und Immobilienbranche bei dieser Transformation zu begleiten und zu unterstützen sowie entsprechende Produkte und Leistungen zu ent­wickeln. Der SIA wird ausserdem Hauptpartner am «International Standards Summit» von building­SMART im Frühling 2021 in Zürich sein.

Mehr Geld für Sektionen

Weiter entschieden die Delegierten, die Sektionen des SIA künftig fi­nanziell stärker zu unterstützen. Wie die Beiträge am fairsten verteilt werden, wird eine neu ge­gründete Arbeitsgruppe ausarbeiten. Ausserdem beauf­tragten die Delegierten die SIA-Geschäftsstelle, gemeinsam mit den Sektionen ein Finanzierungsmodell für die künftige Unterstützung der «Beobachter für Wettbewerbe und Ausschreibungen» (BWA) zu erstellen.

Zwei neue Ehrenmitglieder

Ohne eine einzige Gegenstimme wählten die Delegierten zwei neue ­Ehrenmitglieder: die Architekten Bernard Attinger und Uli Huber.

Bernard Attinger, Architekt SIA/DPLG Paris, erhält die SIA-Ehrenmitgliedschaft zur Würdigung
seiner ausserordentlichen Verdienste für den Architektur- und Ingenieurwettbewerb und für sein Engagement für einen hochwertig gestalteten Lebensraum.

Der in Biel diplomierte Architekt absolvierte eine Weiterbildung in Paris als Architekt, Urbanist und im Bereich der Soziologie und war in Sion als selbstständiger Architekt tätig, bevor er 1978 das Amt als Walliser Kantonsarchitekt übernahm. Diese Funktion übte Bernard Attinger während 29 Jahren – bis 2007 – aus. In dieser Zeit wandelte er das zuvor weitgehend freihändige Vergabesystem für den öffentlichen Bau in eine von Wettbewerben geprägte Aktivität um. Dies beeinflusste die Architektur im Wallis grundlegend und führte zu einem fairen Wettbewerbswesen.

Uli Huber, Architekt SIA/BSA/SWB, erhält die SIA-Ehrenmitgliedschaft für ­seine ausserordentlichen Verdienste für eine hochwertige Schweizer Baukultur. ­Huber war von 1973 bis 1999 Chefarchitekt und Leiter der Abteilung Hochbau bei der Generaldirektion der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) in Bern. Seine Tätigkeit beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Architektur, er kümmerte sich auch um die Gestaltung bis ins Detail: Gemeinsam mit den Grafikern Josef Müller-Brockmann und Peter Spalinger schuf Uli Huber das einprägsame SBB-Signet mit den zwei Pfeilen und dem innen liegenden Kreuz.

Auch die Personenwagen, beispielsweise die Doppelstockzüge mit ihren roten Türen, tragen Hubers Handschrift. Uli Hubers Wirken für die SBB kommt dem Charakter eines Gesamtkunstwerks nah. Auch für den SIA engagierte sich Uli Huber zeitlebens: Er ist seit 1970 Mitglied, wirkte in SIA-Workshops zum ­Thema Wettbewerb und war bei der erstmaligen Vergabe der Auszeichnung «Umsicht – Regards – Sguardi» des SIA Jurymitglied.

Wahlen

Die SIA-Delegierten haben ausserdem zwei Mitglieder der Zentralkommission für Normen (ZN) für jeweils vier Jahre wiedergewählt: Barbara Sintzel, Dipl. Natw. ETH/SIA, und Pasquale Petillo, Bauing. FH und Betriebsökonom. Für die Zentralkommission für Ordnungen (ZO) haben die Delegierten Andreas Steiger, Dipl. Bau-Ing. ETH/SIA, und François Chapuis, Dipl. Bau-Ing. FH/SIA, bestätigt sowie Heinz Ehrbar, Dipl. Bau-Ing. ETH/SIA, neu gewählt.

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