Die «Va­lue app» be­nö­tigt mehr Da­ten

Hundert Tage nach dem Start steht fest: Die Methode funktioniert. Doch damit die «Value app» zur stabilen Referenz für unsere künftige Honorarkultur wird, zählt ab sofort jeder einzelne Datensatz aus der Praxis.

Publikationsdatum
12-02-2026
Laurindo Lietha
BSc FHO Civil Engineering/Bauökonom DAS, Fachspezialist Ordnungen/Beschaffung SIA

«Wir befinden uns auf dem Weg zu einer nachhaltigen Honorarkultur», betonte SIA-Vizepräsident Marco Waldhauser im Gespräch, «ein wesentliches Element auf diesem Weg ist die «Value app». Das Tool unterstützt die Branche bei der Ermittlung der Planungsaufwände basierend auf nachvollziehbaren Faktoren wie etwa der Geschossfläche. Seit letztem Jahr steht es in einer Pionierphase für Architekturleistungen nach SIA 102 zur Verfügung. 

Für den Erfolg ausschlaggebend ist in der Pionierphase jedoch, dass möglichst viele Daten von Projekten eingereicht werden. Mit jedem eingereichtem Datensatz werden die Resultate aussagekräftiger. «Aktuell weichen die Resultate für bestimme Projektgrössen und Nutzungen stark von Erfahrungswerten ab, da wir zu wenige Referenzprojekte in diesen Kategorien haben. Damit die Aussagekraft der «Value app» belastbarer wird, benötigt es jetzt vor allem eines – Daten, Daten, Daten…», so Waldhauser. 

 Erweiterung der Datengrundlage 

In der aktuellen Phase kann die «Value app» noch nicht als Hilfe bei Vertragsverhandlungen beigezogen werden. Jede Anwendung in der jetzigen Phase hilft jedoch, das Tool zu schärfen. Die «Value app» wird anhand von abgerechneten Projekten kalibriert und gewinnt so laufend an Aussagekraft. Um die Einreichung der Daten und Rückmeldungen zu erleichtern, haben der SIA und die ETH die «Value app» um ein Feedback-Formular erweitert: Dieses ermöglicht die retrospektive Erfassung bereits abgerechneter Projekte. Darüber hinaus optimieren die Entwickler die Nutzerfreundlichkeit der «Value app» aufgrund der eingegangenen Rückmeldungen. Bis Mitte April soll die nächste Entwicklungsstufe abgeschlossen werden und das Tool aufgrund der eingereichten Daten weiter kalibriert werden. Parallel zu den Arbeiten an der Version für Architekturschaffende werden die Disziplinen Bauingenieurwesen, Gebäudetechnik und Landschaftsarchitektur eingebunden. 

Eine nachhaltige Honorarkultur benötigt Zeit

Die Anforderungen an die Planung verändern sich, Projekte werden komplexer, die Ansprüche an Qualität und Nachhaltigkeit steigen, während der wirtschaftliche Druck zunimmt. Dabei sind Honorare die Grundlage für Qualität, Verantwortung und Nachhaltigkeit. Der SIA unterstützt seine Mitglieder mit Massnahmen und Instrumenten entlang von drei Schwerpunkten bei der Honorarermittlung. Für die betriebswirtschaftliche Standortbestimmung am Markt hat der SIA die Benchmarking-Plattform mit einer ersten Datenerhebung lanciert. Die Rückläufe sind ungenügend. Die geprüften und aggregierten Daten stehen für erste, jedoch nur partiell repräsentative Auswertungen im zweiten Quartal zur Verfügung. 

Eine zweite Erhebung, um das Fundament zu festigen, erfolgt im Sommer. Als normative Grundlage und als Leistungsbeschrieb dienen die Leistungs- und Honorarordnungen (LHO). Diese sollen im Herbst 2026 der Delegiertenversammlung zur Freigabe vorgelegt werden. Mit Abschluss der Revision und Harmonisierung der LHO SIA 102, 103, 105 und 108 soll auch die «Value app» offizialisiert werden. Der Weg in eine nachhaltige Honorarkultur erfordert gemeinsames Verständnis und Handeln – ein Prozess der naturgemäss Zeit benötigt. 

«Value app»: Rückmeldungen und abgerechnete Projekte können hier eingereicht werden. Der Bericht der ETH, welche die Value Methode mit dem SIA weiterentwickelt, zeigt, wo die «Value app» nach den ersten hundert Tagen steht. Er ist hier aufgeschaltet.  

 

RUNDUM-SIA geht auf Tour und diskutiert das Thema Honorarkultur in fünf Städten: 
Bellinzona am 25.2.; Lausanne am 2.3.; St. Gallen am 3.3.; Bern am 4.3 und Basel am 6.3.2026. Weitere Informationen hier.

 

Zusätzlich bietet der SIA zwei Info-Webinare zu der «Value app» jeweils von 12 bis 13 Uhr an. Sie finden am 10.3. und am 16.4.2026 statt. Weitere Informationen und Anmeldung hier.

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