Das Ze­bra des Ar­chi­tek­ten

Derzeit steht im Ausstellungsraum Archizoom der EPFL ein merkwürdiger Gast: Ein Zebra inmitten von Architekturmodellen, Skizzen und Zeichnungen von Patrick Berger. Es steht als Symbol: Berger versucht Muster der Natur aufzugreifen, um seine Bauten sowohl funktional, ästhetisch und symbolisch zu formen. Die Ausstellung «Animals » ist noch bis zum 8. Mai 2014 zu sehen.

Publikationsdatum
17-04-2014
Revision
25-08-2015

Patrick Berger, der 1947 geborene Pariser Architekt und langjährige Dozent an der Architekturabteilung der EPFL, hat in Archizoom eine «Carte blanche» erhalten; er war frei in der Wahl der Exponate und der Gestaltung. Drei Projekte stellt er in den Mittelpunkt: Eine neue Kirche in Saint-Denis in der Pariser Banlieue, den Sitz von Novartis-Pharma France in Rueil-Malmaison und die Dachkonstruktion «La Canopée», verbunden mit der umfassenden Erneuerung des «Forum des Halles» in Paris. 

Auf den ersten Blick haben die drei Projekte wenig gemeinsam. Doch bei näherem Hinsehen zeigen sie, wie genau beobachtend Patrick Berger zur letztlich gültigen Form und Struktur seiner Bauten findet. Er skizziert, zeichnet von Hand seine Entwürfe und findet über Modelle zur letztlich überzeugenden Ausformung und Konstruktion.  

Drei Projekte mit hohen Ansprüchen
Die Kirche Saint-Paul-de-la-Pleine in Saint-Denis stellt für Berger ein architektonisches Theorem dar und wird nach seinen Worten über die ungewöhnliche Form zu einem sozialen, symbolischen und baukonstruktiven Zeichen. Novartis-Pharma France in Rueil-Malmaison sieht er als architektonisches System, das mit seinen Glaspavillons und Terrassen aus der gegebenen Enge der urbanen Situation entstanden ist. Mit der Überdachung aus Stahl und Glas der Canopée (Baumkronendach / Blätterdach) für das «Forum des Halles» in Paris will Berger dem von den Parisern ungeliebten Ort neues Leben einhauchen und ihn zum eigentlichen Tor von Paris werden lassen. Das Dach aus Stahl und Glas befindet sich derzeit im Bau. 

Ein Spaziergang durch architektonische Ideen
Die Ausstellung ist stringent gestaltet. Im Zentrum des Raums liegt eine langgezogene Plattform auf der – wie auf einer Bühne – Modelle ausgebreitet sind. Im Hintergrund zieht das riesige Modell der Canopée die Blicke auf sich. Die drei Projekte sind auf einer Längswand mit Plänen Skizzen und Bildmaterial dokumentiert.

Die Wand gegenüber zeigt gestalterische Überlegungen älterer Entwürfe und Arbeiten in Zusammenhang mit Bergers Lehrtätigkeit an der EPFL, auch sie zumeist in Form von Skizzen und Zeichnungen. Berger hat in seinem Arbeitsleben nach eigener Aussage gegen neunzig Projekte verfasst. Zu den bekannteren Projekten zählt die Umgestaltung des ehemaligen Theaters «Le Palace» in Paris von 1978 in einen mittlerweile legendären Treffpunkt der Schickeria und der internationalen Szene aus Mode, Film, Kunst und Rockmusik.

Aber auch das Projekt für die «Promenade plantée» stiess auf grosses Echo und wurde zum Vorbild für ähnliche Vorhaben in New York, Chicago, Rotterdam und auch in Zürich. Die Mitte des 19. Jahrhunderts gebaute Bahnlinie Bastille-Bois de Vincennes wurde 1969 still gelegt. Patrick Berger hat ab 1993 auf den 67 Bogen des Viadukts eine bepflanzte Promenade errichtet. In der Schweiz ist Berger durch eine Retrospektive in Mendrisio und auch mit dem Neubau des Uefa-Hauptsitz in Nyon aufgefallen.

Aber eigentlich ist er vor allem in Fachkreisen bekannt und sucht nicht nach Aufmerksamkeit. Zu dieser bescheidenen Haltung passt die nun gezeigte Ausstellung gut: Kein Glanz und Gloria sondern einfach mit Nadeln an die Wand geheftete Zeichnungen und Pläne, Modelle, die ungeschützt aufliegen.  

Buch trägt zur Klärung bei
Die einzelnen Etappen der Ausstellung sind mit Texten auf einfachen A5-Blättern erläutert. Im Zusammenhang mit dem Gezeigten wirken sie instruktiv, teils sind sie aber zu wenig präzis formuliert. Abhilfe schafft hier das Buch zur Ausstellung mit Texten zu Bergers Entwurfskonzepten, Geschichten und zahlreichen Illustrationen. Darin zitiert ist auch der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Karl von Frisch mit seinen Aussagen zu Struktur und Bauweise von Bienenwaben, was den eher kryptischen Ausstellungstitel erklärt.