Aus Hotel- werden Energiepioniere

Die energetische Versorgung des Bürgenstock Resorts

Daniela Hochradl Korrespondentin TEC21

Die Investoren des Bürgenstock Resorts hegen auch beim Betrieb nachhaltige Ambitionen. Das Erbe der Hotelpioniere Franz-Josef Bucher und Josef Durrer beziehen sie dabei mit ein: Wasser aus dem Vierwaldstättersee wurde bereits 1888  den Berg hoch gepumpt; nun ist die Nutzung des Seewassers auch auf die energetischen Bedürfnisse ausgerichtet worden. Dazu musste die Infrastruktur komplett erneuert und ver­grös­sert werden: mit einem Saugkorb in 37 m See­tiefe, einer Pumpstation in Kehrsiten und einer rund 1 km langen Druck­leitung, die eine ­Höhendifferenz von 500 m überwindet. Damit können bis zu 75 l Seewasser pro Sekunde aus dem See in ein bestehendes, erweitertes Wasser­reservoir oberhalb des Resorts gepumpt werden. Dieses Reservoir umfasst zwei Wasserkammern für unverbrauchtes respek­tive verbrauchtes Seewasser.

Die Innovation der erneuerten Anlage ist die vierfache Nutzung des Seewassers, auch um das Resort nahezu CO2-neutral mit Wärme und Kälte zu versorgen. Das konstant 5 bis 7 °C warme Seewasser dient als Energiequelle auf Niedertemperaturniveau und deckt 80 % des Wärmebedarfs respektive 100 % des Kältebedarfs. Zusätzlich wird das Seewasser zur Bewässerung des Golfplatzes und der Gartenanlagen verwendet und kann ohne weitere Aufbereitung auch in den Schwimmbädern und in der Wäscherei eingesetzt werden.

Mit Seewasser heizen und kühlen

Die energetische Nutzung beruht auf ­einem Kreislaufsystem mit Wärmerückgewinnung; hierfür kann das Seewasser im Arealnetz abhängig vom Tempe­raturgradienten mehrmals benutzt werden. Das im Winter auf 2 °C abgekühlte respektive im Sommer auf 18 °C erwärmte Wasser wird via Reservoir in den See zurückgeführt. Eine Turbine in der Fallleitung nutzt Wasserkraft: Ein Generator erzeugt etwa die Hälfte des für das Hochpumpen erforderlichen Stroms vor Ort.

In der Energiezentrale unterhalb des Parkhauses erfolgt die Verteilung der Energieströme im Resort. Ein un­ter­irdisches Leitungsnetz versorgt 30 Gebäude im Resort mit Kalt- und Warmwasser; Letzteres mit einer Temperatur von 52 °C. Die Grundlast für Heizung und Brauchwarmwasser, die von den einzelnen Hotels, Appartements und Residenzen benötigt wird, bereiten Wasser/Wasser-Wärmepumpen dezentral auf. Die Spitzenlastdeckung (ca. 20 %), insbesondere im Winter übernehmen dagegen Heizkessel, die mit Flüssiggas versorgt werden müssen. Beide Wärmeversorgungssysteme sind jeweils an einen Pufferspeicher angehängt. Dagegen braucht es Kältespeicher ebenso wenig wie Kältemaschinen. Die Gebäude werden energieeffizient passiv gekühlt, über einen zentralen, mit Seewasser gespeisten Zwischenkreislauf.

Das Kaltwasser wird zusätzlich zur Abfuhr der Abwärme genutzt, die in gewerblichen Kälteanlagen (etwa im Gastrobereich) oder beim Betrieb des Eisfelds entsteht. Der Rückfluss des verbrauchten, abgekühlten respektive erwärmten Seewassers ist derart organisiert, dass dieser die Wasserfassung weder hydraulisch noch thermisch beeinflussen kann.

Dem Konzept zur klimafreund­lichen Wärmeversorgung wird gute Wirtschaftlichkeit und hohe Betriebs­sicherheit zugetraut. Der Vergleich mit einer konventionellen Energieanlage, die fossile Wärme erzeugt und elektrische ­Kältemaschinen betreibt, zeigt: Der End­ener­giebedarf ist um den Faktor 2.3 geringer und die Treibhausgas­emissionen fallen unter 30 %.
 

Verwandte Beiträge

ARCHIV: Die Ausgaben seit 2013

Abonnieren Zum Archiv