Start in fruchtbare Zusammenarbeit

Im neuen SIA-Mentoring-Programm geben SIA-Mitglieder Berufserfahrung und Wissen an Rat suchende Mitglieder weiter. Einer der Initiatoren – David Fässler, Leiter SIA-Service – informiert über das Programm, das Ende Juni gestartet wurde.

Susanne Schnell Redaktorin im Team Kommunikation des SIA

SIA: Herr Fässler, können Sie ganz kurz den Sinn dieses Programms schildern?
David Fässler: Für den SIA interessant ist die Tatsache, dass wir in unserem Verein vielseitiges Wissen versammelt haben. Gleichzeitig gibt es viele Mitglieder, die von diesem Erfahrungsschatz profitieren möchten. In Gesprächen haben wir immer wieder einen Bedarf hierfür festgestellt. Eine Umfrage unter potenziellen Mentoren hat ergeben, dass ins­besondere erfahrene Mitglieder gerne bereit sind, weniger erfah­rene eine bestimmte Zeit lang in der persönlichen und fachlichen Entwicklung zu begleiten.

SIA: Ist ein «physisches» Mentoring-Programm im digitalen Zeitalter noch zeitgemäss?
David Fässler: Aufgrund des eingangs Gesagten ist offenkundig, dass sich Mentor und Mentee (diejenige Person, die betreut wird) persönlich treffen. Das ist zentral. ­Herausfordernd ist das Matching, also das Zusammenführen von Mentoren und Mentees aufgrund ihrer Angaben und Wünsche. Hier unterstützt die Digitalisierung enorm. Mittels eines eigens für das Mentoring-Programm ent­wickelten Algorithmus ist es möglich, mit vernünftigem Aufwand eine grössere Gruppe von Interessierten zu verknüpfen. Natürlich müssen die so gebildeten Tandems dann herausfinden, ob die Chemie zwischen den Teilnehmenden wirklich stimmt und es zu einer längeren Zusammenarbeit kommen kann.

SIA: Als Sie das Programm den potenziellen Teilnehmern vorstellten, meldeten sich zahl­reiche Interessenten – sowohl auf Men­toren- wie auch auf Mentee-Seite. Warum sind Sie davon ausgegangen, dass Sie auf ­Zuspruch stossen werden?
David Fässler: Mentoring ist nicht neu und wird regelmässig an Universitäten, in Unternehmen und Verbänden angeboten. An der Uni war ich selbst als Mentor für Uni-Einsteiger tätig, und da wurde mir bewusst, wie viel einfacher der Einstieg in ein neues Umfeld wird. Im Kontakt mit unseren Mitgliedern stellen wir immer wieder fest, dass genau eine solche Mög­lichkeit, sich einer erfahrenen Persönlichkeit anzuvertrauen, fehlt. Aufseiten Mentore haben wir in der Umfrage ein riesiges Interesse an der Weitergabe von Erfahrungen und Wissen fest­gestellt. Das war die Voraus­setzung: auf beiden Seiten genügend Interessierte. So kann unser Programm funktionieren.

SIA: In welcher Form die Mentees profitieren, liegt auf der Hand. Wie sieht es für die Mentoren aus? Sie stellen ihr Know-how und ihre Zeit unentgeltlich zur Verfügung. Was springt für sie dabei heraus? Oder steht hier der altruistische ­Gedanke im ­Vordergrund?
David Fässler: Ja, das war für das Set-up des ersten Programms ein wich­tiger Leitgedanke: Es ist kostenlos für alle Teilnehmenden, und der SIA bietet die Plattform und Unterstützung. Grundsätzlich ist ein Mentoring nicht pekuniärer Natur. Der Erfahrungsaustausch und die persönliche Begleitung liegen auch im Interesse der Mentoren, denn dies stärkt den Berufsstand des Planers. Abgesehen davon haben mir Mentoren erzählt, dass auch sie viel gelernt hätten. Es ist also durchaus für beide Seiten gewinnbringend.

SIA: Sie haben vorab die Tandems – Mentor und Mentee – schon zusammengestellt. Auf welche Faktoren haben Sie geschaut, damit es passt?  
David Fässler: Das war eine grosse He­rausforderung, weil es trotz der erfreulichen Anzahl Teilneh­menden (über 60 Personen) eine ziemlich grosse Anzahl Personen braucht, um auch Spezialwünsche berücksichtigen zu können. So haben wir uns vor allem auf das Matching der übereinstimmenden Themen im Bereich Unternehmens­führung und Fachthemen kon­zentriert. Daher gibt es auch das eine oder andere Tandem, das sich aus einer Architektin und einem Ingenieur zusammensetzt. Das kann funktionieren, wenn es zum Beispiel um Führungsthemen geht. Mehr wissen wir nächsten Frühling, wenn wir die Evaluation des Programms vornehmen werden.

SIA: Die Tandems haben sich anlässlich der Startveranstaltung persönlich kennengelernt. Wie geht es mit ihnen weiter? Arbeiten diese für sich autonom ihr ganz spezifisches Thema ab, oder hat der SIA eine Art von Supervision inne?  
David Fässler: Die Tandems legen eigenständig fest, wie oft, wo und in welchem Rahmen sie sich treffen. Ebenso einigen sie sich über die zu behandelnden Themen. Ich nehme an, dass in vielen Fällen ein Fokus auf einige wenige Themen sinnvoll sein wird, weil sonst der Rahmen durch die Themen­fülle gesprengt würde. Wir vom SIA stehen zur Verfügung, wenn Fragen, Unklarheiten oder Kon­flikte auftauchen.

SIA: Was machen Interessenten, die erst durch dieses Interview auf das Programm aufmerksam wurden? Ist es noch möglich, sich anzumelden?  
David Fässler: Der gemeinsame Abschluss der Tandems ist wichtig, damit wir die Rückmeldungen sammeln und mit den Teilnehmenden diskutieren können – auch um das Programm weiterzuentwickeln. Das aktuelle Programm endet im März 2019. Es wird sicher eine Fortsetzung geben und wir werden zu gegebener Zeit darüber informieren.

SIA: Vielen Dank für das Gespräch.
 

 

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