Projektwettbewerb Umgestaltung Rümelinsplatz, Basel

Mehr Platz

Bislang lädt der Rümelinsplatz in Basel nicht zum Verweilen ein. Dies soll sich nun ändern. Franz Reschke Landschaftsarchitektur aus Berlin konnte den Wettbewerb zur Neugestaltung für sich entscheiden.

Franziska Quandt Redaktorin TEC21

Der Rümelinsplatz befindet sich im Herzen der Altstadt Grossbasels. Der namens­gebende Gewerbekanal Rümelinsbach fliesst längst nicht mehr über den Platz, und das räumliche Ge­füge hat sich über die Jahre stark verändert. Der Platz wirkt wenig einladend und wird überwiegend als Durchgangsort genutzt.

Seit dem Jahr 2015 gelten für die Stadt Basel der Entwicklungsrichtplan Innenstadt (ERPI) und die Grund­lage des Gestaltungskonzepts Innenstadt (GKI). Die an den Rümelinsplatz angrenzenden Gassen ­Spalenberg, Grünpfahlgasse und Gerbergässlein sind bereits in den vergangenen Jahren anhand dieser Gestaltungsgrundsätze aufgewertet worden. Darauf aufbauend soll nun auch der Rümelinsplatz erneuert werden. Er soll einen eigenständigen Charakter bekommen, durch den sich die Aufenthaltsqualität verbessert und der die Passanten wieder zum Verweilen anregt. 

Zum anonymen Wettbewerb reichten 23 Planungsbüros ihre ­Ideen ein, von denen am Schluss das Projekt «Platzlichtung» von Franz Reschke Landschaftsarchitektur aus Berlin gewann. 

Historische Bezüge

Mit wenigen Elementen konnten die Planer den Platz gestalterisch und topografisch wieder besser in der historischen Basler Altstadt verankern. Allein die vorgesehene Änderung des Platzbelags von Asphalt zu Kieselwacke wertet den Platz stark auf und gibt ihm ein Stück historische Gestalt zurück. Hinzu kommen mehr Bäume und von den Projektverfassern gestaltete Mauersitz­gelegenheiten. Die existierenden Trottoirränder auf dem Platz und in der Münz- und der Schnabelgasse fallen weg. Die einheitliche Gestaltung soll das Tempo verlangsamen, mit dem die Passanten den Platz queren, und sie zum Verweilen einladen. Das dürfte wiederum die örtliche Gastronomie stärken.

Die verschiedenen Basler Stadtfeste, wie Fasnacht oder «Em Bebbi sy Jazz», sollen weiterhin auf dem Rümelins­platz stattfinden. Ebene, nicht kommerziell bewirtschaftete Aufenthaltsbereiche am Brunnen und vor dem Bibliotheksgebäude gleichen die Höhenunterschiede des Geländes aus und tragen zur Belebung des Platzes bei. Mit von den Projektverfassern gestalteten «Stadtsofas» und flachen Stufen werden die Ebenen in die Topografie des Rümelinsplatz eingebunden. Die Gassen und der Platz werden durch flache Pflasterrinnen gegliedert. So entsteht eine subtile Zonierung der Gastronomiebereiche.

Eine Wegmarke setzen

Von den platzierten Projekten hebt sich «Gutzi» optisch am stärksten vom Siegerprojekt ab. Das Projektteam legt einen ovalen Ring um den Brunnen und rückt ihn  noch stärker in den Fokus. Die vorhandenen Elemente werden – ohne dass sie bewegt oder berührt werden – in eine neue Konstellation gebracht. Wie eine Spirale windet sich der ovale Betonring nach oben, schafft in der Mitte einen ebenen Platz, verbindet die verschiedenen Höhenniveaus miteinander und ist zudem als ­Sitzgelegenheit ausgeformt. Die Jury hinterfragt jedoch, wie sich das ­Material des Rings im Alterungsprozess verhalten wird, und bemängelt zudem, dass für die Bepflanzung sechs verschiedene Baumarten vorgesehen wurden.

Flusslauf

Auch das Projekt «Rimmeli» hebt sich durch ein gestalterisches Merkmal hervor. Die Arbeit führt den Rümelinsplatz am stärksten zu seiner Ursprungsgestalt zurück. Auf der Linie, auf der einst der Rümelinsbach verlief, haben die Projektverfasser eine Mauer gesetzt. Diese unterstreicht die topografischen Unterschiede und schafft eine räumliche, auf die Historie zurückzu­führende Neuordnung: den unten liegenden Mühleplatz, die seitlich verlaufende Münzgasse und den oben liegenden eigentlichen Rümelinsplatz. Durch seine Positionierung und Ausführung soll die ­Mauer zur Schwelle, zum Verbindungselement, zur Treppe, zum Brunnen, zu Bank, Tisch und Ablage werden. Aber genau diese Qualität ist am Schluss auch das Problem. Die Jury befürchtet, dass die Trennung von Platz und Gasse sich negativ auf den öffentlichen Raum auswirkt.

Im historischen Kontext gedacht

Bei allen Projekten hebt die Jury die kompetente Auseinandersetzung mit der städtebaulichen Geschichte des Orts hervor. Und im Jahr 2021 soll man schon auf dem neuen Rümelinsplatz im Schatten eines Baums ein Eis schlecken können. 

Weitere Informationen zu diesem Projektwettbewerb finden Sie unter der Rubrik Wettbewerbe.

Auszeichnungen

1. Rang / 1. Preis «Platzlichtung»: Franz Reschke Landschaftsarchitektur, Berlin
2. Rang / 2. Preis «Amarillo»: Meta Landschaftsarchitektur, Basel, Meier Sneyders Architekten, Basel
3. Rang /3. Preis «Rimmeli»: Westpol Landschaftsarchitektur, Basel, Rapp Architekten, Münchenstein
4. Rang / 4. Preis «Gutzi»: Stauffer Rösch Landschaftsarchitekten, Basel

Jury

Beat Aeberhard, (Vorsitz), Kantons­baumeister, Basel-Stadt
Armin Kopf, Leiter Grünplanung, Stadtgärtnerei, Basel-Stadt
Stefan Rotzler, Landschaftsarchitekt, Gockhausen
Angela Bezzenberger, Landschafts­architektin, Darmstadt
Martin Knuijt, Landschaftsarchitekt, Utrecht
Massimo Fontana, Landschafts­architekt, Basel

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