Neue Norm SIA 115 «Ko­sten im Bau­we­sen»

Die Norm SIA 115 «Kosten im Hochbau» wurde anlässlich ihrer ersten Revision um den Tiefbau erweitert und geschärft. Der im Tiefbau etablierte Umgang mit Risiken bildete einen Schwerpunkt der Revision, mit besonderen Chancen auch für den Hochbau.

Data di pubblicazione
17-08-2026

Kostenermittlungen sind zu Beginn eines Bauprojekts immer Prognosen. Entsprechend wichtig ist es für die Projektbeteiligten, deren Genauigkeitsgrad zu kennen. Die SIA-Leistungs- und Honorarordnungen definieren dafür Richtwerte: Für das «Vorprojekt» (Teilphase 31) wird in der SIA 102 eine Kostengenauigkeit von +/-15 % vorgegeben (bzw. nach SIA 103 +/-20 % für den Tiefbau) und für das «Bauprojekt» (Teilphase 32) +/-10 %. Trotz dieser klaren Vorgaben sind Kosten bei Bauvorhaben bekanntlich die Hauptursache für Streitfälle. Mangelnde Kompetenz in der Kostenermittlung dafür verantwortlich zu machen, greift zu kurz. Vielfach fehlt es am gemeinsamen Verständnis für die zugrundeliegenden Kostenstrukturen. Die revidierte Norm SIA 115 «Kosten im Bauwesen» bietet die Grundlage dafür, das Kostenverständnis aller Beteiligten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Mehr Inhalt bei gleichem Umfang

Die Norm SIA 115 erschien erstmals 2022 unter dem Titel «Kosten im Hochbau» (vgl. TEC21 17/2022). Ziel war es nicht, ein Instrument zur Baukostenplanung zu erarbeiten. Die Norm sollte zur Entwirrung der vielen kursierenden Instrumente und Begrifflichkeiten beitragen und so eine gemeinsame Verständigungsgrundlage schaffen. Bereits damals bestand die Absicht, die SIA 115 in einem zweiten Schritt um den Tiefbau zu erweitern. Dass dies nun mit einer inhaltlich erweiterten, jedoch ebenso schlanken Neuauflage gelungen ist, liegt an der Flughöhe der Erstpublikation. Für eine bessere Zugänglichkeit zum ebenso gemiedenen wie wichtigen Thema der Baukostenplanung ist die 28 Seiten umfassende Norm auf entscheidende Überlegungen beschränkt. Der Fokus liegt auf der Unterscheidung von Planbarem und Unplanbarem und der damit einhergehenden Abgrenzung der Verantwortungsbereiche von Auftraggeber und Beauftragtem.

Nach einer Einführung in die allgemeinen Aspekte der Kostenplanung (Kostenermittlung, -kontrolle, -steuerung) wird die Kostengenauigkeit im Detail behandelt – Genauigkeitsgrad und welche Kostenpositionen darin enthalten sind, Reserven, Teuerung. Ergänzt wird die Norm durch ein Glossar der Schlüsselbegriffe (inklusive französische und italienische Übersetzung) sowie eine Tabelle zur Gliederungssystematik der Baukosten, unter anderem nach Kontrollierbarkeit durch den Beauftragten. Der Text wird durch eine schrittweise aufgebaute Grafik begleitet, welche die Entwicklung der Basis der Kostengenauigkeit und der Reserven über den Projektierungsprozess hinweg abbildet.

Das Risiko als Chance

Die nun erfolgte spezifische Überarbeitung für den Tiefbau ist auch für Planende im Hochbau eine Bereicherung. In die Revision eingeflossen sind aus dem Tiefbau unter anderem die Auswirkungen längerer Projektlaufzeiten (beispielsweise über den Einbezug der Vorvertragsteuerung), das Glossar (Erweiterung und teilweise Schärfung der bestehenden Begriffsdefinitionen) sowie der Umgang mit Risiken. Im Tiefbau, wo Risiken im Durchschnitt höher sind, gehören diese zum festen Bestandteil von Projektierungen. Gemäss Erfahrungen aus dem Tiefbau empfiehlt es sich, zwischen «identifizierten» und «quantifizierten» Risiken zu unterscheiden und deren Eintretenswahrscheinlichkeit und Kostenfolgen zu ermitteln oder abzuschätzen. Die Erkenntnisse aus dem Tiefbau schlagen sich auch in den in der Norm definierten «Reserven» nieder. Neben der «Reserve Auftraggeber» und «Reserve für Unvorhergesehenes» wird neu zusätzlich die «Reserve für quantifizierte Risikofaktoren» ausgewiesen. Die präzise Unterscheidung der Reserven ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil sämtliche dieser Reserven Kostenpositionen sind, die nicht planbar sind und somit nicht der durch den Planer verantworteten Genauigkeit unterliegen. Tritt jedoch ein «als Risiko identifiziertes Ereignis» ein, verlagert es sich in die «geplanten Kosten» und somit dem Verantwortungsbereich des Planers. Dass dies nicht unbedingt schlecht sein muss, ist der Norm nun ebenfalls zu entnehmen: Im Tiefbau werden Risiken explizit nicht nur mit «Gefahren» in Verbindung gebracht. Neu beinhaltet das Begriffsverzeichnis deshalb auch die «Chance», definiert als Faktor, der – im Falle des Eintritts – «positive Auswirkungen auf die Projektanforderungen hat».

 

RUNDUM SIA: «Kosten im Bauwesen – eine Frage der Verständigung?»

Anlässlich der Neupublikation der Norm SIA 115 «Kosten im Bauwesen» lädt der SIA am 22. September zum Diskussionsabend in die Amboss Rampe ein. Weitere Informationen: https://rundumsia.events.sia.ch/#E06665

SIA 115:2026 «Kosten im Bauwesen»

28 Seiten, Format A4, broschiert

CHF 140.00

Gültig ab 1. August 2026

Erhältlich auf Deutsch und Französisch über: https://shop.sia.ch/

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