Ener­gie­for­schung: Ab­war­ten ist die bes­sere Op­tion

Die Stadt Zürich betreibt seit vier Jahren angewandte Energieforschung. Die an der Jahrestagung präsentierte Zwischenbilanz ist ernüchternd: Mögliche Umsetzungspartner bleiben lieber fern.

Date de publication
20-11-2014
Revision
23-02-2016

Die Stadt Zürich beschreitet seit 6 Jahren den 2000-Watt-Pfad und hat vor 4 Jahren ein anwenderorientiertes Umsetzungsinstrument in Angriff genommen. Bis 2020 finanziert das städtische Elektrizitätswerk ein Programm, um mögliche Hürden und Hemmnisse in den Bereichen Mobilität und Gebäude zu lokalisieren und abzubauen. «Pioniere sind gesucht», leitete Stadtrat Andres Türler die Tagung zur «Energieforschung der Stadt Zürich» Ende Oktober ein, welche der energetischen Gebäudeerneuerung gewidmet war. Allerdings gaben er und weitere Projektverantwortliche auch bekannt, dass der Programmstart bislang harzig verläuft: «Ein Mobilitätsprojekt wurde mangels Nachfrage ausgesetzt; und die privaten Hauseigentümer zeigten bislang ebenso geringes Interesse, am Dialog über Energie sparendes Verhalten teilzunehmen», so die ernüchternde Zwischenbilanz.

Umso spannendere Einblicke bot die Veranstaltung selbst, weil der Sanierungsstau ausschliesslich aus ökonomischer Perspektive beurteilt worden ist. «Abwarten ist tatsächlich die bessere Option, als Wohn- und Geschäftshäuser zu sanieren», stellte Andreas Löpfe, Geschäftsführer des Instituts für das Banken- und Finanzwesen der Universität Zürich, klar. Bestehende Gebäude liefern sichere Renditeerträge; ein Sanierungsentscheid erhöht dagegen das Risiko im Anlagengeschäft. «Eigentlich lohnen sich Investitionen nur dort, wo die Nachfrage nach Immobilien bereits gross ist», bestätigt Löpfe die Regel, wonach der Standort das Renditekriterium schlechthin und vor allem wichtiger als die energieeffiziente Bauweise ist.

Für Erika Meins, Nachhaltigkeitsforscherin am Kompetenzzentrum für Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit der Universität Zürich, stimmt diese Sichtweise aber nur bedingt: «Wichtige Faktoren werden ausgeblendet»; bereits heute zeige sich, dass nachhaltige Gebäude höhere Rendite erzeugen können. Zudem würden viele Hausbesitzer gerne mehr in Energietechnik investieren, aber der Zugang zum Finanzierungskapital sei erschwert.

Praktische Umsetzungshürden sind auch Stefan Rieder, Bereichsleiter Gebäude bei Energieforschung der Stadt Zürich, aufgefallen: «Zum einen schreckt die Regulierungsdichte viele Eigentümer ab, ihre Häuser energetisch aufzuwerten; zum anderen wird das knappe Geld lieber für eine moderne Küche als für Sonnenkollektoren ausgegeben.» Ein Praxistest, wozu weitere Interessenten aus dem Kreis der Stadtbevölkerung gesucht sind, soll bis in 3 Jahren zeigen, dass solche Hürden trotzdem überwindbar sind und die Rate der energetischen Gebäudesanierung freiwillig erhöht werden kann.

Weitere Infos unter: www.energieforschung-zuerich.ch

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