Neues Herz für Hin­ter Gär­ten

Erweiterung Schulhaus Hinter Gärten, Riehen

Nord Architekten gewinnen den Studienauftrag zur Erweiterung des Schulhauses Hinter Gärten in Riehen. Sie ergänzen den bunten Bestand von Marques Architekten mit einer viergeschossigen Erweiterung und verlagern das Zentrum der Schulanlage konsequent in die neue Mitte.

Date de publication
30-06-2026

Die Anzahl der Schulkinder in Riehen wächst kontinuierlich. Die Schulanlage Hinter Gärten soll deshalb dauerhaft von zwei auf drei Züge à je sechs Klassen (1. bis 6. Klasse) erweitert und die Tagesstruktur integriert werden. Die bestehende Doppelsporthalle soll zu einer Dreifachsporthalle vergrössert werden. Damit wird sowohl der prosperierenden Bevölkerungszahl und den erhöhten Anforderungen an Unterricht und Betreuung Rechnung getragen. Die Dreizügigkeit des Schulbetriebs wird heute mit Provisorien gewährleistet, die nach der Erweiterung entfernt werden.

Das Primarschulhaus mit Doppelsporthalle des Architekten Daniele Marques wurde 2006 erbaut und besteht aus drei Volumen: Der dreigeschossige Schulhaustrakt ist einbündig angelegt. Davor liegt die im Gelände eingesenkte Zweifachsporthalle. Seitlich fügt sich ein kleines Gebäude mit Nebennutzungen an. Als Haupteingang und Bindeglied zwischen den verschiedenen Volumen dient der ins Terrain eingefügte und von einer Mauer gefasste Pausenhof. Kräftige Farben prägen die Architektur sowohl innen wie auch aussen. Sie sollen die Identifikation mit den Unterrichtsräumen fördern und die Orientierung im Schulhaus erleichtern.

Zur Lösung der anspruchsvollen Aufgabe hat die Einwohnergemeinde Riehen einen einstufigen Studienauftrag im selektiven Verfahren für Generalplanerteams ausgeschrieben. Teilnahmeberechtigt waren Teams mit den Kompetenzen Architektur, Landschaftsarchitektur und Bauingenieurwesen. Für die Teilnahme am Verfahren haben sich 28 Teams beworben, fünf davon wurden für den Studien­auftrag selektioniert.

Neues Raumgefüge

Die Jury empfiehlt das Projekt des Teams um Nord Architekten einstimmig zur Weiterbearbeitung. Es setzt mit einem prägnanten, viergeschossigen Volumen im Westen des bestehenden Schulhauses ein neues Fanal für die ganze Anlage. Konsequent wird auch der Haupt­eingang dorthin verlegt und löst den bestehenden, introvertierten Zugang über den Pausenhof im Osten ab. Die Fassaden sind zurückhaltend gestaltet und sorgfältig gegliedert.

Weitere Infos zum Wettbewerb finden Sie auf competitions.espazium.ch

Das Herz der Erweiterung bildet das zenital belichtete «Chamäleon». Es vermittelt zwischen der Kreativwerkstatt am Steingrubenweg und der Tagesstruktur mit Bezug zum Park. Dieser wandelbare Raum kann sowohl als Foyer, Pausenraum oder als Aula dienen und lässt sich in der Grösse den unterschiedlichen Bedürfnissen anpassen. Durch die mehrfache Nutzung ist das Projekt flächeneffizient. Der Ausgang zum Park im Süden führt zu einem mit Bäumen bepflanzten Platz, der den Übergang von Bestand zum Neubau markiert. 

In den Obergeschossen der Erweiterung liegen die zusätzlichen Unterrichtsräume, je drei Zentrumscluster mit gemeinsamer Mitte. Der bestehende, schlanke Klassentrakt wird kaum verändert und mit wenigen Eingriffen pragmatisch weiterentwickelt. Die Teilunterkellerung des Neubaus zur Erweiterung der Doppelsporthalle ist plausibel. Die Volumen des Neubaus im Westen sind in der Höhe gestaffelt und fügen sich selbstverständlich in den Bestand ein. 

Die Bodenheizung kann im Sommer auch zur Kühlung eingesetzt werden. Zur Nachtauskühlung dienen weiter automatisierte Fenster und Oberlichter über den Klassenzimmertüren, und auch die Nordseite verfügt über einen aussenliegenden Sonnenschutz. Das Tragwerk ist solide und gut umsetzbar: Es besteht aus Holzlehmdecken, die mit Wandscheiben ausgesteift sind.

Innere Verdichtung

Der Beitrag des Teams um Marques Architekten, die auch bei diesem Studienauftrag teilnahmen, um ihren ursprünglichen Bau zu ergänzen, und Ackermann Architekt beschränkt sich auf den bestehenden Fussabdruck und verdichtet die Schulanlage innerhalb des vorhandenen Perimeters. So entsteht ein grosszügiger Aussenraum. Der einbündige Klas­sentrakt wird im Erdgeschoss zu einer zwei­bündigen Anlage ausgebaut, indem im Erdgeschoss im Süden und im Westen eine Raumschicht angefügt wird. Zudem stockt das Team den Bau um ein Geschoss auf. Dadurch bleibt das Gebäude erstaunlich kompakt. Die Jury diagnostiziert aber «wenig Interaktion zwischen Gebäude und Aussenraum» und «funktional-pädagogische Defizite». 

Erweiterung mit Solitär

Einen anderen Ansatz verfolgt das Team von Weyell Zipse Architekten. Sie schlagen einen quadratischen, viergeschossigen Solitär im Westen vor, der sich vom Bestand räumlich absetzt und leicht abgedreht ist. Im ersten Obergeschoss verbinden sich Alt und Neu mit einer runden Passerelle, die gleichzeitig einen geschützten Eingangsbereich im Erdgeschoss schafft. Im Gegensatz zum Ansatz von Nord Architekten setzt dieses Projekt stärker auf die Gegensätze von Bestand und Erweiterung. Die Eingangssituation überzeugt in der vorliegenden Form nicht. Der Ausdruck des Neubaus wirkt im Kontext einer Primarschule fremd und erinnert eher an grössere Schulbauten.

Verbinden oder kontrastieren?

Die fünf eingegangenen Beiträge weisen eine erstaunliche Bandbreite von Lösungsansätzen auf. Neben den erwartbaren Erweiterungen, die an den Bestand andocken, gab es auch die konträre Strategie, sich mit einem Solitär vom Bestand zu distanzieren. Das Team von Marques Architekten und Ackermann Architekt versuchte, das Konzept der ursprünglichen Schule beizubehalten und zu verdichten. Nord Architekten haben aber mit ihrem Beitrag überzeugend aufgezeigt, dass sich das bestehende Konzept nicht einfach weiterstricken lässt, sondern hinterfragt und angepasst werden muss. Sie erweitern die Schulanlage mit einem sowohl horizontal wie vertikal geschickt gestaffelten Gebäude, das den Bestand überformt und neu interpretiert. Der Schwerpunkt der Schulanlage verschiebt sich. Mit dem neuen Herz der Anlage, einem mehrdeutigen Raum, der eine flexible Nutzung verspricht, werden Synergien möglich. Der Beitrag schafft aus dem Bestand und der Erweiterung ein Amalgam, das ein überzeugendes, neues Ganzes ergibt. Die einzelnen Bestandteile der Komposition sind subtil austariert und von bildhauerischer Qualität.

Erweiterung Schulhaus Hinter Gärten, Riehen
Einstufiger Studienauftrag im selektiven Verfahren für Generalplanerteams 

 

Empfehlung zur Weiterbearbeitung
Nord GmbH, Basel; Meta Landschaftsarchitektur, Basel; Pirmin Jung Schweiz AG, Frauenfeld; Perita AG, Basel; Basel Gebäudetechnik AG, Basel; Lemon Consult AG, Basel; Suter + Weidner Fassadenplanung GmbH, Biel; Bakus Bau­physik & Akustik AG, Basel; wh-p Ingenieure AG, Basel
 

Team Bienert Kintat Architekten, Zürich
PR Landschaftsarchitektur GmbH, Arbon; Seforb s. à r. l, Uster; JK Baumanagement GmbH, Elgg; Elektrowerk GmbH, Amriswil; Amstein Walthert AG, Zürich; Mühlebach Partner AG, Winterthur; Sibra AG, Winterthur
 

Team Guignard & Saner Architekten AG, Zürich
Berchtold.Lenzin Zürich GmbH, Zürich; Büro Thomas Boyle + Partner AG, Zürich; Glaser Baupartner AG, Basel; Enelco AG, Muttenz; Grünberg + Partner AG, Zürich; Bakus Baupysik und Akustik AG, Zürich; EBP Schweiz AG, Zürich; Sibra AG, Winterthur
 

Team Marques Architekten AG, Luzern / Ackermann Architekt BSA SIA AG Basel
Jacob Planung GmbH, Basel; Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Basel; Ackermann Architekt BSA SIA AG, Basel; Hefti. Hess. Marti­gnoni. St. Gallen AG, St. Gallen; Gartenmann Engineering AG, Zürich; GKP Fassaden­technik AG, Aadorf
 

Team Weyell Zipse Architekten GmbH, Basel
Atelier Loidl, Berlin (D), Lüchinger Meyer Partner, Zürich; Martini Schäfer Baumanagement, Basel; HGK Engineering AG, Pratteln; GA-Werkstatt, Aarau; Waldhauser + Hermann, Münchenstein; Eicher + Pauli, Olten; Durable Planung und Beratung, Zürich; Risam, Basel
 

Fachjury
Bertram Ernst, Architekt, Zürich (Vorsitz); Ursula Hürzeler, Architektin, Basel; Maya Scheibler, Architektin, Basel; Margrith Künzel, Landschaftsarchitektin, Binningen; Patrick Scheffler, Architekt, Abteilungsleiter Immobilien, Riehen (Ersatz)
 

Sachjury
Silvia Schweizer, Gemeinderätin, Abteilung Bildung und Familie, Riehen; Andreas Haberthür, Leiter Verwaltung Gemeindeschulen, Riehen; Ivo Berweger, Abteilungsleiter Raumentwicklung und Infrastruktur, Riehen; Martin Abel, Fachbereichsleiter Schulraum und Hauswartung, Riehen (Ersatz)

 

Auftraggeberin
Einwohnergemeinde Riehen
 

Verfahrensbetreuung
Drees & Sommer Schweiz AG Basel
 

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