Di­gi­tale Trans­for­ma­tion: Mit ein bis­schen Mut kommts gut

Die Technologien zur digitalen Transformation seien vorhanden, meinen die Akteure rund um die Strategie «Digitale Schweiz» an der nationalen Konferenz in Basel. Nun braucht es neben Rahmenbedingungen auch den Mut, diese anzuwenden.

Date de publication
10-09-2019

Die Schweiz steckt mitten in der digitalen Transformation. Nach den Worten von Luciano Floridi, Direktor des Digital Ethics Lab der Universität Oxford und Referent an der Konferenz, spielt sich unser alltägliches Leben in einer Infosphäre ab, in derwir unweigerlich von den Errungenschaften der Digitalisierung begleitet und beobachtet werden. Und genau deren sinnvolle Nutzung stellt den Bund derzeit vor verschiedene Aufgaben. Als wichtigste nannte Bundespräsident Ueli Maurer das Aufstellen von Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung, die Gewährleistung des Datenschutzes sowie die horizontale und vertikale Integration von E-Government-Leistungen.

Kurz gesagt besteht die aktuelle Herausforderung darin, neue Technologien sinnvoll zu nutzen, für jedermann zu erschliessen und zugleich rechtliche und ethische Spielregeln aufzustellen. In verschiedenen Referaten und Paneldiskussionen kam zum Ausdruck, dass gegenwärtig private Unternehmen mithilfe digitaler Technologien grossen Einfluss auf die Zivilgesellschaft ausüben. Bundesrätin Simonetta Sommaruga erläuterte dies am Beispiel der Push-Medien: Was grosse Internetkonzerne nicht interessiert, findet vermeintlich nicht statt. Eine Verengung der Wahrnehmung durch Algorithmen – mittlerweile eine Tatsache, die den Bund zum Handeln verpflichtet. Etwas entspannter sah das die junge Generation der «Digital Natives», die in einem eigenen Block zu Wort kam. Mehr als das Hinterfragen der digitalen Transformation liegt ihr ein transparenter Umgang mit Daten und eine Förderung der digitalen Kompetenzen ohne gleichzeitigen Verlust der sozialen Fähigkeiten am Herzen.

Im Rahmenprogramm der Veranstaltung trafen sich ausserdem Vertreter der Baubranche zu einer Konferenz. Unter der Leitung von Michel Bohren (CRB) und Peter Scherer (Institut Digitales Bauen, FHNW) diskutierten Peter Richner (Empa), Marloes Fischer (Madaster Schweiz) und Steffen Lemmerzahl (SLIK Architekten) über die Chancen der Digitalisierung zur Bewahrung der Schweizer Baukultur bei gleichzeitiger Produktivitätssteigerung. Freilich reichte das halbstündige Zeitfenster nicht aus, um dieses Thema umfassend zu besprechen.

Die Diskussionsteilnehmer kamen dennoch zum Schluss, dass die Digitalisierung punkto Qualitäts- und Produktivitätssteigerung grosse Chancen biete und letztlich auch einen positiven Einfluss auf die Baukultur haben könne. Um die digitalen Möglichkeiten vollends auszuschöpfen, brauche es aber jetzt ein Umdenken und Mitwirken der gesamten Branche – Steffen Lemmerzahl verglich dies mit einem lang notwendigen Frühjahrsputz. Wie bei jeder Innovation müsse man mithilfe der Digitalisierung mehrwertige Produkte schaffen, die mit konventionellen Methoden nicht erreichbar sind, so Peter Richner. Einen derartigen Ansatz verfolgt etwa Marloes Fischer mit der Plattform Madaster, die mit einer Bibliothek an gebäudebezogenen Informationen die Kreislaufwirtschaft im Immobilienbereich vorantreibt (vgl. «Taktiken des Umdenkens»). 

Daneben trafen sich Vertreterinnen kantonaler Behörden und der Organisation E-Government Schweiz zum Gespräch über den digitalen Wandel in der Verwaltung. Wie sich zeigte, wurden in den Kantonen und Gemeinden bereits zahlreiche Digitalisierungsprojekte umgesetzt. Die Koordination und Harmonisierung zwischen den einzelnen Verwaltungsebenen sei aber noch nicht zufriedenstellendund bedürfe noch einiger Arbeit. Dies betreffe insbesondere die Datendurchgängigkeit und die Vereinheitlichung von Basisdiensten. Zumindest biete das föderalistische System der Schweiz aber gute Voraussetzungen, diese Herausforderungen zu meistern, indem Behörden gegenseitig von bereits gemachten Erfahrungen profitieren können.

Wie die anschliessende Paneldiskussion verdeutlichte, hängt die digitale Transformation jedoch nicht nur vom Vermögen der Verwaltung bei der Entwicklung und Koordination ihrer Kompetenzen ab, sondern auch von Datenschutzaspekten und der digitalen Mündigkeit jedes Einzelnen. Am Beispiel von E-Voting wurde erläutert, dass die technischen Möglichkeiten zur Umsetzung zwar durchaus existieren, an den Endgeräten der Nutzer aber grosse Sicherheitsrisiken bestehen, die sich der Einflussnahme der Verwaltung entziehen. Dabei wurde offensichtlich: Der Weg in die digitale Zukunft braucht an erster Stelle Mut – Mut, um solche Systeme zu testen, allfällige Risiken zu verkraften und aus den gewonnenen Erfahrungen zu lernen.