«Wir wol­len mit gu­ten Bei­spie­len in­spi­rie­ren»

Im vergangenen Sommer lancierte der Schweizerische Ingenieur- und ­Architektenverein den Prix SIA. Seither ist viel passiert.

Publikationsdatum
21-02-2024

Der SIA-Vizepräsident und Gebäudetechnikingenieur Marco Waldhauser ist eines von neun Jurymitgliedern des Prix SIA und berichtet von seinen Erfahrungen in dieser Rolle.

«Gute Projekte zeigen, darüber reden und damit Planerinnen und Planer motivieren und inspirieren: Darum geht es beim Prix SIA. Unsere Mitglieder leisten mit ihrer täglichen Arbeit einen wertvollen Beitrag an einen nachhaltig gestalteten Lebensraum. Die Delegiertenversammlung hat den Verein beauftragt, diese Leistung mit einer neuen Auszeichnung zu würdigen. Der Prix SIA ist ein neues, einzigartiges Format und hat daher für uns auch den Charakter eines Experiments. Umso mehr freut es mich, dass er nach einer intensiven Vorbereitung so gut gestartet ist.

Der SIA steht wie kein anderer Verein in der Bau- und Planungsbranche für Interdisziplinarität. Darauf basiert auch der Prix SIA, der aktuelle, exemplarische Beiträge aus dem Schaffensbereich der Schweizer Bau-, Technik- und Umwelt-Fachleute auszeichnet. Wir haben innovative Werke, Produkte, Instrumente sowie Prozesse gesucht und erfreulicherweise schon bei dieser ersten Ausschreibung 169 Projekte erhalten. Zum ersten Mal überhaupt werden die Eingaben für einen Preis mit dem «Davos Qualitätssystem für Bau­kultur» beurteilt. Das System mit seinen acht Kriterien lässt bei der Beurteilung einen grossen Spielraum zu. Das ist für unsere Arbeit in der Jury wichtig, denn schliesslich werden ganz unterschiedliche Projekte miteinander verglichen.

Entsprechend anspruchsvoll waren zuweilen die Diskussionen während der Jurierung. Aber ich war positiv überrascht, wie gut alles funktionierte. Wir schauten zunächst in drei Arbeitsgruppen sämtliche Projekte einzeln an und legten unser Augenmerk auf diejenigen, die uns begeisterten: Wer hat mit neuartigen Prozessen gearbeitet? Wo wurde etwas gewagt? Wie innovativ ist ein Projekt? Wie stark spürt man die Interdisziplinarität? Bei vielen Eingaben war der Wille der Verfasserinnen und Verfasser spürbar, Ausserordentliches zu leisten. Das hat mich beeindruckt. Beispielsweise, wenn klar erkennbar war, dass sich die Teammit­glieder in einem frühen Dialog gegenseitig und interdisziplinär inspiriert haben und so gemeinsam Lösungen entwickelt wurden. Denn das gewagteste Klimakonzept bringt nichts, wenn es nachträglich über das Projekt gestülpt wird.

Nach der ersten Beurteilung schloss die Jury rund zwei Drittel der Projekte aus. Die übrigen Projekte wurden mit den Kriterien des «Davos Qualitätssystem» genauer betrachtet. Wir stellten Quervergleiche an und fragten uns anhand der acht Kriterien beispielsweise: Wie wurde der Kontext berücksichtigt? Wie die Wirtschaftlichkeit? Kaum ein Projekt kann bei jedem Kriterium hoch punkten. Aber das ist auch nicht relevant. Viel wichtiger ist, dass die Verfasser die Herausforderung annahmen, wenn ein Projekt das Potenzial zu einem innovativen Beitrag aufwies.

An den besten Projekten haben zahlreiche Köpfe aus unterschiedlichen Disziplinen zusammengearbeitet. Ich bin der festen Überzeugung, dass bei den heutigen komplexen Aufgaben nur auf diese Weise gute Lösungen ent­stehen. Nun bin ich gespannt auf die öffentlichen Diskussionen an den Prix SIA Talks und darauf, wer das Rennen beim Voting des Publikumspreises macht. Und ganz besonders freue ich mich natürlich auf die Preisverleihung im Mai.»