Rem Kool­haas’ Traum vom Bau­en in der Schweiz

Das erste und einzige architektonische Werk von OMA in der Schweiz wird diesen Sommer der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist Teil eines Kunstlabors auf dem Furkapass.

Publikationsdatum
13-08-2019

Mit dem Umbau und der Erweiterung des Hotels Furkablick im Kanton Uri erhielt Rem Koolhaas 1989 seinen ersten Auftrag in der Schweiz. Der Abschluss der Bauarbeiten erfolgte 1992, kurz vor der Hundertjahrfeier des 1893 eingeweihten Hotelbaus. Seither hat der niederländische Architekt in der Schweiz keine architektonischen Spuren mehr hinterlassen.

Trotz der Teilnahme an einer Reihe national bedeutender Wettbewerbe wie dem Flughafen Zürich (1995), dem Learning Center der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (2004), der Erweiterung des Kunstmuseums in Basel (2009) oder erst kürzlich der Cité de la Musique in Genf (2018) gelang es ihm und seinem Büro OMA nicht, die Schweizer Architektur weiter mitzuprägen. Die Schweiz scheint an seiner unkonventionellen Ästhetik keinen Gefallen zu finden.

Diese Misserfolge messen dem Projekt des Hotels Furkablick und seinem Auftraggeber, dem Neuenburger Galeristen Marc Hostettler, eine umso grössere Bedeutung bei. Von 1978 bis 2004 im Besitz des Hotelbaus, lancierte der Visionär 1983 das Projekt FURKART, eine in Europa einzigartige Kunstperformance. Rund um das Hotel Furkablick beheimatete das auf über 2300 m gelegene Kunstlabor bis zu seiner Schliessung 1999 mehr als 60 Kunstinstallationen.

Koolhaas wurde mit der Erweiterung und der Umgestaltung des alpinen Bauwerks beauftragt und ergriff die Gelegenheit, die Widersprüchlichkeit zwischen Programm und Kontext des Projekts hervorzuheben – eines seiner liebsten Postulate. Entstanden ist ein Gebäude, das Wanderer und angesehene Künstler gleichermassen anspricht.

Um dieses Paradox in Architektur zu verwandeln, versah er das Gebäude mit einem neuen, futuristisch anmutenden Eingang und einer schlichten, funktionalen Terrasse. Die zwei absichtlich disharmonischen Elemente unterstreichen den exzentrischen Charakter des Kunstprojekts. Bei seiner bis heute einzigen Intervention in der Schweiz begrenzte er sich zudem auf einen möglichst reversiblen Eingriff, der rückgängig gemacht werden kann, ohne Spuren zu hinterlassen.

Koolhaas‘ architektonische Fussabdrücke hierzulande sind geringfügig, und doch haben mehrere Reisen durch die Schweiz seine jüngsten theoretischen Reflexionen über den ländlichen Raum beeinflusst. Die Ausstellung «Countryside» im Guggenheim-Museum in New York geht diesen ab Februar 2020 nach. 

In der Zwischenzeit bietet das Haus für Kunst Uri in Altdorf mit der temporären Wiedereröffnung des Furkablicks diesen Sommer die Gelegenheit, Koolhaas’ eigenständige Interpretation der Urner Landschaft zu entdeckenund damit die ersten Schritte des Leiters von OMA, kurz vor seinem internationalen Durchbruch mit der Rotterdamer Kunsthal (1992), nachzuvollziehen. Wie das Furkablick bewegt sich auch dieserAusstellungsraum zwischen Kunstinstallation und Baukunst.

Führungen im Furkablick

Das Hotel Furkablick öffnet ausnahmsweise seine Tore für Führungen am 1. und 29. September 2019 um 11 Uhr in Anwesenheit des Architekten Janis Osolin. Die Besichtigungen werden vom Haus für Kunst Uri im Rahmen der Ausstellung «FURKA – Kunst auf dem Pass ab 1983» organisiert und präsentieren das Projekt FURKART und die seit 1983 realisierten Kunstinstallationen rund um das Hotel Furkablick. Weitere Infos: www.hausfuerkunsturi.ch

 

Publikation


Thomas Rodriguez, Furkart ephemera. Captures éditions, 2019. Dreisprachige Ausgabe (Deutsch/Englisch/Französisch), 23.5 x 31.7 cm, broschiert, mit offener Fadenheftung und Umschlag, 312 Seiten, farbig illustriert.


Die Publikation beinhaltet Kommunikationsmaterialien des temporären Kunstlabors auf dem Furkapass, das während den Sommermonaten 1983 bis 1996 geöffnet war. Die von Marc Hostettler, Galerist und Gründer der FURKART, herausgegebenen Ephemera wurden im Originalmassstab reproduziert und bilden dieses einzigartige Projekt chronologisch ab.

 

 

 

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