Hoff­nung als Pro­gramm

Als die Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm 1968 ihre Türen schloss, endete nicht nur das Kapitel einer der einflussreichsten Gestaltungshochschulen des 20. Jahrhunderts, sondern auch eine architektonische Vision, die weit über ihre Lehrpläne hinauswirkte. Die Publikation «Programmed for hope» widmet sich ihrem Erbe.

Publikationsdatum
21-01-2026

Die Hochschule für Gestaltung in Ulm wurde 1953 von Inge Scholl, Otl Aicher und Max Bill als Nachfolgerin des Bauhauses gegründet. «Von der Kaffeetasse bis zur Wohnsiedlung», umriss Gründungsdirektor Max Bill die Aufgaben der neuen Hochschule. Nach der NS-Zeit hatte sie einen klaren Auftrag: eine junge, selbstbewusste Generation auszubilden, die sich nicht von Ideologien beeinflussen lässt. So verkörpert bereits der von Max Bill entworfene Campus funktionale Klarheit und den Anspruch, Gestaltung als gesellschaftliche Aufgabe zu denken. 

Der Schwerpunkt der Ausbildung lag auf der Gestaltung. Sie gliederte sich in die einjährige Grundlehre und die dreijährige Spezialausbildung in Produktgestaltung, visuelle Kommunikation, Bauen, Information oder Film. Die Designgeschichte des 20. Jahrhunderts ist ohne die HfG Ulm nicht denkbar: In den wenigen Jahren ihres Bestehens 1953 – 1968 wurden dort bis heute gültige Grundlagen für die Ausbildung von Industriegestaltenden erarbeitet. 

Nach Max Bills Vorstellung sollte die Architekturabteilung die grösste und wichtigste der HfG werden. Unter Konrad Wachsmann und Herbert Ohl entwickelte sie sich ab 1955  zur Impulsgeberin des «Industrialisierten Bauens». Gemeinsam mit der Bauindustrie wurden zukunftsweisende Konzepte für das Bauen in einer technisierten Welt erarbeitet. Architekturschaffende wie Richard Buckminster Fuller, Frei Otto und Yona Friedman prägten das Lehrprogramm ebenso wie führende Köpfe aus den Geistes-, Natur- und Ingenieurwissenschaften. 

Neben künstlerisch-gestalterischen Fähigkeiten lernten die Architekturstudierenden Disziplinen wie Kybernetik, mathematische Operationsanalyse und Wissenschaftstheorie. Kritisches Denken, Experimentierfreude und Freigeistigkeit kamen zusammen, um Architektur gleichsam als «programmierte Hoffnung» wissenschaftlich, interdisziplinär und sozial verantwortlich zu entwickeln. 

Das Buch «Programmed for Hope» stellt erstmals die wegweisende Architekturlehre an der HfG in den Fokus. Vorgestellt werden architektonische Experimente anhand von teils noch nie gezeigten Modellen, Originalplänen, Zeichnungen und Fotografien aus 
dem Bestand des HfG-Archivs. 

Viele sind ihrer Zeit voraus, wie halbautomatisierte Shopping-­Malls, Kuppelkinos oder serielle Stabwerk­konstruktionen. Die legendäre Hochschule, so nimmt man staunend zur Kenntnis, war ein visionäres Labor.

PROGRAMMED FOR HOPE

Architectural Experimentation at the HfG Ulm Building Department.
Herausgegeben von Chris Dähne, Helge Svenshon, Martin Mäntele, AV Edition, Stuttgart 2025, 368 Seiten, ISBN 978-3-89986-431-1

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