Pe­ter Zum­t­hor: Kon­trol­le und Ma­gie

Editorial TEC21 20/2019

Publikationsdatum
16-05-2019

Die Frage der Zeit, des Alterns ist eines der grossen Themen im Werk Peter Zumthors. Als wir uns das an­lässlich der Ehrung durch den Verband Schweizer Innenarchitekten (VSI.ASAI.) nochmals vor Augen führten, hat uns verblüfft, wie alt viele der Bauten sind. Das erste Bad in der Therme Vals während des Architektur­studiums ist in ­bester Erinnerung. Die Feldkapelle Bruder Klaus, gefühlt eines der jüngeren Bauwerke, entstand bereits zwischen 2001 und 2007.

Neugierig, ob der Anspruch an Material und Ausführung, die der Architekt kompromisslos einfordert, langfristig gerechtfertigt ist, haben wir uns erneut auf eine Reise begeben, um den heutigen Zustand der Bauten unter die Lupe zu nehmen. Fast hätten wir unser Vorhaben vergessen, als wir mit der Bademeisterin im Morgengrauen durch die Therme wandelten. Und der Rundgang zwischen den Häuten des Kunsthaus Bregenz hat uns die Augen für die Schönheit feinster Spuren geöffnet – so zart, dass sie theoretisch nicht der Rede wert wären.

Anschliessend sprachen wir mit Peter Zumthor in seinem Wohnhaus über seine Sicht aufs Altern in der Architektur. Dazu ein Satz von Max Frisch aus «Stiller», der uns Menschen widerspiegelt, aber auch auf Zumthors Bauten passt: «Für jedes Lebensalter, ausgenommen das kindliche, bedeutet die Zeit ein gelindes Entsetzen, und doch wäre jedes Lebensalter schön, je weniger wir verleugnen oder verträumen, was ihm zukommt, denn auch der Tod, der uns einmal zukommt, lässt sich ja nicht verleugnen, nicht verträumen, nicht aufschieben.»

Die Zeit hat den Zauber der Gebäude verändert. Heute ist er mancherorts sogar intensiver zu spüren als zuvor.

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