Kon­junk­tu­rel­le La­ge im Pla­nungs­sek­tor ge­trübt

KOF-Quartalsbericht 02/2024

Die Resultate der KOF-Konjunkturumfrage vom April 2024 geben kaum Anlass zur Freude. Der Planungssektor, oft sicherer Wert in dem konjunkturellen Auf und Ab der Schweizer Privatwirtschaft, kommt erstmals seit langem wieder unter Druck.

Publikationsdatum
16-05-2024

Für den eher robusten Planungssektor sind die jüngsten Ergebnisse der KOF-Konjunkturumfragen vom April 2024 unüblich, denn sie zeigen einen leichten Gegenwind bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage. Noch gibt es aber keinen Grund zur Sorge, weil der aktuelle Wert auf dem langjährigen Mittel der Zeitreihe zu liegen kommt. 

Die Entwicklung der Nachfrage und der erbrachten Leistung in den vergangenen drei Monaten bergen keine Überraschung, die befragten Planungsbüros schätzen sie etwa gleich ein wie zu Jahresbeginn. Während sich die Ertragslage im Planungssektor seit dem ersten Quartal 2024 sogar verbessert hat, sind die Auftragsbestände der Büros in der Zwischenzeit allerdings deutlich gesunken. Damit einher geht ein Rückgang in der Bausumme aller neu abgeschlossenen Verträge. Wenig erfreulich ist, dass dieses Volumen seit Anfang 2023 kontinuierlich abnimmt. 

Der Ausblick in die kommenden Monate ist demensprechend mau: Die Erwartungen für die anstehenden Monate revidieren die Planungsbüros seit Anfang des Jahres kaum: Nach wie vor erwarten 13% der Büros eine Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten und 5% eine Verschlechterung. Der überwiegende Teil, 82%, rechnet mit einer gleichbleibenden Geschäftslage. 

Bei der Entwicklung der Nachfrage in den nächsten drei Monaten bleiben die Büros verhalten optimistisch – ebenso für die zu erbringenden Leistungen. Auch die erwartete Ertragslageentwicklung wird nun verhaltener eingeschätzt als zu Jahresbeginn. Die Preiserwartungen verharren auf dem Niveau von Januar 2024. Im April rechnen 14% der Büros mit steigenden, 80% mit gleichbleibenden und 6% mit sinkenden Preisen.

Architekturbüros verzeichnen eine Minderung der Auftragsbestände

Die Einschätzung der Architekturbüros bezüglich der gegenwärtigen Geschäftslage und der Entwicklung der Nachfrage hat sich in den vergangenen drei Monaten nicht verändert. Gleichzeitig zeichnet sich aber eine deutliche Minderung der Auftragsbestände ab. Positiv in der Symphonie der schlechten Nachrichten ist jedoch die Beurteilung der Ertragslageentwicklung in den vergangenen drei Monaten, denn diese hat sich seit dem ersten Quartal deutlich aufgehellt. 

Die Geschäftslageerwartung für die nächsten sechs Monate revidieren die Architekturbüros im Vergleich zum Jahresanfang nicht. Allerdings werden sie zuversichtlicher mit Blick auf die Entwicklung der Nachfrage und der zur erbringenden Leistung. Der Anteil von Büros, der die ungenügende Nachfrage als Leistungshemmnis nennt, sinkt von 28% im Januar auf 25% im April. Demgegenüber steigt der Anteil der Büros, der den Arbeitskräftemangel – ebenfalls ein Leistungshemmnis – beklagt um 3 Prozentpunkte auf 47%.

Ingenieurbüros beurteilen die gegenwärtige Geschäftslage verhalten

Auch die Ingenieurbüros sind in der jüngsten Umfrage nicht zum Frohlocken aufgelegt. Ebenso wie bei den Architekturbüros fallen die Resultate in den einzelnen Bewertungsbereichen eher negativ bis neutral aus: So zeigen sie sich beispielsweise in ihrer Beurteilung der gegenwärtigen Geschäftslage verhaltener als noch Anfang 2024. Dennoch bewegt sich die Beurteilung nach wie vor auf einem eher hohen Niveau. Die Einschätzung der Nachfrageentwicklung in den vergangenen drei Monaten bleibt unverändert, während die Auftragsbestände im Vergleich zum Januar abgenommen haben. 

Bei der Bausumme aus neu abgeschlossenen Verträgen setzt sich der seit Anfang 2023 feststellbare Rückgang auch im zweiten Quartal 2024 fort. Auch die Beschäftigtenzahl bewegt sich nicht vom Fleck – sie ist immer noch deutlich zu tief. Das Urteil darüber ist immerhin weniger trüb als zu Jahresbeginn: Die Büros rechnen gar vermehrt mit einem Beschäftigungsausbau in den nächsten drei Monaten. 

Im Hinblick auf die Geschäftslageentwicklung in den kommenden sechs Monaten haben die Ingenieurbüros die Erwartungen leicht nach oben revidiert. Die Erwartungen für die Entwicklung der Nachfrage, der zur erbringenden Leistung, der Ertragslage und der Preise in den nächsten drei Monaten bewegen sich dagegen nur wenig. 

Geschäftslageindikator weist im April nach oben

Die aktuellen Ergebnisse der KOF-Umfrage im Planungssektor sind untypisch. Normalerweise ist dieser Sektor besonders robust, selbst dann, wenn andere schwächeln. Aber im zweiten Quartal hat sich das Blatt gewendet: Der KOF-Geschäftslageindikator für die Schweizer Privatwirtschaft, der aus den einzelnen KOF-Konjunkturumfragen berechnet wird, verbessert sich nämlich im April leicht ohne das Zutun des Planungssektors. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe gibt es eine Entspannung. Zudem bessert sich die Geschäftslage bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern. Auch der Detailhandel punktet – und das bereits zum dritten Mal in Folge. Eine Aufhellung melden auch die Unternehmen im Bereich Übrige Dienstleistungen. Nur die Sektoren Gastgewerbe und Grosshandel haben ebenfalls zu kämpfen. 

Die Besserung im Detailhandel, im Verarbeitenden Gewerbe und in der Konsumgüterproduktion sowie die zwar abgeschwächte, aber insgesamt gute Geschäftslage im Gastgewerbe deuteten darauf hin, dass vom privaten Konsum Impulse für die Schweizer Konjunktur ausgehen könnten, interpretiert die KOF diese Resultate in ihrer Medienmitteilung von Anfang Mai 2024. Damit erklärt sich der schwächelnde Planungssektor, der nicht vom privaten Konsum profitiert.

Laut der Medienmitteilung vom 26. März zur Konjunkturprognose 2024 prognostiziert die KOF aber eine wahrscheinliche Erholung der Bauinvestitionen im nächsten Jahr, gestützt auf anstehende grössere Projekte im Tiefbau und in der öffentlichen Infrastruktur. Damit ist immerhin ein Silberstreifen am Horizont in Sicht.

Der Rohtext dieses Artikels stammt von der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) und wird mit persönlichen Gedanken zum wirtschaftlichen Geschehen ergänzt von Susanne Schnell, Fachspezialistin Kommunikation/Themenmanagerin beim SIA; susanne.schnell [at] sia.ch (susanne[dot]schnell[at]sia[dot]ch)

 

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