Kas­ten­bad für lan­ge Som­mer

Projektwettbewerb Strandbad Bruggerhorn, St. Margrethen

In der Bodenseegemeinde St. Margrethen soll das Infrastrukturgebäude des Strandbads Bruggerhorn aus Altersgründen ersetzt werden. Baumgartner Bär Architekten präsentieren mit einer Hoftypologie einen stimmungsvollen Entwurf, der sowohl wirtschaftlich als auch räumlich überzeugt.

Publikationsdatum
26-02-2020

Das Strandbad Bruggerhorn in St. Margrethen liegt wie ein inselartiges Idyll zwischen Autobahn A13 und Rheinkanal. Gleich nordöstlich davon verläuft auf einem Damm durch den Naturbadesee die Landesgrenze zu Österreich. Auch bei Campern ist der Ort beliebt: Am Ufer neben der Liegewiese verbringen sie in ihrem kleinen Dorf aus Campingwagen die warme Jahreszeit. Gemeinsam nutzen sie und die Badegäste das in die Jahre gekommene Servicegebäude.

Wie eine Machbarkeitsstudie zeigte, lassen sich die heutigen Ansprüche an eine solche Einrichtung mit einem Neubau auf längere Sicht besser erfüllen. Um eine ortsbaulich prägnante, zeitgemässe und betrieblich effiziente Lösung für die Situation zu finden, lobte die Gemeinde Anfang 2019 einen offenen Projektwettbewerb aus. Da seit Monaten kein offenes Verfahren mehr ausgeschrieben worden war, stiess die kleine Aufgabe mit 250 Anmeldungen auf enormes Interesse – gar von einem Ansturm war in den Medien die Rede. Abgegeben wurden dann doch «nur» 143 Projekte – eine Anzahl, die die Organisatoren für die Jurierung als anspruchsvoll, aber ergiebig bezeichneten.

Adaptiertes Kastenbad

Die zahlreich eingereichten Projekte und deren ortsbauliche wie formale Vielfalt liess auch Lösungswege erwarten, die nicht auf den ersten Blick selbstverständlich wirkten. Mit einer ebenerdigen Hoffigur am Rand der Liegewiese belegte ein Projekt den ersten Rang, das sich zunächst ungewohnt stark auf sich selbst bezieht. Baumgartner Bär Architekten vereinen alle geforderten Nutzungen unter der ruhig durchlaufenden Trauflinie eines rechteckigen Baukörpers. Zweckmässig und strukturtreu organisieren sie den Grundriss in einem Wechsel aus Innenräumen und überdeckten Bereichen zum länglichen Hof. Der durchgehende Rhythmus der zangenstützigen Holzkonstruktion erinnert an die Arkadengänge historischer Kastenbäder und lädt die Sommergäste auf Bänken zum Verweilen ein. Erst die klare Hierarchie der Raumschichten und die Differenzierung von Durchlässigkeiten schafft eine bewusste räumliche Verbindung zwischen der Liegeweise und dem Hof, regelt aber auch die Abläufe in den funktionsdichten Bereichen des Restaurants und des Campings.

Auch das drittrangierte Projekt von Horisberger Wagen Architekten und der filigran offen wirkende fünfte Rang von Haertsch Hofmann Architekten thematisieren den Innenhof als adäquate Organisationsform für eine Badi am Bruggerhorn. Die Balance aus Wirtschaftlichkeit, räumlicher Qualität und straffer Grundrissorganisation wussten diese beiden Projekte aus Sicht der Jury jedoch weniger überzeugend einzulösen.

Wirtschaftlich in Holz

Studiert man die acht prämierten Projekte, möchte man fast meinen, es habe sich um einen Holzbauwettbewerb gehandelt. Einzig der siebte Platz von Furrer Jud Architekten wählt für seine differenzierte volumetrische Setzung eine Holz-Beton-Mischbauweise. Es wird deutlich, dass sich im Holzskelettbau strukturell betonte, nachhaltige und stimmungsvolle Bauten schaffen lassen – aber auch Projekte, die aus ihrer betonten Zweckmässigkeit keinen Hehl machen, bestimmen das Feld.

Am deutlichsten zeigt das der zweitplatzierte Entwurf von Andy Senn: Der Vorschlag folgt der bestehenden, winkelartigen Gebäudefigur und wird von der Jury als unprätentiöses Projekt gelobt, das wirtschaftlich in den Abläufen, der Erstellung und im Unterhalt sei. Die Ökonomie mag aber nicht über seinen Ausdruck als Strandbad hinwegzutäuschen, der in der dargebotenen Ausarbeitung die Lust an einem langen Badisommer nicht zu vermitteln mag.

Dass ein rationeller Holzbau nicht nur Effizienz verspricht, sondern für diese Bauaufgabe auch eine Architektursprache glaubhaft vermitteln kann, bezeugt das Projekt von kit Architekten, das mit einem einfachen zweigeschossigen, doch räumlich und konstruktiv klar ausdifferenzierten Baukörper den vierten Rang belegt.

Orte für den Sommer schaffen

Wenn das Strandbad mehr als ein Servicegebäude sein soll, ist die Qualität der Aufenthaltsorte entscheidend. Wo, wenn nicht in der Badi, wirken die räumlichen Gegebenheiten von Landschaft und Bauwerk unmittelbar auf das Wohlbefinden der Gäste? Das zur Weiterbearbeitung empfohlene Projekt der jungen Architektinnen Nicole Baumgartner und Michèle Bär nimmt dazu dezent, doch auf ansprechende Art Stellung. Wenn die Jury dem Entwurf attestiert, «im Inneren der Anlage entsteht viel Identität und Geborgenheit», klingt das glaubhaft. Einzig der Hof, die Mitte des Bauwerks, lässt noch Fragen offen: Im Gegensatz zum historischen Kastenbad ist der Hof hier weder Liege- noch Wasserfläche. Ein Teil davon dient als Restaurantterrasse – doch welche Qualitäten schafft der übrige Raum? Ob er sich in seiner Eigenständigkeit behaupten wird oder sich stärker zur Liegewiese öffnen sollte, wie von der Jury vorgeschlagen, wird die Ausarbeitung zeigen.

Weitere Visualisierungen und Pläne zu diesem Wettbewerb finden sich auf competitions.espazium.ch

 

Auszeichnungen

1. Rang «Arché»
Baumgartner Bär, Architekten, Zürich; Hoffmann & Müller Landschaftsarchitektur, Zürich; Caprez Bauingenieure, Zürich; Frei Holzbau, Kriessern; Buob Küchenmöbel, Tübach SG
2. Rang «Ligretto»
Andy Senn Architekt, St. Gallen;

3. Rang «Das Paradies ist nebenan»
ARGE horisberger wagen architekten / stehrenbergerarchitektur, Zürich; Sabine Kaufmann Landschaftsarchitektin, Zürich
4. Rang «Pez»
kit | architects, Zürich; 3-Plan Haustechnik, Winterthur; Josef Kolb, Romanshorn; PR Landschaftsarchitektur, Arbon; Planbar, Zürich
5. Rang «Pistacchio»
Corina Haertsch und Pascal Hofmann Architekten, Zürich
6. Rang «Sajama»
Ventiraarchitekten, Diepoldsau SG
7. Rang «Lotte»
Furrer Jud Architekten, Zürich; ERR Raumplaner, St. Gallen; tragstatur Bauingenieure, Ermatingen TG
8. Rang «Due Tre»
Kollektiv Nocturne, Hünenberg See; Pascal Bernhard

Fachjury

Hubert Bischoff, Architekt, Wolfhalden; Michael Meier, Architekt, Zürich; Rita Mettler, Landschaftsarchitektin, Gossau SG / Berlin; Armin Meier (Ersatz), Raumplaner, St. Gallen

Sachjury

Claudio Pallecchi, Bauverwalter St. Margrethen; Bruno Zoller, Gemeinderat, Präsident Strandbadkommission

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