Er­war­tun­gen der Pla­nungs­bü­ros hel­len sich im drit­ten Quar­tal auf

Laut der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) konsumieren die Schweizerinnen und Schweizer mehr als vor der Covid-19-Pandemie. Auch die Planungsbüros schätzen ihre Lage wieder optimistischer ein. War der prognostizierte schwere Wirtschaftseinbruch viel Lärm um nichts?

Publikationsdatum
19-08-2020

Das KOF-Konjunkturbarometer ist im Juli 2020 – zum zweiten Mal in Folge – wieder gestiegen. Das sei der stärkste monatliche Anstieg, der je gemessen wurde, schreibt die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) in ihrer Medienmitteilung vom 30. Juli 2020. Und die «Sonntagszeitung» titelt in ihrer Ausgabe vom 2. August 2020: «Schweizer geben das Geld mit vollen Händen aus». Auch die Planungsbüros zeigen sich gemäss den Ergebnissen der Juli-Konjunkturumfrage der KOF bei einigen Punkten wieder optimistisch hinsichtlich der konjunkturellen Lage, bei anderen jedoch bleiben sie pessimistisch.

Silberstreifen am Horizont

Das sind gute Nachrichten: Fast die Hälfte der befragten Planungsbüro – nämlich rund 45% – beurteilen ihre Geschäftslage als gut, rund 46% als befriedigend und rund 8% als schlecht. Leider harzt es jedoch bei den Aufträgen: 40% der Umfrageteilnehmenden beklagen eine ungenügende Nachfrage – im April waren es noch nur rund 32%. Die Erwartungen für die nächsten sechs Monate hellen sich hingegen im Vergleich zum April 2020 deutlich auf: 12% der Büros rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, 75% mit einer gleichbleibenden Lage und 13% mit einer Verschlechterung.

Diese Zahlen decken sich annähernd mit der Beschäftigungszahl: In den nächsten drei Monaten planen 17% der Planungsbüros eine Erhöhung der Beschäftigtenzahl, 72% nehmen keine Veränderung vor und 11% eine Verringerung. Im April 2020 haben noch 29% mit einer Abnahme der Beschäftigten gerechnet, 67% mit einer gleichbleibenden Situation und nur 4% mit einer Zunahme. Die Reichweite der Auftragsbestände dürfte von 9.9 Monaten im zweiten Quartal auf 10.2 Monate im dritten Quartal 2020 (saisonbereinigt) leicht ansteigen.

Architekturbüros geben sich optimistisch

Die Architekturbüros äussern sich optimistischer hinsichtlich der Einschätzung der konjunkturellen Lage als noch im April: 40% der Umfrageteilnehmenden beurteilen die aktuelle Geschäftslage als gut, 48% als befriedigend und nur 12% als schlecht. Auch die Erwartungen hellen sich deutlich auf. In der jüngsten Umfrage rechnen saisonbereinigt 17% der Büros mit einer Verbesserung der Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten, 68% mit einer gleichbleibenden Lage und 15% mit einer Verschlechterung.

Im April 2020 befürchteten noch 44% eine Verschlechterung, 47% erwarteten eine unveränderte Situation und nur 9% eine Verbesserung. Ebenso hat sich die Einschätzung im Juli 2020 hinsichtlich der Nachfrage und der Ertragslage für die nächsten drei Monaten wieder deutlich verbessert, nachdem sie im April 2020 stark gesunken war. Die saisonbereinigte Reichweite der Auftragsbestände steigt von 10.8 Monaten im April auf 11.1 Monate im Juli 2020 an.

Auch Ingenieurbüros blicken positiv in die Zukunft

Die Ingenieurbüros schätzen die konjunkturelle Lage in der jüngsten Umfrage ebenfalls optimistischer als bisher ein. Dabei rechnen 8% mit einer Verbesserung der Geschäftslage, 81% mit einer gleichbleibenden Situation und 11% mit einer Verschlechterung. Im April 2020 rechneten noch 45% mit einer Verschlechterung, 50% mit einer gleichbleibenden Lage und 5% mit einer Verbesserung. Die Erwartungen hinsichtlich der Nachfrage nach der Leistungserbringung und der Ertragslage in den nächsten drei Monaten hellen sich ebenfalls auf. Zudem steigt die Reichweite der Auftragsbestände von 9.2 Monaten auf 9.6 Monate (saisonbereinigt).

Nachwirkungen der Covid-19-Pandemie bleiben noch länger spürbar

Nicht nur die Planungsbüros, auch die Schweizer blicken wieder optimistischer in die Zukunft: Das beweisen die jüngsten Ergebnisse der KOF bezüglich des Kauf- und Mobilitätsverhaltens von Herrn und Frau Schweizer. Die unerwartet starke Zunahme des Privatkonsums – und damit auch eine Hilfe zum Erhalt von Arbeitsplätzen – ist ein gutes Zeichen. Ebenso positiv ist die steigende Mobilität. Denn wer mobil ist, egal ob mit den öV oder privat, konsumiert mehr.

Fast wäre man versucht, ob so vieler guter Nachrichten zu jubeln. Aber es gibt auch noch eine andere Seite: Die KITAG Kino-Theater AG, die stärkste Kinobetreiberin der Deutschschweiz, schliesst beispielsweise ihre Kinos von Montag bis Donnerstag bis auf Weiteres. GastroSuisse, der Verband für Hotellerie und Restauration in der Schweiz, beklagt in seiner Medienmitteilung vom 2. August 2020 für das Gastgewerbe in den Städten und Agglomerationen für den Monat Juli einen besonders starken Umsatzrückgang gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahrs.

Die Credit Suisse attestiert der Schweiz in ihrem August-Newsletter eine markante Konjunkturerholung, weist aber darauf hin, dass die zweite Phase der Erholung langsamer verlaufen werde: Die Konsumenten seien verunsichert und der internationale Handel sei beeinträchtigt. So sei beispielsweise in den USA bereits wieder Anzeichen einer Verlangsamung der Konjunkturerholung zu erkennen. Das lässt aufhorchen, denn eine Börsenregel lautet: «Wenn Amerika hustet, bekommt Europa die Grippe.»

So viel ist klar – Normalität klingt anders. Vielleicht könnte man die wirtschaftliche Lage mit den Worten der KOF zusammenfassen: «Die Wirtschaft hat die Talsohle durchschritten – Nachwirkungen der Corona-Krise bleiben aber noch länger zu spüren.»

Tags

Verwandte Beiträge