Be­rühm­te Bau­ten im Co­mic

Eine Geschichte um ein Traumhaus am Meer, eine rasante Erzählung über dunkle Machenschaften und ein Krimi um eine Architekturikone.

Publikationsdatum
25-09-2019

A House under the Sun

E-1027 in Roquebrune-Cap-Martin ist das Haus, durch das die Designerin und Architektin Eileen Gray bekannt wurde. «Ein Haus ist keine Maschine, um darin zu leben – ich bin ganz und gar nicht einverstanden mit diesem Konzept», sagt die Comicfigur Eileen, die Teppiche liebt. Damit erteilt die Britin Le Corbusier und der minimalistischen Moderne eine indirekte Abfuhr. Dass sie auf ihren Instinkt vertraute, bewies sie mit dem Laden in Paris, in dem sie Lackmöbel verkaufte – die Technik hatte sie bei Sugawara-San erlernt. Das Buch in englischer Sprache zeigt im Rückblick immer wieder Dramen und glückliche Momente. Während Eileen von Selbstzweifeln geplagt ist, überredet ihr Geliebter Jean sie, ihrem Talent zu vertrauen und das Haus am Meer in Südfrankreich zu bauen. Das Buch regt auch zum Schmunzeln an: In Zeitblenden auf das Jahr 1938 sieht man Le Corbusier, wie er nackt im Farbrausch jene Fresken auf den Wänden von E-1027 anbringt, die zum Zerwürfnis zwischen ihm und Eileen Gray führten.

Charlotte Malterre-Barthes, Zosia Dzierzawska (Hrsg.): Eileen Gray: A House Under the Sun. Nowbrow, London 2019. 160 Seiten, farbige Abb., 19.6 × 25.7 cm, ISBN 978-1-91062-043-4, Fr. 28.50

Salzhunger

Bekannte Architekturmonolithen und Slums sind Schauplätze um Machthunger und Korruption. Vom Zuger Uptown-Tower aus bespricht ein Mann telefonisch den dramatischen Verlauf seiner kriminellen Geschäfte mit toxischen Abfällen, die auf dem Weg nach Lagos sind. Währenddessen blickt sein Gegenüber am anderen Ende aus seinem Londoner Büro auf Norman Fosters «Gurke». Die Bilder des Buchs reissen einen spannenden Umweltthriller, um drei Aktivisten zwischen Zürich und Nigeria auf, die die illegalen Machenschaften eines Weltkonzerns aufdecken wollen. Doch als ein Slum von Bulldozern plattgewalzt wird zeigt sich, dass ein Verräter unter ihnen ist. «Gut» und «Böse» verwischen sich in gräulich-braunen Farben und eröffnen atmosphärisch und rasant eine Welt um Machtgier im kapitalistischen Dunstkreis – verbrämt mit Marketingplattitüden wie «Öl für Frieden» oder «Transparenz-Initiative». Auch dem vagen Hoffnungsschimmer am Ende des Buchs traut man nicht ganz.

Matthias Gnehm (Hrsg.): Salzhunger. Edition Moderne, Zürich 2019. 24 Seiten, farbige Abb., 23.1 × 17.3 cm, ISBN 978-3-03731-186-8, Fr. 39.80

Der Pavillon

Als die Masterstudentin Nadja Gilg das Centre Le Corbusier in Zürich, ein Spätwerk des weltberühmten Architekten, unter die Lupe nimmt, stösst sie auf Zusammenhänge, die einen mysteriösen Mord in ein völlig neues Licht rücken: Mehr als 20 Jahre früher, am 26. August 1996, wurde der Schweizer Arzt Peter Kaegi erstochen aufgefunden, an der Côte d’ Azur, in Roquebrune-­Cap-Martin, nur einen Katzensprung entfernt von Le ­Corbusiers einstigem Feriendomizil. In einer verwegenen Tour de Force illustriert der Autor die letzten Monate vor Le Corbusiers Tod, den beharrlichen Kampf der Zürcherin Heidi Weber für das Centre Le ­Corbusier sowie die Erlebnisse ­Marie-Louise Schelberts, der Nachbarin Le Corbusiers an der Côte d’ Azur.

Andreas Müller-Weiss (Hrsg.): Der Pavillon. Edition Moderne, Zürich 2019. 72 Seiten, farbige Abb., 22 × 30 cm, ISBN 978-3-03731-187-5, Fr. 35.–

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