Ar­chi­tek­tur­preis «Con­struc­tive Alps 2020» ver­lie­hen

Anfang November wurde zum fünften Mal der Architekturpreis «Constructive Alps» für nachhaltiges Sanieren und Bauen in den Alpen verliehen. Von den 328 eingereichten Beiträgen zeichnet die Jury zehn herausragende Projekte aus.

Publikationsdatum
15-11-2020

Die Jury von «Constructive Alps» hat zehn Gebäuden attestiert, den natürlichen Ressourcen und den Bautraditionen des Alpenraums besonders Sorge zu tragen. Diese Bauten zeigen gemäss Meinung der Jury exemplarisch, wie Architektur die Ansprüche an Ästhetik und Klimavernunft vereinen kann. Die ersten drei Ränge und damit die Preissumme von 50'000 Euro teilen sich eine Landwirtschaftsschule in St. Gallen, eine Montagehalle in Vorarlberg und ein Berggasthaus in Glarus. Neu konnte auch das Publikum ihren Favoriten küren.

Preisgekrönt: Schule, Werkstatt, Gasthaus

Den ersten Preis hat das Landwirtschaftliche Zentrum Salez (erstellt 2019) im Kanton St. Gallen. Der Kanton setzte zusammen mit Architekt Andy Senn neue Massstübe in Sachen Klimaeffizienz. Die Jury überzeugte das Gebäude, weil es das Prinzip «Low-Tech», eine möglichst einfache Bauweise für lange Lebensdauer, konsequent und intelligent einhält.

Der zweite Preis ging an die Montagehalle der Zimmerei und Tischlerei Kaufmann, erstellt 2017, im vorarlbergischen Reuthe. Die Halle am Rand des Bregenzerwaldes ist mit Betonstützen und einem Fachwerk aus Baubuchenholz konstruiert. Diese Konstruktion des Tragwerks ermöglichte eine flache Form der Halle und steht zugleich für höchste Holzbaukunst aus den Alpen.

Den dritten Preis vergab die Jury an das Ortstockhaus in Braunwald. Das 1931 erstellte Gasthaus des Glarner Architekten Hans Leuzinger gilt als eine Ikone der Moderne in den Alpen. Bei der Sanierung zeigten die Architekten viel Respekt vor dem denkmalgeschützten Haus. Auf 1772 Meter über Meer entstand so ein Vorbild für nachhaltigen Tourismus.

Der Publikumspreis geht nach Italien

Erstmalig gab es bei dieser Ausgabe von «Constructive Alps» einen Publikumsfavoriten. Über eine Website konnten Interessierte ihre Stimme für ihr Lieblingsprojekt abgeben. Die meisten erhielt das Kongresszentrum in Agordo (Italien) von Studio Botter und Studio Bressan. Die Holzkonstruktion greift die regionale Bautradition auf, die Konzeption bezieht sich auf die Dolomitenlandschaft, die zum Hauptthema wird.

Anerkennung für eine Instandsetzung in Bayern

Der Gugg-Hof in Brannenburg (Oberbayern) holte sich als Projekt aus Deutschland eine wohlverdiente Anerkennung. Das zweigeschossige Holzhaus wurde 1542 erbaut und war ehemals Wohnstätte der Baumeisterfamilie Dientzenhofer. Die umfassende Untersuchung des Gebäudebestands ermöglichte den weitgehenden Erhalt des Baus und war Grundlage für eine denkmalgerechte Instandsetzung auch mit energetischen Verbesserungen. Das Projekt stammt von OACHA (Architektur / Denkmalpflege / Bauforschung) in München.

Ebenfalls eine Anerkennung erhielt das neue Gemeinschaftshaus des Klosters St. Ursula in Brig (vgl. auch «Goldzwiebeln und Lärchenschindeln» in TEC21 17-18/20202)

Zehn Jahre «Constructive Alps»

 

Am 24. November 2020 soll die Ausstellung «Constructive Alps – Bauen fürs Klima» ihre Tore öffnen, die bis Ende Mai 2021 im Alpinen Museum in Bern gezeigt wird. (Aufgrund der Pandemie können diese Termine noch ändern. Besucher/innen werden gebeten, sich auf der Website des Alpinen Museums zu informieren.)

 

Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums von «Constructive Alps» stellt die Ausstellung nicht nur die nominierten und ausgezeichneten Eingaben vor, sondern wirft auch einen Blick auf herausragende Beispiele aus früheren Ausgaben. Am 9./10. Juni 2021 soll im Rahmen des Vorsitzes der Schweiz bei der Alpenkonvention zudem eine Konferenz zu nachhaltigem Sanieren und Bauen in St. Gallen stattfinden.

Vorsitz der Alpenkonvention 2021/22 durch die Schweiz

 

«Constructive Alps 2020» ist ein Beitrag der Schweiz und Liechtensteins zur Umsetzung der Alpenkonvention und deren Klimaaktionsplan. Die Alpenkonvention ist weltweit das erste völkerrechtlich verbindliche Übereinkommen für die nachhaltige Entwicklung einer Bergregion.

 

Die acht Alpenstaaten und die Europäische Union haben gemeinsam einen Klimaaktionsplan verabschiedet, durch dessen Umsetzung die Alpen zur Modellregion für Klimaschutz und -anpassung werden sollen. Die Schweiz hat für die Jahre 2021 und 2022 den Vorsitz der Alpenkonvention übernommen. Während des Vorsitzes werden die Themen Klima, nachhaltige Mobilität, die Politik der Verkehrsverlagerung und Alpenstädte in den Vordergrund gerückt und die Zusammenarbeit im Alpenraum verstärkt.

 

www.constructivealps.net

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