Wi­der Wil­len für gut be­fun­den

Amphithéâtre romain de Nyon (VD)

Kurzfassung des Artikels von Cedric van der Poel für die Publikation «Baukultur: Qualität und Kritik».

Publikationsdatum
03-03-2022

Intelligent und sinnvoll eingesetzt, können neue Technologien verblüffend effiziente Instrumente für die Baukultur liefern. Sie können insbesondere die Entwicklung einer gemeinsamen Sprache für Experten und Laien sowie einen partizipativen und demokratischen Umgang mit dem urbanen Raum fördern.

Das haben die Stadt Nyon und das Genfer Büro TYPICALOFFICE mit einem Experiment bewiesen, mit dem sie ein seit über 20 Jahren festgefahrenes Projekt wiederbeleben wollten: die Aufwertung der 1996 ausgegrabenen Überreste eines römischen Amphitheaters. An zwei Wochenenden luden sie die Bevölkerung von Nyon sowie Fachleute dazu ein, das Amphitheater vor Ort in drei Virtual-Reality-Simulationen räumlich zu erleben. Die erste Simulation war eine wissenschaftliche Rekonstruktion des Amphitheaters zur Zeit der Römer, die zweite eine Visualisierung des nie umgesetzten Siegerprojekts aus einem 2002 durchgeführten Wettbewerb und die dritte eine künstlerische Fiktion, in der Tiere und Pflanzen den Ort zurückerobern.

Im Video erklärt Cedric van der Poel, weshalb das Projekt in seinen Augen für hohe Baukultur steht.

Die mittels Fragebogen und an zwei ganztägigen Workshops eingeholten Rückmeldungen zeigen, dass dieser Prozess über die individuellen Erfahrungen hinaus wesentliche Vorteile für die Gouvernanz des städtischen Raums und für das Projekt bietet. Während die technischen Dokumente im besten Fall einen Grossteil der Bevölkerung aus der Debatte ausschlossen und im schlimmsten Fall Ablehnung schür­ten, schufen die VR-Simulationen durch die vermittelten physischen und kognitiven Erfahrungen die Grundlagen für eine gemeinsame Sprache und Vorstellung. Sie machten der Gemeinschaft interdisziplinäre Erkenntnisse zugänglich und vermittelten die Auswirkungen der Projekte auf die Umwelt und das Quartier auf sehr direkte, intuitive und menschliche Weise. Die im Rahmen der beiden Workshops erarbeiteten kritischen Ansätze machen deutlich, dass die Qualität der gebauten Umwelt vor allem das Ergebnis von innovativen kollektiven Prozessen ist.

Dieser Artikel ist erschienen im Sonderheft «Baukultur: Qualität und Kritik». Bestellen Sie jetzt!