Weiterhin viel los in der Projektierung

Architekten und Ingenieure haben auch 2018 viel zu tun. Insgesamt ist ­der Projektierungssektor in robuster Verfassung. Das zeigt die aktuelle KOF-Konjunkturumfrage vom Winter 2017/18.

David Fässler Fürsprecher M.B.A./SIA; Leiter SIA-Service

Die Planungsbüros schätzen ihre Geschäftslage gemäss der Konjunkturforschungsstelle an der ETH (KOF) nach wie vor als gut ein. Rund 80 % der Büros gehen davon aus, dass sich die Wirtschaftslage in der nahen Zukunft nicht verändern wird, 10 % rechnen mit einer Verschlechterung.

Auch hierzulande werden die Zinsen wieder steigen

Glaubt man Konjunktur- und Immobilienexperten, könnte das laufende Jahr an die guten Werte von 2017 anknüpfen. Daran soll auch das kleine Erdbeben an den Börsen vorerst nichts ändern. Die Zinsen sollen hierzulande weiter tief bleiben, auch wenn die amerikanische Notenbank (Fed) bereits letztes Jahr begonnen hat, schrittweise die Zinsen zu erhöhen. 2018 sollen drei weitere Zinserhöhungen folgen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt dagegen weiter billiges Geld in die Finanzsysteme. Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind die Hände gebunden. Sie kann erst reagieren, wenn die EZB etwas an ihrem Kurs ändert. Dabei wäre eine Abkehr vom Überschwemmen der Märkte mit Geld auch in Europa angezeigt. Aymo Brunetti, Professor für Volkswirtschaft an der Universität Bern, hat kürzlich an einer Konferenz vor Immobilienfachleuten für eine möglichst baldige Normalisierung der Geldpolitik plädiert.

Die Schweiz ist aufgrund der Hypothekarverschuldung besonders stark exponiert. Seit den 1970er-Jahren ist der Anteil der Hypothekarkredite an den gesamten in der Schweiz vergebenen Bankkrediten von 49 auf 87 % gestiegen. Sollten die Zinsen rasch ansteigen, wäre das für die Stabilität des Bankensystems mit Risiken verbunden und könnte auch den Immobiliensektor und folglich den Projektierungs­sektor negativ treffen. Vorläufig ist zu erwarten, dass aufgrund des Anlagedrucks unvermindert in Renditeimmobilien investiert wird. Damit wird wohl auch im laufenden Jahr viel gebaut werden. Gleichzeitig dürfte sich der Trend zu steigenden Leerständen, sowohl im Wohn- als auch im Büromarktsektor fortsetzen.

Neubau hoch im Kurs

Bei der Betrachtung der Umsätze steht im gesamten Planungssektor nach wie vor der Neubau im Vordergrund. Laut den Erhebungsresultaten ist der Anteil von Erneuerung und Unterhalt gesunken: Er beträgt noch etwas mehr als einen Drittel. Bei den Architekten dagegen macht der Anteil von Erneuerung und Unterhalt am Umsatz 44 % aus. Die Bausummen beim Wohnungsbau und beim gewerblich-industriellen Bau sind in den letzten drei Monaten gestiegen, jene beim öffentlichen Bau gesunken. Das grösste Wachstum verzeichnen die Bauten für Fürsorge und Gesundheit: Seit dem Jahr 2008 sind die geplanten Bausummen laut der Zeitschrift «Baublatt» kontinuierlich gestiegen.

Architekten in guter Verfassung

Die Geschäftslage der Architekturbüros hat sich erneut leicht verbessert. Der Auftragsbestand hat zugenommen und deckt eine Reichweite von gut zwölf Monaten ab. Uneinheitlich fallen die Angaben zum Personaleinsatz aus: Obwohl der Bestand eher als knapp eingestuft wird, haben die Büros die Belegschaft leicht reduziert. Dennoch: Als Leistungshemmnis wird erneut schwergewichtig der Mangel an Arbeitskräften angegeben.

Ingenieurbüros mehrheitlich zufrieden

Wie in der letzten Quartalsumfrage bezeichnen mehr als die Hälfte der Ingenieurbüros ihre Geschäftslage als gut, 46 % als befriedigend und lediglich 3 % als schlecht. Der Auftragsbestand blieb nahezu konstant und deckt eine Reichweite von fast zehn Monaten ab – eine leichte Steigerung zum Vorquartal. Die Ingenieure haben in allen Baukategorien ein Sinken der Bausummen festgestellt.

Wer an der Konjunkturumfrage der ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF) für den Projektierungssektor teilnehmen möchte, kann den Fragebogen online auf http://survey.kof.ethz.ch beantworten.
Weitere Infos: www.kof.ethz.ch

 

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