Die Schweiz 2050: Projektstopp mit einem grossen Aber

An seiner Klausur vom 25. August hat der Vorstand des SIA das Projekt «Die Schweiz 2050 – Lebensraum und Bauwerk» gestoppt, da die benötigte Finanzierung bis dato nicht gesichert werden konnte.

Mike Siering Leiter Kommunikation SIA

Um über ein Zukunftsprojekt zu beraten, kehrte der SIA-Vorstand in diesem 180. Vereinsjahr zu seinen Wurzeln zurück: an den Gründungsort des Vereins, Aarau. Im Zentrum der Versammlung stand ein Projekt, das die Zukunft des SIA prägen sollte: «Die Schweiz 2050 – Lebensraum und Bauwerk». Das Vorhaben, mit dem sich der SIA dem Lebensraum der Schweiz zur Mitte des laufenden Jahrhunderts widmen wollte, war ein ambitioniertes Projekt an der Schwelle von Forschung und Praxis. Es sollte ein Zukunftsbild der Schweiz zeichnen und als Handlungsrahmen für die SIA-Mitglieder dienen.

Die Finanzierung aus Drittmitteln, die der Vorstand stets zur Bedingung für das Projekt gemacht hatte, erschien ihm jedoch auch in absehbarer Zeit nicht möglich. Darum beendete er das ambitionierte Projekt an seiner Klausur vom 25. August. Der Vorstand hält es nichtsdestotrotz für unerlässlich, sich Fragen zur Zukunft des Le­bensraums der Schweiz zu stellen. Gemeinsam mit Sektionen und Berufsgruppen will er nun die Projektresultate auswerten und klären, wie er diese wichtige Aufgabe zukünftig erfüllen kann.

Das Ziel ist richtig, der Weg diskutabel

Einen Blick von aussen auf «Die Schweiz 2050» warfen die vier geladenen Experten. Sie sollten Chancen und Risiken des Projekts aufzeigen, damit der Vorstand einen fundierten Entscheid fällen konnte. Benno Singer, CEO der EWP-Ingenieure, stellte fest, es sei wichtig, dass sich der SIA Fragen zur Zukunft des Lebensraums stelle. «Das Ziel ist richtig, der Weg diskutabel.» Für das Projekt empfahl er den Verzicht auf Zukunftssimulationen: «Lieber grob richtig als detailliert falsch.»

Matthias Thoma, Leiter der Raum- und Standortentwicklung bei Ernst Basler Partner, beurteilte das Projekt als insgesamt positiv, fragte aber auch kritisch: «Wer hat darauf gewartet?» Er legte nah, auf den Anspruch der Ganzheitlichkeit zu verzichten und stattdessen ganz pragmatisch Handlungsprinzipien zu entwickeln.

Der Architekt Daniel Lischer, Präsident der Stiftung Stadtmodell Region Luzern, forderte: «Bringen Sie Poesie in das Projekt!» Zu raumplanungslastig sei es, die Beteiligung der Bevölkerung fehle ihm. Er empfahl, ein «Falling forward» zuzulassen und Mut zu Fehlern zu beweisen.

Wissenschaftsjournalist Urs Steiger, Leiter des Nationalen Forschungsprogramms «Nachhaltige Nutzung der Ressource Boden» (NFP 68), stellte fest, dass die Positionierung des Projekts unklar sei: Wolle man die Diskussion über die Zukunft des Schweizer Lebensraums mit der breiten Öffentlichkeit oder im Fachkreis führen? Für ihn sei der Adressat des Projekts klar: «Der SIA kann Grossmut beweisen und etwas für die Schweiz tun.»

Stopp, aber …

Nach dem Blick von aussen wägte der Vorstand seine Handlungsop­tionen sorgfältig ab. Das Feedback der Experten beurteilte er als durchwegs positiv, musste sich aber auch klar eingestehen, dass er die vollständige Finanzierung über Drittmittel nicht würde erreichen können. Dies hatte der Vorstand aber selbst zur Conditio sine qua non gemacht. Folgerichtig votierten die neun anwesenden Vorstandsmitglieder nach ausgiebiger Diskussion einstimmig für einen Projektstopp. Genauso einig waren sie sich aber auch darüber, dass die Vorausschau für einen Verein wie den SIA unerlässlich sei. Der Vorstand beschloss daher, gemeinsam mit seinen Berufsgruppen und den Sektionen in naher Zukunft auszuloten, wie er diese wichtige Aufgabe erfüllen kann.
 

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