Na­tur, roh, ge­mauert

Editorial TEC21 21/2025

Data di pubblicazione
23-10-2025

Jahrhundertelang wurden unsere Städte aus Stein gebaut. Aus Brandschutzgründen kam nach verheerenden Feuers­brünsten immer vermehrt Stein zum Einsatz, auch in den Dörfern. 

Abhängig von der Region war neben Ziegel oft Naturstein der bevorzugte Baustoff für das Tragwerk. Ob behauen, gesägt, geschliffen oder gleich als grober Feld- oder Blockstein vermauert – für seine «Ureigenschaft», eine stabile Tragfähigkeit der Baute zu gewährleisten, war dies zweit­rangig. Burgen- und Kathedralenbau führen es eindrücklich vor Augen.

 Mit dem Vormarsch von Beton geriet Naturwerkstein allerdings ins Hintertreffen beziehungsweise verkümmerte seine tragende Funktion zur reinen Dekoration. Dünne Steinplatten an Fassaden mögen nach aussen hin einen massiven, urtümlichen, ja rustikalen Anschein vortäuschen – zahlreiche Alpenchalets und Gastronomiebetriebe im Lederhosenstil zeugen davon. Aber mit stabilem Tragwerk hat dies nichts zu tun.

 Umso interessanter ist es, wenn Planende sich wieder an den statischen Eigenschaften des Steins orientieren und diese in die Gebäude integrieren. Der Stein kann dabei als selbsttragende, massive Fassade dienen oder sogar als vertikales Tragwerk für mehrstöckige Wohngebäude fungieren. «Back to the roots», sozusagen. Trotz ansprechender Ästhetik wird sich diese Bauweise im grossen Stil jedoch kaum durchsetzen. Naturwerkstein hat seine Grenzen – vor allem in Bezug auf seine Formbarkeit: Gewölbedecken wären bei Wohnbauten nun einmal unpraktisch. Aber es muss ja auch nicht immer alles gleich aus Beton sein.

Publikation bestellen