Ein In­for­ma­tions­sy­stem zum Kli­ma­wan­del

Praxisbeispiel – Grundlagen

Von der Analyse zur Prognose bis zur Nachkontrolle mit eigenen Sensoren: Der Kanton Zürich leistet Pionierarbeit bei der Aufarbeitung hochaufgelöster und zuverlässiger Klimadaten.

Data di pubblicazione
15-06-2022

Wirkungsvolle Massnahmen tragen zur Minimierung der Umweltbelastung und damit zu einem attraktiven Lebensraum bei. Für derartige Entscheide sind zuverlässige Informationen über den Zustand der Ökosysteme nützlich, mit denen zunächst der Handlungsbedarf definiert und danach der Erfolg kontrolliert werden kann. In der Luftreinhaltung und in der Lärmbekämpfung können die öffentlichen Vollzugsbehörden dafür eigene Modellierungen und Messnetze nutzen. Im Klimabereich ist eine derartige Infrastruktur erst im Aufbau begriffen.

Der Kanton Zürich hat diese Aufgabe bereits in Angriff genommen: Vor sechs Jahren beauftragte die kantonale Baudirektion ein spezialisiertes Büro damit, eine Klimaanalyse für den Kanton Zürich zu erstellen. Nicht nur die grossen Städte, sondern auch Agglomerationen und ländliche Gemeinden sollen sich vorsorgend darüber informieren können, wie der Klimawandel die Lebensbedingungen für die eigene Wohnbevölkerung aktuell und künftig beeinflusst. Ausgehend von einer sommerlichen Wetterlage mit Hochdruck und wenig Luftaustausch wurde der Verlauf der Lufttemperatur und weiterer Parameter raumbezogen simuliert, sowohl für eine Nachtsituation (um 4 Uhr) als auch am Tag (um 14 Uhr). Aus derselben Analyse können die nächtlichen lokalen Kaltluftvolumenströme – und deren Wirkung bis in Siedlungsquartiere – abgeleitet werden. Die Ergebnisse sind auf dem GIS-Webbrowser des Kantons Zürich einsehbar.

Für Neubauprojekte und eine grossräumige Siedlungsentwicklung liefern die digitalen Klimakarten inzwischen wichtige Informationen und gewähren Einblick in die Zukunft: Für welche Parzellen und welche funktionalen Räume ist ein Anstieg des Wärmeinseleffekts oder eine Zunahme von Tropennächten zu erwarten? Auch die zu erwartende bioklimatische Belastung für die Bewohner lässt sich massstabsgetreu auf der Planhinweiskarte für den Tag respektive die Nacht einsehen.

Projektbezogene Analysen

Um die Auswertung solcher Informationen zu vereinfachen, haben die Behörden des Kantons und der Stadt Zürich ein zusätzliches Tool für die Planungspraxis erarbeitet. Im kantonalen GIS-Browser werden mit dem Tool «Hitze im Siedlungsraum» (maps.zh.ch Hitze im Siedlungsraum) Erkenntnisse aus der Klimaanalyse mit raumspezifischen Massnahmen und Empfehlungen kombiniert. Die Siedlungs- und Bebauungsstruktur ist als statisches Element im aktuellen Zustand hinterlegt. Entsprechend können sich projektbezogene Studien zum Mikroklima auf den Einfluss der geplanten Bauvorhaben beschränken. Für die Stadt Zürich gibt es mit dem «Stadtklimatool» eine Spezialanwendung, die die Bedürfnisse der Stadt Zürich spezifischer berücksichtigt.

Was die kantonalen Fachbehörden inzwischen ebenfalls wissen: Die anfänglich modellierten Temperaturdaten stimmen mit den realen Daten gut überein. Vor allem in dichten Siedlungsgebieten zwischen den Agglomerationen von Zürich bis Winterthur wird ein eigenes Netz aus Temperatur- und Feuchtigkeitsfühlern betrieben. Anhand dieser Echtzeitdaten lassen sich die aktuellen Wärmeentwicklung respektive Wärmeinseleffekte inzwischen fast im Tagesrhythmus nachvollziehen.

-> Zum Hauptartikel «Eine Abkehr von Routinen im Infrastrukturbereich».

Dieser Artikel ist erschienen im Sonderheft «Hitzeminderung».

Mehr zum Thema Hitzeminderung finden Sie unserem digitalen Dossier.