Simón Ve­léz ins Bild ge­setzt

Freilichtausstellung in Rossinière VD

Der kolumbianische Architekt Simón Veléz arbeitet mit organischen Materialien wie Holz und Bambus. Seine Bauten in Kolumbien dokumentierte die Fotografin Deidi van Schaewen. Ihre Bilder und Filme sind momentan gemeinsam mit Modellen und Bauteilen aus Bambus in einer Freilichtausstellung im waadtländischen Rossinière zu sehen.

Date de publication
05-07-2013
Revision
30-10-2015

Grosse Worte über sein Tun macht Simón Veléz nicht. Er plant und baut einfach mit Hingabe, gestalterischem Talent und technischem Geschick sowohl im ländlichen Raum als auch im urbanen Umfeld. Was Veléz von anderen unterscheidet, ist, dass er dafür vorab organische Materialien wie Holz und vorzugsweise Bambus einsetzt. Beton kommt lediglich für die Fundamente zum Zug, Stahl in versteckter Form für die Verbindungsknoten der Bambustragwerke, Glas in nicht zu grossen Flächen und sinnvoll eingesetzt.

Seine Gebäude aus nachwachsenden Baustoffen basieren auf traditionellen Bauweisen, wirken aber dennoch zeitgemäss und durch die grosszügigen Räume und mit passender Möblierung  durchaus auch elegant. Veléz spricht von sich augenzwinkernd als «Dacharchitekt»: Er sei es gewohnt, Dächer zum Schutz vor tropischen Regengüssen oder als Schattenspender zu entwerfen. Was darunter geschehe, wolle er gar nicht beeinflussen, da es sich ohnehin im Laufe der Zeit verändere. Dezidiert aber stellt er fest, dass er nicht als Bambusarchitekt bezeichnet werden will. Er baue zwar viel mit Bambus, aber eben nicht allein damit. Vor allem wolle er seinen Bauten eine dem Menschen angemessene Dimension geben.

Leben im Experiment

Was Veléz damit meint, wird bei einem Besuch in seinem Wohnhaus und Atelier in der Altstadt Bogotàs klar. Er erzählt, wie er das steile Grundstück noch als Student erwarb, dort zuerst in einem Zelt wohnte und dann nach und nach zerfallene Hausteile neu aufbaute. Für seine Kinder und Enkelkinder erstellte Veléz rund um sein Wohnhaus neuen Raum – vielfach mit Teilen aus Abbruchhäusern. Von Beginn an war der damals noch als Arme-Leute-Material geltende Bambus für Dächer, Veranden und Möbel das bevorzugte Material. Wohnstatt und Atelier von Simón Veléz sind seit vierzig Jahren sein Laboratorium zum Erproben von neuen Bauweisen.

Eindrückliche Bilddokumente

Auf diesem Hintergrund basieren die von Simón Veléz konzipierten Projekte. Mit seinem Wirken machte er Bambus salonfähig. Die aus Berlin stammende und in Paris tätige Fotografin und Filmautorin Deidi van Schaewen fotografierte eine Auswahl seiner Bauten mit präzisem Blick für das Wesentliche. 

Die Ausstellung in Rossinière beginnt bei der Bahnstation der  Montreux-Oberland-Bernois-Bahn mit Modellen, Konstruktionsteilen aus Bambus und Filmen. Die Besucher spazieren von dort zur Saane und weiter durch das «Revers» genannte Strässchen. Die ausgewählten  Bauten sind auf etwa 500 Metern Strecke an 14 Stationen auf grossen Bildtafeln mit erläuternden Texten von Kunsthistoriker und Kurator Pierre Frey (EPF Lausanne) zu bewundern. Gleichzeitig erlaubt die Freiluftausstellung einen zauberhaften Blick auf Rossinière mit seinen zahlreichen Chalets und Speichern. 

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