Historie trifft Strukturwandel
Umbau Kaufhaus Globus Basel
Mit dem Umbau des Basler Globus verbinden Miller & Maranta, Schnetzer Puskas Ingenieure und raderschallpartner historische Substanz mit
zeitgemässer Nutzung. Hinter denkmalgeschützten Fassaden entstand ein neues Einkaufs- und Bürohaus mit begrünter Dachlandschaft und flexibler Raumstruktur. Der markante Aufbau sorgt für Diskussionen und zeigt zugleich, wie innerstädtische Verdichtung heute aussehen kann.
Als im 19. und frühen 20. Jahrhundert prachtvolle Kaufhäuser wie Harrods in London oder die Galeries Lafayette in Paris entstanden, staunte man über exotische Warenfülle und neue Einkaufserlebnisse. In der Schweiz war es die Familie Knopf, die grosse Warenhäuser betrieb. 1907 firmierte Heinrich Burkhardt den J. Weber’s Bazar in Zürich in Globus um; in den folgenden Jahrzehnten etablierte sich das Warenhaus in vielen Schweizer Grossstädten.
1997 übernahm die Migros die Firma, verkaufte sie aber 2020 an ein Joint Venture der thailändischen Central Group und der österreichischen Signa Holding, dessen Ziel es war, die Häuser zu renovieren und im Luxussegment neu zu positionieren. Auch das Basler Globus-Haus von Romang und Bernoulli Architekten am Marktplatz sollte entsprechend umgestaltet werden. Bereits zuvor hatte die Migros nach einer Neuausrichtung des Gebäudekomplexes gesucht und neben einer Beurteilung der Liegenschaften auch nach möglichen Zukunftsszenarien gefragt.
Trotz des Verkaufs an das Joint Venture blieb die Fragestellung dieselbe: Wie kann das Gebäude, das vier Zeitschichten in sich vereint, strukturell ersetzt werden und als Neubau wieder wirtschaftlich funktionieren?
Potpourri am Basler Marktplatz
Der ursprünglich bis zum Erdgeschoss geschlossene Kopfbau von 1904 war nur fünf Jahre später so umgebaut und erweitert worden, dass er sich fortan bis in die Eisengasse zog. Die strassenseitig fünfgeschossige Fortführung stellten Suter & Burckhardt Architekten 1932 fertig. Südlich vom Ursprungsbau setzten Suter + Suter Architekten 1975 schliesslich einen Viergeschosser mit rückspringendem Arkadengang an, was die Fassadenfolge zum bunten Potpourri machte.
«Wir haben die komplexe Überlagerung zum Entwurfsthema gemacht und uns intensiv mit dem Kontext des Gebäudes auseinandergesetzt», betont Quintus Miller. «Wichtig war uns, das Neubauvolumen sorgfältig in die Altstadt einzubetten. Die hängenden Gärten in den obersten Geschossen und deren Fassade, mit der wir Bezug nehmen auf die historischen glasierten Ziegeldächer der Stadt, sind für uns Kernpunkte der Arbeit.»
Während des Umbaus hätte niemand vermuten können, dass hinter den Bauplanen lediglich die Fassaden erhalten blieben. Dank dem Neuaufbau im Innern war es möglich, die neuen Geschossdecken so zu setzen, dass die Etagen trotz der aussen sichtbaren Fassadenversprünge grösstenteils stufenfrei verbunden sind. Lediglich in den Bau der 1930er-Jahre gelangt man vom zwischenliegenden Treppenhaus über einige Stufen auf das benachbarte Niveau. Hier sind auch interne Verwaltungsflächen und vermietbare Gewerberäume untergebracht, während sich im ältesten Gebäudeteil und im Anbau aus den 1970er-Jahren ausschliesslich Kaufhausflächen befinden.
Städtebaulich bildet das Haus den Übergang vom Marktplatz zum höher gelegenen Martinskirchplatz. Ein besonderes Raumerlebnis entsteht daher im vierten Obergeschoss, wo man sich rückseitig wieder auf Erdgeschossniveau befindet. Hier ist das Gebäude ganz anders: Die verglaste Fassade und die drei aufgesetzten Büroetagen sind üppig begrünt.
Neue Tragstruktur und ein hängender Garten
Für die ideale Nutzung der obersten drei Etagen galt es, eine möglichst effiziente neue Tragstruktur mit relativ grossen Spannweiten zu entwickeln. Die Hauptlasten werden entlang der Fassade und um den Lichthof herum durch eine Stützenstruktur sowie über Deckenplatten im hinteren Bereich zur Aussteifung des Gebäudes aufgenommen. Kippscheiben leiten die hohen Lasten der terrassierten Dachlandschaft – mit Bodenaufbauten inklusive Erdschüttung von bis zu 140 cm und bis zu 8 m hohen Bäumen – auf das innere Tragwerk ab.
Dass Raderschall Partner Landschaftsarchitekten bereits im März mit der Begrünung begonnen hatten, zahlte sich bei der Eröffnung des Hauses aus: Die kleinen Sträucher und grossen Bäume hatten sich bereits am Ort etabliert, die Rankpflanzen ihren Weg entlang der Wuchshilfen gefunden. Im Zusammenspiel der blühenden Pflanzen und breit gefächerten Baumkronen mit den industriell gepressten und grün glasierten Keramikelementen, die die Geschosskanten des Aufbaus verkleiden, entsteht das Bild eines hängenden Gartens, der an die Isola Bella im Lago Maggiore erinnert.
Stimmiges Fassadenbild mit rückgebauten Arkaden
Diesem Eindruck steht das sehr städtische Bild der hohen Jugendstilfassade und ihrer Anbauten gegenüber, die Miller & Maranta auf ihr früheres Aussehen zurückbauten und ergänzten. Die Arkaden, die aus Überlegungen für eine autofreundliche Innenstadt in den 1970er-Jahren ergänzt wurden, gibt es heute nicht mehr – im Gegenteil: Der Verkehr wurde beruhigt, das Trottoir verbreitert. Ein massiver Sockel mit grossen Schaufenstern bringt das «auf Stützen schwebende Gebäude wieder auf den Boden», wie Miller sagt.
Der Anbau von 1932 erhielt neue Holzfenster nach Originalplänen, jener von 1975 eine Einfachverglasung mit nachgesetzten Standardfenstern, die die Hülle thermisch abschliessen. Im ältesten Teil konnten die Originalfenster mit neuer Doppelverglasung so optimiert werden, dass die U-Werte von neuen Fenstern erreicht wurden. Von aussen ergibt das in den einzelnen Fassaden ein stimmiges Bild, und selbst der historisierenden Fassade am Martinsgässlein sieht man nicht an, dass sie ein Neubau ist.
Viele konnten wohl das Ende der Grossbaustelle im Herzen der Stadt nicht abwarten, auch wenn die Sanierung umstritten war und insbesondere der neue Dachaufbau – der in der Schutzzone liegt und entgegen früheren Plänen nicht öffentlich zugänglich ist – die Gemüter erregte. Sanierung und Erweiterung ermöglichen jedoch, ein immens grosses Gebäude gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten variantenreicher zu nutzen und damit für die Zukunft anpassbar zu halten.
Umbau Kaufhaus Globus Basel
Bauherrschaft
Marktplatz 2 Immobilien, Basel
Baumanagement / BIM-Planung
Confirm AG (Grundausbau), Basel
Architektur
Miller & Maranta, Basel
Tragwerk
Schnetzer Puskas Ingenieure AG
HLKS-Planung
Waldhauser + Hermann, Münchenstein;
HKG Engineering AG, Pratteln
Bauphysik
Kuster + Partner AG, Basel
Landschaftsarchitektur
raderschallpartner AG, Meilen
Energieplanung
Transsolar Energietechnik GmbH, München (D)
Lichtplanung
Lichtfabrik Halotech (Grundausbau), Innsbruck (A)
Fassadenplanung
PPEngineering, Basel
Kunst am Bau
Drei Kunstprojekte zur Art Basel mit der Fondation Beyeler
Generalplanung und Bauleitung
Dietziker Partner Baumanagement, Basel