«Sehr teures Pflas­ter»

Leserbrief

Aus unserer Leserschaft: Kommentar zu espazium magazin 5/2026, «Schwamendingen: Wächst nun Gras über das Problem?»

Date de publication
24-03-2026


Einhausen: Ja. 
Ein Park darüber: Jein.

Ein Park lebt von Erdverbundenheit – von Boden, Wasserhaushalt und Vegetation, die sich entwickeln kann. Auf einer vollständig versiegelten Konstruktion bleibt davon zwangsläufig nur eine Simulation. Das Ergebnis ist kein Park, sondern eine aufwendig begrünte Oberfläche.

Der eigentliche Kurzschluss liegt jedoch tiefer: in der Angst vor dem Eingriff ins Eigentum. In der Schweiz gilt oft die Prämisse, man dürfe Eigentümerinnen und Eigentümern nicht vorschreiben, was sie bauen sollen. Doch genau das ist Aufgabe der Stadtplanung.

Mit einer gezielten Anpassung der BZO, einer Aufzonung der angrenzenden Grundstücke und klar definierten Baulinien hätte die Einhausung als Auslöser für eine stückweise Neuordnung und Reparatur des gesamten Quartiers dienen können. Damit wäre nicht nur eine bessere funktionale Durchmischung möglich gewesen, sondern auch eine Entsiegelung und Neuverteilung der Freiräume zugunsten zusammenhängender, erdgebundener Grünflächen und die Absteckung von öffentlichen Reserveflächen für dringend benötigte städtische Infrastrukturen.

Stattdessen bleibt die Einhausung ein isoliertes Objekt, flankiert von Wohnbauten mit Blick auf begrünte Betonwände, während das urbane und ökologische Potenzial des Orts weitgehend ungenutzt bleibt. Ein Park über einer versiegelten Fläche wirkt so weniger wie eine langfristige stadträumliche Lösung als wie ein sehr teures Pflaster auf ein strukturelles Problem.

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