«Lehm ist ein aus­ge­zeich­ne­ter Wär­mes­pei­cher»

Leserbrief

Aus unserer Leserschaft: Kommentar zu espazium magazin 2/2026, «Dem Tessin fehlen Initiatoren»

Date de publication
21-03-2026
Patrick Krecl
Architekt und Vorstandsmitglied des IG Lehm Fachverband Schweiz

Das Interesse an naturbasierten Baumaterialien und ins­be­sondere an Lehm­produkten steigt spürbar. Die Ziele der Bauwende, einer ökologischen Bauweise und der Weg zu Netto-Null im Bauwesen lassen sich mit diesen Materialien oft deutlich einfacher erreichen – insbesondere, weil sie ohne grossen Energieaufwand für die Herstellung und ohne aufwendige Recyclingprozesse auskommen.

Das wachsende Interesse birgt jedoch auch die Gefahr von Vereinfachungen oder Missverständnissen. Zunächst ist festzuhalten, dass es eine Vielzahl unterschiedlicher Lehmbautechniken und entsprechend vielfältige Lehmprodukte auf dem Markt gibt. In unseren Breitengraden eignet sich Lehm in erster Linie für den Innenraum. Grundsätzlich ist er kein klassisches Fassadenmaterial, doch mit materialgerechter Konstruktion und fundiertem Fachwissen lässt er sich sehr wohl so einsetzen.

Dank seiner mineralogischen Zusammensetzung, insbesondere des hohen Tonanteils, besitzt Lehm hervorragende bauphysikalische Eigenschaften. Bei ausreichender Materialstärke kann er grosse Mengen an Luftfeuchtigkeit aufnehmen und zeitverzögert wieder an den Raum abgeben. Dadurch trägt er wesentlich zu einem ausgeglichenen und angenehmen Innenraumklima bei – und dies sowohl im Verlauf eines Tages als auch im Wechsel der Jahreszeiten. Zudem ist Lehm ein ausgezeichneter Wärmespeicher: In heissen Sommermonaten – gerade im Tessin – bleiben Räume mit ausreichend Speichermasse länger kühl.

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