«Krokodil»: Begrünter Hof im ehemaligen Industrieareal
Der grüne Innenhof der Wohnsiedlung Krokodil im ehemaligen Sulzerareal in Winterthur erinnert an verlassene Areale, die von der Natur zurückerobert werden. Das Areal zeigt: Verdichtung und Biodiversität sind kein Widerspruch.
Dichte Bepflanzung und lauschige Nischen laden die bunt gemischte Anwohnerschaft von Jung bis Alt, von Genossenschaft bis Wohneigentümerschaft zur gemeinsamen Nutzung des Hofs, zum Entdecken und Verweilen ein.
Bäume wie Feldahorn, Schlitzblättrige Schwarzerle, Baum-Felsenbirne, Schwarzbirke, Zerreiche, Linde, Kirschapfel und Weissweide sind einheimisch oder eng mit den einheimischen Sorten verwandt. Waldreben und Blauregen klettern die Fassaden hoch, während für die Unterpflanzung verschiedene Samenmischungen für Magerrasen oder Wildstaubenbeete in Kombination mit Flachballenpflanzungen eingesetzt wurden.
Grün und Bäume gedeihen dank dem Bodenaufbau von bis zu einem Meter trotz darunterliegender Tiefgarage. Die Fundationsschichten der Chaussierung wurden erst nach Einbringung der Substrate verbaut, sodass sich die Baumwurzeln im ganzen Hof entwickeln können.
Bei Grünflächen und Bäumen wurde Trogerde mit einer höheren Wasserspeicherfähigkeit verwendet, sodass der Grossteil des Regenwassers gespeichert werden kann. Das übrige Wasser fliesst über die Tiefgaragendecke und drei grosse zentrale Sickerleitungen schliesslich in die Kanalisation. Auch das Dachwasser wird über offene Fallrinnen in die Pflanzflächen geleitet, auf eine Bewässerungsanlage wurde verzichtet.
Dadurch entstand ein Innenhof mit vielfältiger Vegetation, in dem sich Bienen, Schmetterlinge sowie Vögel die weniger intensiv durch Menschen genutzten Bereiche aneignen. Die ökologisch aufgewerteten Dachflächen mit Nisthügeln und speziellen Samenmischungen bieten zusätzlichen Lebensraum für Insekten, die wiederum den Alpen- und Mauerseglern, die in Nistkästen an den Fassaden brüten, als Nahrung dienen.
Der Innenhof bildet so eine grüne Oase im dichten Stadtgefüge, die dennoch der Vielfalt der Bedürfnisse seitens Menschen und Natur gerecht wird und einen Beitrag zur Biodiversität im Quartier leistet.
Wohnsiedlung Krokodil, Werk 1, Winterthur
Bauherrschaften: Implenia Immobilien; Pensimo Management; Stiftung Adimora; gaiwo Genossenschaft; Gesewo Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen
Landschaftsarchitektur: Uniola, Zürich
Architektur: Baumberger & Stegmeier Architekten, Zürich; Kilga Popp Architekten, Winterthur
Art des Freiraums: Begrünter unterkellerter Innenhof und begrünte Dachflächen
Perimeter: 1252 m2
Label: Schweizer Label für Niedrigstenergie-Bauten, 2000-Watt-Areal
Fertigstellung: 2021
Gesamtkosten: 10 Mio. CHF
Kosten Freiraum: 400 000 CHF