Schwa­men­din­gen: Wächst nun Gras über das Pro­blem?

Editorial Espazium magazin 5/2026

Date de publication
05-03-2026

Elf Jahre ist es her, dass die Einhausung Schwamendingen – damals gerade in Planung – Thema der Ausgabe 23/2015 von TEC21 war. Neben technischen Aspekten und der Herausforderung, in 8 m Höhe einen lebendigen Park zu planen, blickten wir auch auf die städtische Entwicklung. 

Der Text «Transformation der Gartenstadt» hob die Chance hervor, die weitläufigen und anonymen Aussenräume des Quartiers mit einer dichteren Stadtstruktur zu beleben. Denn die Lärm- und Abgasreduktion durch die Einhausung wertete die Grundstücke entlang der Autobahn massiv auf und die Stadt Zürich plante, Schwamendingen mit grös­seren Ersatzneubauten (nicht nur neben der Einhausung) zu verdichten. Seither hat sich das Paradigma der Stadt­planung jedoch geändert. Heute steht die Ersatzneubau-­Praxis wegen des sozialen Verdrängungseffekts und der Ökologie in der Kritik. Ebenso kamen die Themen Verkehrswende, gemeinschaftliche Nutzung von Freiflächen und Hitze­minderung als wichtige Zielsetzungen in der Stadtentwicklung hinzu. 

Seit Mai 2025 ist der Ueberlandpark offiziell eröffnet. Zahlreiche Beiträge sind in Fachpublikationen bereits darüber erschienen. Der Grundtenor ist positiv. Der gut gestaltete Park, der die sechsspurige Autobahn auf einer Länge von 950 m überwuchert und auf Stadtebene in Form von 8 m hohen begrünten Waschbetonwänden in Erscheinung tritt: biodivers und «unique». Wahrscheinlich dient er in Zukunft als Vorbild für andere Problemquartiere mit lauter, schmutziger Autobahn. 

Darum wollen wir mit dieser Publikation mehr als nur die gute Gestaltung und frischere Luft loben und baten die Studierenden des MAS gta ETH, Architekturkritiken zu verfassen. Sie analysierten historische, soziale und transformative Aspekte des Bauwerks und kamen zu unterschiedlichen Bewertungen. Sie legen ihre Finger aber auch auf Schwachstellen, die man gerade bei einem potenziellen Vorbildprojekt ebenfalls benennen muss, um einerseits für zukünftige Projekte dazuzulernen und andererseits den fachlichen Diskurs zu pflegen.

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