Wie wohnt es sich im Büro?

Editorial espazium magazin 4/2026

Date de publication
19-02-2026

Die Schweizer Leerwohnungsziffer sank letztes Jahr auf ein Rekordtief von 1.0 % des Gesamtwohnungsbestands. In den Kantonen Genf, Zug und Zürich liegt sie gar unter 0.5 %. Gleichzeitig wächst in den grossen Zentren das Angebot an Büroflächen weiter: Ende 2025 standen in Zürich, Genf, Bern, Basel und Lausanne über 1 Mio. m2 leer. Die Gleichung scheint verlockend einfach: Die Büros könnte man in Wohnraum umbauen. Doch die leeren Flächen liegen oft nicht dort, wo der Wohnungsdruck am grössten ist. Und Bürobauten sind – obwohl die Grundrisse oft frei sind – nicht so einfach bespielbar wie gemeinhin gedacht. Somit bleibt jede Transformation ein Einzelfall. 

Der Wohnstandard ist über Jahrzehnte gestiegen. Grössere Flächen, konstante Temperaturen und perfektionierte Oberflächen. Doch im Bestand zeigt sich Qualität nicht zwingend in der Maximierung, sondern in der An­passung. Bestandsbauten fordern uns heraus, unsere Erwartungen zu präzisieren, statt sie automatisch mit Neubauqualität gleichzusetzen.

In dieser Ausgabe richten wir den Blick auf Projekte, die zeigen, dass Umnutzung mehr ist als ein technischer Vorgang. Sie ist auch eine kulturelle Entscheidung. Wer mit dem Vorhandenen arbeitet, wird unweigerlich mit eigenen Komfortansprüchen konfrontiert: Wie warm muss ein Raum sein? Wie viel Fläche ist nötig? Und was sind wir bereit zu akzeptieren, wenn wir Ressourcen und als Mietende unser Portemonnaie schonen wollen? Dass dies keine Verzichtsübung sein muss, zeigen unterschiedliche Strategien im Winkelbau auf dem Zwhatt-Areal ebenso wie die Umnutzung der ehemaligen PTT-Zentrale in Basel.

Dieses Heft versteht Transformation nicht als Aus­nahmezustand, sondern als neue Normalität und fragt, was bestehende Strukturen leisten können, wenn wir sie als Entwurfsfeld begreifen.

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