Mehr als schmu­cker Rah­men

«Schloss Grandson 2026», Gestaltung der Parks des Schlosses, Grandson VD

550 Jahre nach der Schlacht von Grandson rückt das Siegerprojekt  «Othon & Isabel» das Schloss mit seiner frischen Interpretation historischer Gartenthemen und der Stegverbindung vom Schlossturm bis zum Wasser erneut ins Bewusstsein. Die Mitwirkung im Studienauftrag zur Umge­staltung der Parkanlagen ist nachahmenswert.
 

Date de publication
09-02-2026

Am 2. März 1476 wurden in der Schlacht von Grandson die Weichen in der Europapolitik gestellt, als die Eidgenossenschaft gegen das Burgund und dessen despotischen Führer Karl den Kühnen gewann. Die bewegte Geschichte des Schlosses wurde an anderer Stelle aber bereits erzählt. Hier sind nicht die Burgunderkriege relevant, sondern das Bestreben, zum 550. Jahrestag der Schlacht am 2. März 2026 das Schloss wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – frisch restauriert und mit neuem musealem Konzept, Schulungs- und Empfangsräumen. 

Und somit sind die aktuellen Entwicklungen in der Geschichte des Schlosses relevant. Nachdem die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) das Schloss von nationaler Bedeutung 1984 erwarb, wird es nun durch die Fondation du Château de Grandson (FCG) als Betreiberin zusammen mit Terresta als Bauherrenvertreterin und der Eigentümerin SKKG für 54 Mio. Fr. aufwendig restauriert. 

Historische Schichten erkennen, aufgreifen und neu interpretieren

Auf der Baustellenführung im Mai 2025 erläutert die Restauratorin, wie sie im Innern die einzelnen Farbschichten abtragen, um festzulegen, welcher Farbton gewählt und welche Epoche damit repräsentiert werden soll. Sofort fällt auf, dass die Restauratoren mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail vorgehen. So erstaunt es nicht, dass auch die Aussenanlagen erneuert und aufgewertet werden sollen. 

Wegen der komplexen Aufgabenstellung und um diesem kulturhistorischen Objekt von nationaler Bedeutung angemessen zu begegnen, führte Terresta einen Studienauftrag mit Präqualifikation durch. Dabei setzten sich drei Teams unter der Leitung von Landschaftsarchitekturbüros durch. Aus den Grundlagen im Jurybericht lässt sich schnell feststellen, dass das Ablösen der einzelnen Gestaltungsschichten in den Parkanlagen nicht so einfach war, wie bei den Farbschichten auf den Schlossmauern. 

Die jetzige Struktur des Schloss­parks und des Waldparks zum See lassen ursprüngliche Gestaltungsabsichten nur noch fragmentiert erahnen, Parkplätze und aktuelle Baustelleninstallationen verzerren das Bild zusätzlich. 

Wasserzugang für die Bevölkerung, Ausflugsziel für Touristen

Der Studienauftrag forderte, dass das bildungsorientierte Besuchserlebnis für Touristinnen und Touristen in den Parkanlagen fortgesetzt wird, historische Bezüge bewahrt und aufgezeigt sowie vielfältig ansprechende Aufenthaltsqualitäten geschaffen werden. Schloss und Schlosspark waren über die Gleise hinweg mit dem Seeufer sowie dem landschaftlichen Waldpark zu verbinden und der Bach zu revitalisieren. Die bestehende Flora und Fauna waren zu erhalten und zu stärken und teils mit gezielter Besucherlenkung zu schonen.

Den Schlussbericht und weitere Details finden Sie auf competitions.espazium.ch

Die drei Teams konnten den Betrachtungsperimeter selbst festlegen und damit die Rolle des Schlosses mit seinen umgebenden Parkanlagen im regional-landschaftlichen Kontext bestimmen. Durch die entsprechende Interpretation, Gestaltungs- und Nutzungsvorschläge sollte der Ort auch für die Zukunft neu definiert werden. 

Der Bearbeitungsperimeter umfasst den östlich des Schlosses gelegenen Schlosspark und den Waldpark zum See sowie die Klärung der Querung des Bahntrassees, um Schloss und Schlosspark mit dem See verbinden zu können. Für die Eingangssituation des Schlosses sollten die Teams der Gemeinde Ideen liefern, die in der kommunalen Planung weiter berücksichtigt werden können. 

Klarere Lesbarkeit des Orts

Das Projekt des Teams um Atelier Grept aus Saint-Gingolph «Othon & Isabel» hat die Jury überzeugt und wird zur Weiterbearbeitung empfohlen. Die Ergebnisse des Studienauftrags zeichnen sich alle durch einen sorgsamen Umgang mit dem landschaftlichen und städtebaulichen Kontext aus. 

Die zentralen Anliegen aus der Aufgabenstellung griffen die drei Teams angemessen bis sehr gut auf und schafften eine klarere Lesbarkeit des Orts mit historisierenden, aber nicht anbiedernden Gartenflächen. Sie stellten alle die Verbindung vom Schloss zum verwunschen wirkenden Waldpark und Seeufer wieder her und liessen Atmosphären entstehen, die zu zusätzlichem Verweilen einladen oder zum Hauptgrund für den Besuch Grandsons werden. 

«Othon & Isabel» schafft es, die unterschiedlichen Charaktere der Teilräume herauszuarbeiten und nimmt dabei mal stärker auf den historischen Kontext Bezug, mal mehr auf den landschaftlichen. Der revitalisierte Bach und die Wege verweben die Aussenanlagen zu einem Ganzen. Der Bach fügt sich künftig in die Parkanlagen ein und setzt die Felsennase «Douille» in Szene. Zunächst südlich des Wegs fliessend, lenkt er das Auge auf den Jardin du Valentin, inspiriert von St.-Valentine-Gedichten, die der Ritter Othon III. von Grandson im englischen Exil verfasste. 

Der Teil Hortus zeigt ursprüngliche Gemüse- und Getreidearten und das Herbularium Pflanzen zu Themen wie Färben und Heilen. Im Wechselspiel mit dem barrierefreien Sentier de Pierre führt der Bach anschliessend durchs Viridarium: Alte Obstsorten dienen als Reminiszenz an mittelalterliche Klostergärten. Der Schloss­park vereint diese Auseinandersetzung mit dem ganzen Spektrum von Nutzpflanzen, von Zierde bis Rohstoff, mit der Ortsgeschichte zu einem harmonischen und lehrreichen Ganzen. 

Unter den Gleisen hindurch fliesst der Bach mit leichtem Gefälle, bevor er durch den Waldpark mäandrierend die wertvolleren Bereiche von Besuchenden abgrenzt und in einem kleinen Delta in den See mündet. Ein Steg schafft die Verbindung über die Eisenbahngleise hinweg. Er dockt an den Schlossturm in den Baumkronen an und führt dann als barrierefreie Rampe über den Waldpark und den Bach hinweg zum See. 

Neue Strukturen, die notwendig sind, um den Park besser nutzbar zu machen, formte und materialisierte das Gewinnerteam bewusst so, dass auch ungeübte Augen historische Substanz von neuen Ergänzungen unterscheiden können. Etwas fragwürdig bleibt die dominant sichtbare Art, wie der Steg an den Aussenturm anschliesst. Obwohl das Siegerteam den Steg bestimmt richtig positioniert hat, wäre eine etwas subtilere Gestaltung, die sich dem Schlossturm klar unterordnet, wünschenswert. Mit dem Gewinnerprojekt realisiert die Gemeinde Grandson nicht nur ein geschichtsträchtiges überregionales Ausflugsziel, sondern auch einen schattigen Badeort für die Einwohnenden inmitten des Waldparks. Eine Stufenanlage ermöglicht den Zugang zum Wasser und lädt auch nach dem Baden zum Bleiben ein. 

Umsichtige Beteiligung im MiniPublic

Der sorgfältig gestaltete Prozess verdient seinen eigenen Abschnitt. Diskutiert wurde mit Vertretenden der Bevölkerung und Stakeholdern im sogenannten MiniPublic. Das MiniPublic mit 24 Mitgliedern sollte eine Vielfalt an Standpunkten gewährleisten und einen konstruktiven Dialog mit den Projektträgern ermöglichen. 

Durch die Herangehensweise wollten die Veranstaltenden eine tragfähige Lösung für die Parkanlagen erhalten, die derjenigen für das Schloss ebenbürtig ist und sie, wie auch umgekehrt, atmosphärisch unterstützt. Das Reflektieren der jeweiligen Arbeitsstände mit dem MiniPublic ermöglichte es, Wissen und Ansprüche der Bevölkerung in das Projekt zu integrieren. Im Anschluss daran beurteilte die Jury die Ergebnisse der drei Teams. 

Für vergleichbare Projekte mit ähnlich umfassenden baulichen Veränderungen wäre es wünschenswert, wenn sich über den gartenhistorischen und landschaftlichen Kontext in angemessenen Umfang genauso viele Gedanken gemacht würden.

«Schloss Grandson 2026», Gestaltung der Parks des Schlosses, Grandson VD
Studienauftrag im selektiven Verfahren mit Präqualifikation
 

Siegerprojekt: «Othon & Isabel»

Atelier Grept, Saint-Gingolph; Fournier Maccagnan, Bex; RWB Vaud, Yverdon-­les-Bains; Drosera Ecologie appliquée, Sion; CSD Ingénieurs, Lausanne; Atelier Schlaepfer-Capt, Lausanne
 

Weiteres Team: «Greta»

Duo architectes paysagistes, Lausanne; Dreier + Frenzel, Lausanne; Ingphi, Lausanne; Ecoscan, Lausanne; Perenzia Ingénieurs, Lausanne; Clément Crevoiser, Yverdon-­les-Bains
 

Weiteres Team: «La Promenade des Remparts»

Forster paysage, Prilly; graf + rouault, Lausanne; Alberti ingénieurs, Lausanne; Asca environnement, Mézières; srg engineering, Le-Mont-­sur-Lausanne
 

Fachjury

Sophie Ambroise, Landschaftsarchitektin, Lugano (Vorsitz); Susanne Eliasson, Architektin, Paris (F); Gaël Müller Heyraud, Landschafts­architektin, Neuenburg; Emmanuel Ventura, Kantonsarchitekt Kanton Waadt; Peter Wullschleger, Landschafts­architekt, La Chaux-de-Fonds
 

Sachjury

Stefan Erzinger, Leiter Nachhaltigkeit Terresta; Bettina Stefanini, Verwaltungsrätin SKKG; Camille Verdier, Direktor FCG; Antonio Vialatte, Gemeindepräsident von Grandson
 

Auftraggeberin

Fondation SKKG, Winterthur
 

Bauherrenvertreterin

Terresta Immobilien- und Verwaltungs AG, Winterthur
 

Bauherrenunterstützung

Triporteur, Nyon

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